Kammermusik in allen Spielarten – und sogar im Dunkeln

Von Juan Martin Koch · 3. Mai 2023 um 15:00

David Weiss vom David & Danino Weiss Quartett im Schloss Höfling, wo auch der Kulturverein seinen Sitz hat. Der Verein veranstaltet im September das vierte Kammermusikfestival. Zehn Konzerte präsentieren unterschiedliche Spielarten des Genres. − Foto: Juan Martin Koch

Süffiger Gypsy-Sound machte Lust auf das Kammermusikfestival im September 2023: In Schloss Höfling wurde das Programm präsentiert, das weit über Genre-Grenzen hinaus greift.

„Und wir machen tatsächlich auch ein klassisches Kammermusikkonzert!“ Die Vorstellung des neuen Programms war schon weit fortgeschritten, als dieser Satz im Höflinger Schloss fiel. Benedikt Wiedmann und seine Kollegen aus dem Leitungsteam des Kammermusikfestivals Regensburg betonten immer wieder, man wolle bei der vierten Ausgabe vom 16. bis 24. September 2023 den Begriff Kammermusik noch einmal weiter fassen als in den Jahren zuvor.

Die landläufige Definition von Kammermusik werden im engeren Sinne nur zwei Ensembles abdecken: das Klaviertrio Vivente (mit Haydn, Beethoven und Clarke) und das aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Regensburg bestehende Insomnia Sextett (Reger, Tschaikowsky). Ansonsten sollen Grenzüberschreitungen in andere Genres das Festival prägen, weshalb dem (wieder einmal eher inhaltsleeren) Stadtkultur-Jahresmotto „Höhenflug“ kurzerhand ein „grenzenlos“ hinzugefügt wurde.

Lesen Sie einekurze Bilanz über das Kammermusikfestival 2022.

In diesem Sinne sind kreative Schulterschlüsse des StimmGold Vokalensembles mit dem „Ambient Chamber Pop“-Duo Fallwander und der Camerata Goltz mit dem Jazzgeiger Tobias Preisig geplant, wobei StimmGold wieder Preisträgerwerke des laufenden Kompositionswettbewerbs präsentieren wird. Puren Jazz servieren das frisch mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnete Melt Trio und das David & Danino Weiss Quartett, das bei der Programmpräsentation mit süffigem Gypsy-Sound schon mal Lust auf mehr machte.

Mit einem Nachwuchskonzert im Haus der Musik und einem Auftritt der stilistisch vielfältigen Blasmusik-Kapelle So&So in der Alten Mälzerei kommenneue Spielorte hinzu. Bewährt haben sich diverse Kooperationen, auch kulinarische. Auf Partizipation setzt das Mitsingkonzert mit Johannes Brahms’ „Deutschem Requiem“, das mit einem Festivalchor in der Fassung für zwei Klaviere und Pauke statt Orchester erklingen wird. Ums Mitmachen geht es auch beim Education-Angebot des Festivals. Ausgebaut wird es unter anderem in einer Zusammenarbeit mit Studierenden der Dresdner Musikhochschule.

Tickets zum selbst gewählten Preis

Einige Schülerinnen und Schüler sollen außerdem in den Genuss des für Publikum und Musiker gleichermaßen gewagten Konzerts kommen: Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“ wird im Leeren Beutel bei absoluter Dunkelheit aufgeführt, ein Konzept, das schon beim Podium Festival Esslingen erprobt wurde. Man darf gespannt sein, wie dieses spezielle „Lights Out“-Setting die Hörwahrnehmung schärfen und wie das Ensemble um den Klarinettisten Miguel Pérez Iñesta dieses Schlüsselwerk der musikalischen Moderne auswendig meistert.

Neue Wege gehen die Festivalverantwortlichen in Sachen Zugänglichkeit des Angebots: Neugierige will man bei jeweils zwei Konzerten anlocken mit freiem Eintritt und „Zahl wieviel Du willst“-Tickets.

Fakten zum Festival

Musik:Von 16. bis 24. September sind zehn Konzerte an verschiedenen Orten, eine Ausstellung und eine Diskussion geplant.

Leitung:Die Reihe veranstaltet der Kulturverein Regensburg, geleitet wird sie von Lorenz Kellhuber, Benedikt Wiedmann, Stefan Shen und Christoph Pickelmann.

Karten:Tickets gibt es seit 1. Mai, alle Details unter: www.kammermusikfestival-regensburg.de