Regensburger Theater entdeckt seine Liebe zu Joseph Beer

Mit der Gala „Du bist meine große Liebe“ verneigt sich Regensburg ab 1. Mai vor Komponist Joseph Beer, den die Nazis um seine Karriere brachten. Hintergrund der Gala ist ein Zufallsfund in einem Berliner Antiquariat.
Tenor Carlos Moreno Pelizari legt bei Proben zur neuen Gala des Theaters Regensburg immer wieder alle fünf Fingerspitzen an die Lippen und macht dazu einen bewundernden Luftschmatzer: Mmmuah! So gut gefällt ihm die Musik. „Das Ensemble“, schildert Chef-Dramaturg Ronny Scholz, „ist geradezu hingerissen von Joseph Beer.“
Das Theater verneigt sich mit einer Operettengala vor dem Komponisten, der 1908 bei Lemberg als Sohn eines jüdischen Bankiers in die österreichisch-ungarische Monarchie hineingeboren wurde, als Teenager begann, Musikstücke zu schreiben, und damit nicht mehr aufhörte, bis er 1987 in Nizza starb. Der Künstler überlebte Verfolgung, Flucht, Jahre in verschiedenen Verstecken – und den Mord an seiner Familie; Mutter, Vater und Schwester starben im KZ Auschwitz. Sein Erbe ist ziemlich großartige Operettenmusik, gut gelaunte Lieder mit Ohrwurm-Potenzial.
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Mit „Der Prinz von Schiras“ (1934) begann ein kometenhafter Aufstieg, mit „Polnische Hochzeit“ (1937) bekam er schon wieder einen Knick. Beers Werke wurden aus den Spielplänen radiert. Der Komponist tauchte unter, schrieb geheim. Der heiteren Operettenwelt hielt er – trotz oder wegen der Brüche in seiner Biografie – ein Leben lang die Treue. Das Theater entdeckt Joseph Beer nun neu. Die Gala „Du bist meine große Liebe“ – am 1., 5. und 7. Mai im Antoniushaus Regensburg – wird der Appetizer für eine exotische Operette, die keiner mehr kennt, die Aufsehen erregen dürfte und die mit einem Krimi beginnt.
Eine Zufallsentdeckung in Berlin
Purer Zufall: Ronny Scholz und Intendant Sebastian Ritschel entdeckten in einem Berliner Antiquariat dieKlavier-Partitur zu „Der Prinz von Schirach“. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, um sie zu reorchestrieren, und forschten nach Originalnoten der Operette. Beim Musikverlag bissen sie auf Granit, auch Beers Töchter – Philosophin und Künstlerin Suzanne in Paris und Sopranistin Beatrice in Philadelphia – konnten nicht helfen. Bis ein zweiter Zufall half: Die Noten tauchten im Archiv des Verlags doch noch auf. Knapp 100 Jahre nach der Uraufführung in Zürich kommt also „Der Prinz von Schiras“ im Dezember 2023 als Deutsche Erstaufführung auf die Bühne zurück.
Beers Töchter glücklich über das Revival
Die Töchter, erzählt Ronny Scholz, sind glücklich über das Revival ihres Vaters,den die Nazis um seine Karriere brachten. Scholz und Ritschel trafen die Töchter in Dresden, wo „Polnische Hochzeit“ gerade neu inszeniert wurde. Auch nach Regensburg will die Familie kommen. Am 7. Mai ist schließlich Joseph Beers Geburtstag.
Seine Musik geht ins Ohr und ins Blut, schmeichelt, ist schmissig und heiter, auch dramatisch, schwermütig und folkloristisch. Paul Abraham kann man aus ihr heraushören, Kurt Weill, Franz Lehar, George Gershwin.
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Die Gala mit John Spencer am Pult bringt ein reines Joseph-Beer-Programm, samt drei neu entdeckten Perlen als Uraufführung. Sieben Solisten interpretieren Titel wie „Katzenaugen“ und „Bussi“. Hübscher Sidekick: Bei „Du bist meine große Liebe“ singen Carlos Moreno Pelizari und Kisten Labonte Seite an Seite. Sie sind nicht nur Kollegen, sondern auch privat ein Paar. Mmmuah! Ein Match.

