Sind bald Solaranlagen auf den Dächern in Kelheims Altstadt erlaubt?

Regensburg kippte 2022 das Solarverbot in der Altstadt. Das würde sich auch in Kelheim so mancher Immobilienbesitzer wünschen. Die Grünen-Stadtratsfraktion fordert einen „Rahmenplan Solar“. Das plant die Stadt.
Viele Eigentümer und Bauherren drängt es – auch auf Wunsch der Politik – weg von Gas- und Ölheizung hin zu Wärmepumpe und PV am Dach. So mancher Kreisstädter mit Altstadt-Immobilie denkt in Richtung Energiewende bzw. würden dies gerne. Egal, ob die Sanierung eines Anwesens in der Matthias-Kraus-Gasse ansteht, in der Ludwigstraße oder andernorts.
Beispiel „Lichtenberg“: Nach Denkmalrelevanz kartiert
Bei vorausschauender Planung könnten Denkmal- und Klimaschutz gut miteinander verbunden werden, schreibt Florian Laußer im Namen seiner Fraktion. Andere Städte wie Lichtenberg im oberfränkischen Landkreis Hof haben bereits solch einen Rahmenplan erstellt. Darin wurden geeignete Dachflächen festgelegt, inklusive einer Kategorisierung der Dächer nach Denkmalrelevanz. In der Kernzone sollen auf den Dächern keine Kollektoren sichtbar sein, in anderen könnten sie mit Auflagen wie nicht spiegelnden Oberflächen möglich sein.
Das wünschen sich Immobilieneigentümer in Kelheim
Dass solche auch in der Kelheimer Altstadt möglich wären, würde sich etwa Hotelier und Gastwirt Georg Appel wünschen. Alle Welt spreche von Energiewende, dass man Öl und Gas hinter sich lassen und stattdessen auf regenerative Energien setzen solle.
Appel betreibt mit seiner Familie das „Weiße Lamm“ in der Ludwigstraße. Erst Ende vergangenen Jahres wurde das Gebäude saniert. Eine PV-Anlage findet sich nicht auf dem Dach. Denn bislang throne über allem das Schlagwort „Ensembleschutz“. Beantragt habe er deshalb keine PV-Anlage, so Appel. Doch bei dem Thema müsse sich politisch endlich etwas ändern. Einer, der bei dem Thema weiterkommen will, ist Matthias Ermer. Der Kelheimer beantragte mit seiner Frau erst kürzlich in zwei Anträgen, die in der vergangenen Woche im Bauausschuss behandelt worden waren, Photovoltaik-Anlagen für ein zu sanierendes Altstadtgebäude wie für einen Neubau.
Gehe heutzutage nicht ohne
Wenn man die Energiewende ernst nehme, gehe es heutzutage nicht ohne. Ebenso wenn man die Kosten künftiger Mieter gut gestalten wolle, so Ermer. Trotz Altstadtlage hält der Kelheimer die Vorhaben für vertretbar. Prominent sichtbare Dächer, wo PV-Module das Stadtbild aktiv störten, seien etwas anderes als Flächen, die nicht zur Sichtachse gehörten. Innenhöfe etwa oder andere uneinsehbare Flächen. Bei Letzteren müsse „man nicht so dogmatisch sein“, sagt Ermer.
Er blickt dabei nach Regensburg. Die Domstadt sei sogar Unesco-Welterbe. Dennoch habe der Stadtrat das Solarverbot im Herbst 2022 gekippt.
Das heiße nicht, dass bald der Dom voll schwarzer Anlagen dastehe, sondern, „dass es nicht mehr kategorisch nicht geht“, betonte Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.
Des Weiteren bedeute die Entscheidung nicht, dass ohne weitere Prüfungen großflächige Solarpanele im Bereich der Altstadt geben werde.
Das plant die Stadt Kelheim
Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger teilt die Auffassung. Er findet, dass man Immobilieneigentümern – auch in der Altstadt – die Möglichkeit geben sollte, erneuerbare Energien zu nutzen. Er ist überzeugt, dass in so manchem Fall „gute Kompromisse“ möglich sein können.
Einen Rahmenplan, wie ihn die Grünenfraktion beantragte, braucht es aus seiner Sicht nicht. Weil – der Aspekt ohnehin Teil des vom Stadtrat beschlossenen Energienutzungsplans sei, so Schweiger auf unsere Nachfrage. Dieser soll in den kommenden Monaten – neben vielen anderen Aspekten – ohnehin zutage fördern, wo und in welchem Rahmen PV-Module in der Altstadt möglich sein können.
Auftrag ging an das Institut für Energietechnik
Der Auftrag ist laut Markus Schnell vom Stadtbauamt inzwischen an das Institut für Energietechnik in Amberg vergeben. In der Fraktionsführerbesprechung wurde laut Schweiger bereits darüber gesprochen, wer aus welcher Gruppierung mitarbeiten wolle.
Wenn der Energienutzungsplan einmal stehe, bräuchte es nicht jedes Mal eine einzelne Bewertung der PV-Vorhaben durch den Denkmalschutz Dann wüssten Bürger, wo sie mit welchen Möglichkeiten rechnen können, so der Bürgermeister.
Überdies solle das Thema PV als Erstes bearbeitet und dann „extra“ vorgestellt werden. Die Ergebnisse würden dann auch in den Flächennutzungsplan eingepflegt, sagt Schweiger. Bis der gesamte Energienutzungsplan steht, könnte ein Jahr vergehen.
So steht der Freistaat zum Thema
Veränderung:Bayerns Kabinett beschloss 2022 eine Novelle für das Denkmalschutz-Gesetz.
Möglichkeiten:Sie soll die bisherige, äußerst strenge Linie massiv aufweichen. Auch Solaranlagen auf den Dächern denkmalgeschützter Häusern sollen möglich sein.