„Herzstolpern“: Oberpfälzerin spielt mit „Bergretter“ Ströbel in besonderem Roadmovie

Von Isolde Stöcker-Gietl · 29. April 2023 um 16:00

Zwei junge Menschen verlieben sich, brechen aus ihrem gewohnten Umfeld aus und machen sich gemeinsam auf den Weg von Hamburg nach Italien. Den Zweiteiler „Herzstolpern“ auf eine Liebesgeschichte zu reduzieren, würde ihm aber nicht gerecht.

Es ist ein Film, der auf wohltuend unspektakuläre Weise das Thema Inklusion in den Blick nimmt, sagt Sebastian Ströbel, („Die Bergretter“) der an der Seite der Oberpfälzer Schauspielerin Anna Maria Sturm („Wackersdorf“) die Hauptrolle spielt. „Dieser Film schafft es, Inklusion so darzustellen, wie sie sein sollte: als etwas, das gar nicht bewusst wahrgenommen wird.“ Anna Maria Sturm ergänzt: „Wir wollen erzählen, dass wir alle Menschen sind. Keiner ist perfekt!“

Für die Oberpfälzerin und den in Hamburg lebenden Ströbel war es die erste gemeinsame Arbeit. Ströbel spielt Alex Häverkamp, den Vater eines jungen Mannes, der mit dem Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler geboren wurde. Sturm schlüpft in die Rolle von Elisa Jansen, die einen Pferdehof führt, wo Alex‘ Sohn Felix und die ebenfalls mit Down-Syndrom lebende Emma sich kennenlernen. Als die beiden Verliebten abhauen, nehmen Alex und Elisa die Verfolgung auf. Und die Zeit ist knapp, denn dem herzkranken Felix geht es sehr schlecht. Auf der Reise kommt dann zudem ein Schicksalsschlag im Leben von Elisa ans Licht.

„Ein sehr schöner Dreh“

„Es war sehr schön mit Sebastian zu drehen, weil er ein großes Harmoniebedürfnis hat. Er achtet nicht nur auf sich, sondern darauf, dass es allen am Set gut geht“, lobt Anna Maria Sturm. Sebastian Ströbel gibt das Kompliment postwendend zurück. „Eine tolle Kollegin, wir haben uns super verstanden!“ Bei beiden Hauptdarstellern klingt auch große Bewunderung durch, wie die beiden Jungdarsteller Benjamin Raue und Juliane Siebecke die Dreharbeiten gemeistert haben. „Menschen mit Down-Syndrom brauchen gewisse Ruheräume und wenig Ablenkung bei der Arbeit“, berichtet Ströbel. Man könne die Einstellungen nicht unendlich oft wiederholen. Die beiden Darsteller seien deshalb vorab sehr gut gecoacht worden. „Sie haben es wirklich herausragend gemeistert“, lobt Ströbel, der für die Dreharbeiten auch aus seinen Erfahrungen mit den Bergrettern profitieren konnte. „Wir drehen oft Hochalpin, da müssen wir sehr gut aufeinander aufpassen. Und diese gegenseitige Rücksichtnahme, und der Positivismus, was mir im Übrigen beides sehr entgegenkommt, haben wir auch am Set von Herzstolpern gelebt.“

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Anna Maria Sturm sagt, dass ihr gut gefallen habe, dass sich die Dreharbeiten auf das Leistungsvermögen der jungen Darsteller ausrichtete. „Wenn Benjamin und Juliane emotionale Szenen spielen mussten, dann war das eben nur ein bis zwei Mal möglich. Dann musste man sich mit dem, was man hatte, zufriedengeben.“ Was einem Film auch guttun könne, findet Sturm, die von sich selbst sagt, dass ihr diese Art zu Arbeiten persönlich entgegenkomme. „Ein fein erzählter, unaufgeregter Zweiteiler, der nicht belehrend wirkt und gerade deshalb in meinen Augen ein großer Film geworden ist“, ordnet Ströbel ein. Und wie er kann sich auch Sturm eine Fortsetzung durchaus vorstellen. Es gebe noch viele Geschichten, die erzählt werden könnten.

Zurück in die Oberpfalz

Für Sturm geht es aber nun erst einmal nach Österreich. Dort dreht sie für eine Fortsetzung der Krimireihe „Die Toten von Salzburg“. Im Juni kommt der Film „Das Rätsel“ in die Kinos. Eine internationale Produktion, die bereits in mehreren Ländern lief, wie Sturm erzählt. Gedreht wurde 2019, noch vor dem Ausbruch der Pandemie, die für die 40-Jährige einen Umbruch bedeutete. „Ich bin wieder in die Oberpfalz gezogen“, erzählt sie im Interview. Sie habe gemerkt, dass ihr die Stadt Berlin auf Dauer nicht guttue und sie sich zurück nach Natur und Landschaft sehne. Es sei, wie für alle Kulturschaffenden, eine schwierige Zeit gewesen, mehrere Theaterproduktionen seien ihr weggebrochen.

Sturm fokussierte sich daraufhin auf die Musik. Das erste Album ihrer Band Sturm, das sie mit dem in Schwandorf lebenden Jazz-Bassisten Sven Faller erarbeitete, kommt im November auf den Markt. „Darüber bin ich sehr glücklich. Es ist Pop-Jazz mit deutschen, französischen und englischen Texten, die ich während der Corona-Zeit geschrieben habe.“ Im kommenden Jahr wird sie auch auf Tour gehen. Und, wenn die Zuschauer genauso begeistert von „Herzstolpern“ sind wie die Akteure, vielleicht wieder mit Sebastian Ströbel vor der Kamera stehen.

Infos zum ZDF-Zweiteiler: Mediathek:Die beiden Teile von „Herzstolpern“ sind ab 29. April in der ZDF Mediathek abrufbar.

Ausstrahlung:Im ZDF werden die Filme am 7. und 8. Mai, 20.15 Uhr gezeigt.