So klappt es im stressigen Familienleben besser – Experten geben Neumarktern Tipps

Von Katrin Böhm · 3. Mai 2023 um 15:00

Wie lassen sich Familienalltag und Partnerschaft besser unter einen Hut kriegen? Bei einer Veranstaltung des Neumarkter Landratsamts rund um das Thema faire Arbeitsteilung in der Familie bekamen Eltern Tipps für den Alltag.

Mehr als 100 Elternteile und Paare nahmen an der Online-Runde teil – was beweist, wie sehr das Thema die Menschen auch in Neumarkt beschäftigt und belastet, wie Michaela Bauer von der Koordinierungsstelle Familienbildung sagt.

Denn Mental Load ist nicht nur ein Problem für sich, es zieht weitere nach sich: Neben Geld und Eifersucht ist die Auffassung über Arbeitsteilung das größte Streitthema bei Eltern, wie die Experten Laura Fröhlich und Heiner Fischer sagen. Gesellschaft und Politik müssten sich daher verändern. „Warum wissen Frauen oft viel früher, dass die Kinder keine Matschhose mehr haben oder eine Einladung zum Geburtstag ansteht? Weil sie wissen: Das wird von mir las Mutter erwartet. Nachher heißt es: Sie hat ihren Haushalt nicht im Griff oder die Mama hat keine neuen Bleistifte gekauft“, sagt Laura Fröhlich. Diese Rollenerwartung müsse aufgebrochen werden.

Und zwar nicht nur aus Sicht der Frauen, sagt Heiner Fischer. Auch auf Männern laste ein Erwartungsdruck – leistungsfähig in allen Bereichen sollten sie sein, ihre Familie ernähren können. Dieser Identifikation, „wie wir sie von unseren Eltern kennen“ stehe die hohe Anforderung an präsente Väterlichkeit gegenüber. Oft führe das dazu, dass Väter sich die Kirschen von der Torte pickten – und mit den Kindern spielten, während die Frau sich um den Rest kümmert. Jungs und Männer bräuchten neue Rollenvorbilder – auch damit Jungen lernen, ihre Gefühle auch weiterhin auszudrücken. „Jungen hören mit etwa 13 auf, zu weinen“, so Fischer.

Beide Experten gaben den Neumarktern Tipps mit auf den Weg zur besseren Familien-Organisation.

Zwiegespräch: Damit es zu Hause wieder besser läuft

Wenn es zwischen Paaren kracht, kann das Zwiegespräch helfen. Paare sollten sich ungestört Zeit nehmen – Handys aus, Kinder im Bett –, das Gespräch vorab planen und an einem neutralen Ort führen, nicht an Orten, die dem Paar wichtig sind oder die mit Entspannung verbunden sind. Im Wechsel hat jeder Partner jeweils fünf Minuten Zeit, zum anderen zu sprechen. Wichtig dabei ist, die Zeit einzuhalten. Und wenn einer nur drei Minuten spricht, dann ist die anderen beiden Minuten eben Stille. Der Partner kann das Gesagte aufgreifen, Vorwürfe sind aber tabu („Ich habe verstanden, du fühlst dich soundso“). Das Zwiegespräch habe nicht den Anspruch, etwas zu lösen, „sondern in Kontakt zu sein, sich zu begegnen“.

Küchenmeeting: So wird die Woche besprochen

Um die konkrete Organisation geht es beim Küchenmeeting, das einmal pro Woche, womöglich sonntags, am Küchentisch stattfinden sollte. Dabei geht es darum, die Woche durchzusprechen und Aufgaben zu verteilen. Dabei sollten ruhig auch die Kinder einbezogen werden. Wichtig dabei: Standards definieren. Denn „Bad putzen“ kann für jeden etwas anderes bedeuten. Zielführend sind dabei meistens Kompromisse. „Beispiel Adventskalender. Ein Partner möchte alles selbst gebastelt und 24 nachhaltige Holz-Spielzeuge, dem anderen reicht ein Schoko-Ding. Das ist dann Aushandlungssache und man wird sich irgendwo in der Mitte treffen“, sagt Laura Fröhlich. Und wenn man sich gar nicht in der Mitte treffen kann, handhabt Heiner Fischer es in seiner Familie so: Seine Frau und er haben gemeinsame Standards festgelegt. Auf viele konnten sie sich einigen, doch wo seine Frau meint, es müsse noch mehr gemacht werden, übernimmt sie dies selbst.

