Die Ampel an der B22 bei Rötz: Das Provisorium geht, die Dauerlösung kommt

Aus dem Provisorium wird eine Dauerlösung: An der Bundesstraße 22 wird bei Rötz weiterhin eine Ampel stehen. Das war allerdings nicht die einzige Neuigkeit, über die am Mittwoch Vertreter des Staatlichen Bauamts Regensburg, des Landratsamts Cham und der Stadt Rötz informierten.
Die Ampel sei ein Thema, das viel diskutiert worden sei, sagte Baudirektor Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt – nicht nur von den Bürgern, auch von den zuständigen Behörden und im Stadtrat. Er informierte, dass es vom 1. Januar 2000 bis 23. September 2020 46 Unfälle an der Einmündung gegeben habe, davon einen tödlichen, außerdem neun schwer- und mehrere leichtverletzte Personen. „Es war eine sehr unfallträchtige Stelle“, fasste er die tragische Bilanz zusammen.
Kein einziger Unfall mehr
Seit Installation der Ampel im September 2020 habe sich kein einziger Unfall mehr an dieser Stelle ereignet. Aus Sicht des Bauamts und der Polizei habe sie sich somit mehr als bewährt. Die Frage, wie lange oder ob die Ampel überhaupt bleibe, stand dennoch im Raum – auch, da man erst die Auswirkungender im Dezember fertiggestellten Ortsumgehungberücksichtigen musste.
Ab dem 23. Februar wurde mittels Seitenradarzählung festgestellt, wie viel Verkehr die Ortsumgehung aufnimmt, so Bosl. Aktuell seien es etwa 1500 bis 1600 Fahrzeuge pro Tag. Als die Neunburger Straße vor Ostern halbseitig gesperrt gewesen sei, sei die Zahl sogar bis auf 3000 Fahrzeuge pro Tag hochgegangen. Man habe dabei eine relativ hohe Schwerverkehrsbelastung von rund 300 Lkw pro Tag, was ein sehr erfreuliches Ergebnis sei, so Bosl. Bei der Gesamtzahl der Fahrzeuge gebe es vielleicht noch etwas Luft nach oben.
Weiterhin gebe es aber noch viel Ziel- und Quellverkehr innerhalb von Rötz und deshalb würden, so die Prognose, etwa 4700 Fahrzeuge die Ortsdurchfahrt nutzen und somit auch an der Stelle landen, an der die Ampel steht: „An der Einmündung wird das Verkehrsaufkommen nicht so dramatisch nach unten gehen, dass wir auf die Ampel verzichten könnten.“ Deshalb habe man Ende März das Gespräch mit dem Landratsamt gesucht, als dessen Vertreter Alfons Treu von der Verkehrsbehörde auch beim Gespräch in Rötz vor Ort war, sowie mit der Stadt Rötz, vertreten von Bürgermeister Stefan Spindler und Bauamtsleiter Josef Kulzer.
Das Ergebnis auch bei dieser Besprechung: Die Ampel hat sich bewährt. Doch es gibt Verbesserungsbedarf: Momentan wird der Verkehrsablauf mittels Kameras gesteuert, zuverlässiger und besser seien Induktionsschleifen, so Bosl. Damit könne der Hauptstrom auf der B22 fließen.
Auch Spindler stellte fest, dass das Thema viel diskutiert worden sei. Die große Mehrheit habe die Ampel vor allem zu Beginn sehr kritisch gesehen, jetzt hätten viele sich an die Verkehrssituation gewöhnt. Wegen der Sicherheitsaspekte habe sich auch im Stadtrat die Mehrheit für die Ampel ausgesprochen. Vielfach gehört: „Es steht außer einem selbst keiner an der Ampel, man darf trotzdem nicht fahren, weil sie rot zeigt.“ Daher sei die Lösung mit Induktionsschleifen sicherlich zielführend, um den Verkehrsfluss zu optimieren. Er sehe nach wie vor, dass es unterschiedliche Meinungen gebe, so der Bürgermeister, doch wenn auch nur ein Menschenleben dadurch gerettet werde, habe die Ampel ihre Berechtigung.
