Das kleinere Übel für den Regensburger Bahnhofsvorplatz: Busse kehren zurück

Demnächst werden wieder Linienbusse über den verkehrsberuhigten Bahnhofsvorplatz fahren. Am Dienstagabend sprach sich der Planungsausschuss gegen die Stimmen der Grünen für den entsprechenden Vorschlag der Verwaltung aus.
Wie vorab bereits berichtet,soll diese Neuerung vor allem die Problematik in der Albertstraße entschärfen. Hier fahren seit Dezember 2021 Busse im Begegnungsverkehr,obwohl die Fahrbahnbreite dafür objektiv zu gering ist.
„Das ist eine Stress-Situation für Busfahrer“, stellte SPD-Stadtrat Klaus Rappert fest. Er zeigte daher Verständnis für die ausgearbeitete Lösung, auch wenn die Rückkehr der Busse auf den Bahnhofsvorplatz „ein bisschen schmerzhaft“ sei. Nicht nur Rappert gefällt es, dass dieser Eingang zur Stadt aktuell nur Fußgängern und Radlern vorbehalten ist.
Auch Benedikt Suttner (ÖDP) bezeichnete den jetzigen Zustand als „sehr kommod“, Michael Achmann (Grüne) findet ihn sogar „wunderbar“. Wenn aber wieder Busse fahren, befürchtet er: „Entspanntes Kreuzen wird dann nicht mehr möglich sein.“
Kein Ausbau der Albertstraße
Derlei Bedenken ließ Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer jedoch nicht gelten. Sie erinnerte daran, dass die gesamte Situation des Areals nur ein Provisorium sei und irgendwann ja der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) neben dem Bahnhofsgebäude angesiedelt werde. Und dann würden sowieso wieder Busse im fraglichen Bereich fahren – „weil fliegen können sie nicht“.
CSB-Stadtrat Christian Janele wiederum reichte diese Begründung nicht. Er plädierte dafür, dass „i“ für „Interims“ beim jetzigen Busbahnhof am Ernst-Reuter-Platz zu streichen. „Der wird nämlich zehn bis 15 Jahre lang stehen.“
Angesichts dieser langen Zwischenspanne, so argumentierte Janele, sei ein Ausbau der Albertstraße sinnvoller. Denn so werde dort Platz für sich begegnende Busse geschaffen, während der Bahnhofsvorplatz frei von motorisiertem Verkehr bliebe.
Doch ein baulicher Eingriff in der Albertstraße, für den sich auch Achmann aussprach, kommt für Planungsreferentin Christine Schimpfermann nicht in Frage. Nicht zuletzt deshalb, weil dafür höchstwahrscheinlich auch ein Eingriff in den Baumbestand der Allee nötig wäre.
So setzte sich bei den meisten Stadträten die Einsicht durch, dass ein einspuriger Busverkehr am Bahnhofsvorplatz letztlich wohl das kleinere Übel ist. Zumal auch die von der Verwaltung geplante Gestaltung mit viel Grün in Pflanztrögen und Fahrrad-Abstellanlagen auf Beifall stieß. „Wir wollen den Bahnhofsvorplatz als Platz wirken lassen“, formulierte Planungsamtschefin Tanja Flemmig die Zielsetzung.
„Sehr gelungen“, lautete das Lob von Irmgard Freihoffer (Linke), Florian Rottke (Brücke) sprach von einer „guten und praktischen Lösung“ und selbst Achmann sah „viele gute Punkte“. Dennoch brachten die Grünen einen Änderungsantrag ins Spiel.
Ziel: Der Motorisierte Individualverkehr (MIV) soll durch bauliche Maßnahmen daran gehindert werden, die Bus-Öffnung verbotswidrig mitzunutzen. Nicht nur Günther Riepl (Freie Wähler) sah dafür keine Notwendigkeit, denn: „Der ganze Stadtrat will, dass da keine Autos mehr durchfahren.“
CSU schwänzt Abstimmung
Bei dieser Einschätzung hatte er allerdings die CSU vergessen. Diese pocht bekanntlich nach wie vor auf eine Freigabe für den gesamten Durchgangsverkehr,hält aber derzeit aus Gründen der Koalitionsdisziplin die Füße still.
Am Dienstag im Ausschuss sah dies wie folgt aus: Erst geißelte CSU-Stadtrat Michael Lehner die Situation vorm Bahnhof als „Unmöglichkeit“, dann verließ er zusammen mit seiner Fraktionskollegin Bernadette Dechant rechtzeitig vor der Abstimmung den Sitzungssaal.