Wenn ein Partner nicht will: selbst alles aufschreiben

Vor allem an Frauen, deren Partner sich für das Thema nicht oder noch nicht interessiert, richtet sich die Methode, alles für sich systematisch nach einem bestimmten Muster aufzuschreiben. Erster Schritt: „Ich fühle mich belastet, weil...“. Zweiter Schritt: „Das führt bei mir dazu, dass...“. Dritter Schritt: “Ich wünsche mir...“. Eine solche Auflistung helfe zum einen, den inneren Teufelskreis zu durchbrechen („wenn ich das nicht mache, geht alles kaputt“). Zum anderen kann es helfen, später mit dem Partner ins Gespräch zu kommen.

Familien-Management mit dem Shopfloor-Board

Was das konkrete Management im Haushalt betrifft, gibt es mehrere Organisations-Möglichkeiten. Wichtig dabei ist eines: die To-do-Liste aus dem Kopf herauszubringen. Anfangs kann es helfen, fünf Tage lang alles auf Post-its zu schreiben – von „Zahnpasta kaufen“ bis „Kleiderschrank der Kinder ausmisten“. Dieses System lässt sich leicht erweitern – mit einem Shopfloor-Board, einem Manangement-System, auf dem auf einer Tafel oder einem Brett vertikal alle möglichen Aufgabenbereiche (zum Beispiel Freizeit-Organisation, Familie, Aufräumen, Finanzen) aufgelistet werden. Horizontal gibt es die Kategorien „To Do“, „In Arbeit“ und „Erledigt“. Je nach Entwicklungsstand werden die einzelnen Aufgaben (zum Beispiel „Sommerurlaub buchen“, „Reifen wechseln“) bei den jeweiligen Bereichen mit Post-its aufgeklebt – am besten mit einem Zeitlimit. So werden Ergebnisse und Prozesse visualisiert. Hilfreich ist es, wenn jedem Familienmitglied eine bestimmte Zettel-Farbe zugeordnet wird.

Alternative: Sprachassistent und Liste am Smartphone

Wer kein Freund von Zetteln ist: Listen lassen sich auch per Sprachassistent und Erinnerungsfunktion im Smartphone anlegen, das Familien-Board lässt sich auch als Excel-Liste anlegen. Freilich möge es seltsam anmuten, das Privatleben so zu strukturieren, sagt Fröhlich. Zum einen aber helfe dieses Gerüst, um Aufgaben loslassen zu können und zum anderen, um sich nicht mit all diesen Aufgaben verloren zu fühlen.

Zum Vertiefen: Buchtipps der Experten

„Up to Dad“ von Carsten Vonnoh, „Eltern als Team“ von Birk Grüling, „Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“ von John Gottmann, „8 Gespräche, die jedes Paar führen sollte“ von John Gottmann und Julie Schwartz Gottmann.

MZ-Umfrage:

Online:Unser Medienhaus hat bei einer nicht repräsentativenOnline-Umfragenachgehakt, wie Neumarkter Familien es mit der Arbeitsteilung handhaben. Das Ergebnis: 34 Prozent gaben an, bei ihnen übernehme die Mutter deutlich mehr Aufgaben als der Vater.

Aufgaben:22 Prozent der Teilnehmenden gaben an, sich als Mutter zu wünschen, der Mann würde mehr Aufgaben übernehmen. Andererseits gaben sieben Prozent der teilnehmenden Väter an, sie würden sich eine andere Rollenteilung wünschen und gern mehr Aufgaben übernehmen, ihre Frau wolle aber alles selbst erledigen. Weitere sieben Prozent gaben an, dass in ihrer Familie der Vater mehr organisiert und kommuniert als die Mutter.

Zufriedenheit:Gleichberechtigt verteilt sehen in Neumarkt nur 22 Prozent der Teilnehmenden die Aufgaben innerhalb der Familie. „Im Großen und Ganzen einverstanden“ mit der Rollenaufteilung in ihrer Familie sind nur 16 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. Insgesamt nahmen 73 Personen an der Umfrage teil.