Treu stimmte zu: „Wenn es ein auffälliges Unfallgeschehen gibt, müssen wir gegensteuern, um für die Verkehrssicherheit zu sorgen.“ Mit dem Provisorium habe man die Möglichkeit gehabt, die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss und die Sicherheit zu sehen. Die zwei problematischen Fahrströme seien die Linkseinbieger von der B22 nach Rötz und die Linksabbieger aus der Stadt in Richtung Weiden. Gerade letzteren werde das Einfahren in die Bundesstraße jetzt um einiges leichter gemacht, vor allem dem Schwerlastverkehr und landwirtschaftlichen Gespannen.
Auch die dauerhafte Ampel, ergänzte Bosl, werde rund um die Uhr laufen und nachts nicht ausgeschaltet. Erfahrungen an vergleichbaren Stellen zufolge würde es ansonsten nachts zu erhöhten Geschwindigkeiten und wiederum zu Unfällen kommen.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei es sinnvoll, aus dem Provisorium eine dauerhafte Ampel zu machen, so Treu. Denn im Zuge der Fahrbahnsanierung der Bundesstraße, die nächste Woche beginnt, können die Tiefbauarbeiten dafür gleich mit durchgeführt werden.
Saniert wird, aus Richtung Weiden kommend, von der Einmündung zur Ortsumgehung Rötz bis zur Einmündung zur Staatsstraße, die nach Premeischl führt, auf einer Länge von 2750 Metern. Im Streckenzug liegen mehrere Einmündungen, die mitsaniert werden müssen, informierte Uwe Friedrichs vom Staatlichen Bauamt Regensburg.
Der Grund für die Sanierung: Die B22 hat zu wenig Asphalt und erhält deshalb eine Oberbauverstärkung. Neun Zentimeter höher soll die Straße werden. Damit müssen auch alle Tropfen und Dreiecksinseln an den Einmündungen und die Randbereiche aufwendig ausgebaut und der neuen Höhe angepasst werden. Zum Beispiel bei der Winklmann-Spange müsse die gegenüberliegende Seite während der Arbeiten extra asphaltiert werden, um die Einmündung für den Schwerlastverkehr zu verbreitern. An der Spange werde bei dieser Gelegenheit aus Sicherheitsgründen zusätzlich ein Graben aufgefüllt, der sich gebildet hatte.
Friedrichs informierte über drei entscheidende Randbedingungen: In Fahrtrichtung Cham könne man die gesamte Bauzeit über halbseitig auf der B22 bleiben, auch die Winklmann-Spange bleibe aufrecht erhalten und die Tankstelle an der Bundesstraße bleibe jederzeit anfahrbar – alles mit gewissen Verkehrseinschränkungen.
Einzelne Bauabschnitte entlang der Bundesstraße bei Rötz
Um diese Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten, werden einzelne Bauabschnitte gebildet, die nacheinander abgearbeitet werden, und auch die Straßenhälften werden wechselweise saniert. „Sehr aufwendig und eine große Herausforderung für die Baufirma“, so Friedrichs. In einen Bauabschnitt fällt die Einmündung mit der Ampel: Dort werden im Zuge der Sanierung gleich die Fundamente für die neue Ampelanlage eingebaut und die Leerrohre verlegt.
Weil die gesamte Maßnahme so aufwendig ist, lässt sich die Dauer laut Straßenbauamt momentan schwierig benennen. Anvisiert ist der 11. August, was sich aber durchaus noch verlängern könne. Das Ziel sei natürlich, die Strecke so schnell wie möglich wieder komplett freizugeben, so Bosl, eventuell dann über eine Ampelregelung. Eine Nebenbaustelle: Auch der Parkplatz Richtung Landkreisgrenze wird mit saniert, da er sehr schadhaft ist, und um vier Zentimeter erhöht.
Die Fahrbahnsanierung
Beginn:Den Zuschlag für die Sanierung hat laut Straßenbauamt die Firma Huber aus Winklarn erhalten. Die Kostenberechnung: rund 1,5 Millionen Euro. Start ist am kommenden Dienstag, 2. Mai. Begonnen wird bei der Einmündung zur Ortsumfahrung bis zur Winklmann-Spange sowie mit einzelnen Bereichen als Vorarbeiten.
Umleitung:Die Umleitung aus Cham kommend in Richtung Weiden wird wie folgt ausgeschildert: St2150/Hiltersried – Kreisstraße CHA34/Fahnersdorf/Heinrichskirchen – B22/Pillmersried. Die Fahrtrichtung Weiden – Cham bleibt auf der B22.