Heimatforscher und Trenck-Experte Karlheinz Schröpfer wird 75

Von Petra Schoplocher · 6. Juni 2023 um 11:00

Karlheinz Schröpfer lächelt. Wie so oft in letzter Zeit. „Ich bin glücklich wie schon lange nicht mehr“, gibt der Waldmünchner nur allzu gerne zu. Denn er weiß: Es kann einem ganz anders gehen. Trauer, Einsamkeit, Isolation... Nun allerdings macht sich ein Hoch statt einem Tief über seinem Leben breit – ein passendes Geschenk zum 75. Geburtstag. Nicht das einzige.

Der frühere Zollbeamte wuselt nur so in und durch die Küche. „Kurz nach Weihnachten habe ich mich nur noch irgendwie an Möbelstücken entlanghangelnd fortbewegt.“ Seit 31. März hat Schröpfer eine neue Hüfte...

„Des kommt halt“, lächelt (!) er die Frage weg, ob einem mit Eingriffen wie diesem Alter bewusst wird. Eine Antwort, die es so vor einigen Jahren nicht gegeben hätte. Entspannt? Ausgeglichen? Eher Fehlanzeige. „Ich bin zu oft zu schnell und sofort losgerannt.“

Er lässt es ruhiger angehen

Das ist nun anders. „Ich bin nicht mehr so narrisch!“ Und er schaut mehr auf sich, auf seine Gesundheit. Was – selbstredend – nicht bedeutet, dass er nicht jede Anfrage wie in den Jahrzehnten zuvor bestmöglichst beantwortet. Aber: Schröpfers Leben hat „sich grundlegend geändert“, sagt der Ehrenvorsitzende des Vereins Grenzland- und Trenckmuseum Waldmünchen. Mehr Auf-sich-Schauen, mehr Den Moment, mehr das Leben als solches genießen.

Einsamkeit kennengelernt

Das kann er überzeugt sagen, weil das Leben ihm zwischenzeitlich eine ganz bittere Seite gezeigt hat. Im Dezember 2020 starb seine geliebte Frau Rita, die er zuvor rund 14 Monate gepflegt hatte. Mit allerdings für ihn fatalen Folgen, weil sich an diese lange Zeit die harten, coronabedingten Beschränkungen anschlossen. Die Zeit ohne Kontakte, mit endlosen Stunden des Sinnierens, was man richtig oder eher falsch gemacht hat – sie hat sich auf ewig eingebrannt. „Schlimmer geht es nicht“, versucht er das, das sich im Grunde nicht in Worte fassen lässt, zu fassen. Erfahrungen, die ihn geprägt, geändert haben. „Das kommt kurz nach Gefängnis.“

Ein Hoch auf die Söhne

Ohne seine beiden Söhne – Thomas ist zwischenzeitlich sogar bei ihm eingezogen, wer weiß.... Thomas und Karlheinz junior waren mehr als nur Halt und Ansprechpartner in der harten Zeit, geprägt zudem durch die Pandemie. Des Seniors erster Kommentar, als er auf den halbrunden Geburtstag angesprochen wird: „Der Tom macht ein Fotobuch.“

Blickwechsel zu den Söhnen. Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Geradlinig- und Zuverlässigkeit sind die spontanen ersten Attribute, die sie mit ihrem Vater, dem die Familie trotz Beruf und Ehrenämtern über alles ging, verbinden. Dazu großer Gerechtigkeitssinn und das Vor-Bild/Vorbild: Man muss vor nichts und niemandem Angst haben. Zuletzt ein Klischee, das – wenn es die Kinder äußern – vielleicht das schönste Kompliment überhaupt ist: „Papa war und ist ein Leben lang ein guter und wichtiger Ratgeber.“

Ein Mann des Ehrenamts

Und wie Schröpfers ehrenamtliches Engagement, seine Verdienste nun zusammenfassen? Wo doch ein Bürgermeister 2013 bereits sagte, dass Karlheinz Schröpfer ein „absolutes und unverzichtbares Schwergewicht in kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht ist“. Und wenn ein Landrat Jahre später ergänzt, er habe sich große Verdienste erworben, „herausragenden ehrenamtlichen Einsatz“ gezeigt.

Alleine in Wien

Versuchen wir es mit einer Begebenheit, für die der er in seiner Autobiografie wohl nur eine Fußnote übrig hätte, die aber eine Menge über seinen Charakter, seine Werte und Einstellung aussagt. In den 1970er Jahren sollten vier Vereinsmitglieder nach Wien fahren, um Material für eine Jubiläumsausstellung zum Trenck sammeln. Nach drei Absagen kurz vor dem Termin war nur noch einer übrig...

Die Recherchereise war in anderer Hinsicht richtungsweisend. Das, was er in einem Ordner in jenen Tagen in Österreich zusammentrug, war für den Verein „zum Aufheben zu wenig und zum Wegwerfen zu viel“. Jetzt wissen wir: Es war der Beginn der weltweit wohl größten Privatsammlung über den Pandurenoberst...

Partnerschaft mit Marktoberdorf

Schröpfers Leidenschaft galt und gilt der Heimat, ihrer Geschichte. Dazu passt ein weiteres Herzensprojekt: Die Partnerschaft mit Marktoberdorf. 40 Jahre zählt sie 2023, für den dreifachen Opa Anlass, im Heimatboten auf Anfänge und Geschichte zurückzublicken. „Ich bin schon fast fertig“, lächelt der Jubilar – Antreiber und der einzige noch lebende Autor der Anfangszeit und der einzige, der seit der Erstausgabe 1980 in jedem Heft vertreten war.

Kathi-Buch ist fast fertig

Ebenso auf der Zielgeraden ist sein Buch über Katharina Schwab, konsequente Folge nach Veröffentlichungen über Trenck und Waldmünchner Geschichte(n). Wenn die Geburtstagsfeierlichkeiten „rum“ sind, will der 75-Jährige Vollgas geben. Er verspricht einen echten Knüller, nicht nur, was das Leben der Chamer Bauerntochter betrifft, die ihren Geliebten nachweislich in dessen Haft noch besucht hat.

Spektakuläres vom Trenck

Schröpfer ist in Besitz von spektakulären Aufnahmen, entstanden, nachdem der Leichnam Trencks mittels Computertomographie untersucht worden ist und die er verwenden darf, wie er stolz berichtet. Eines von vielen Ergebnissen: Ein Zahn weist deutliche Abnutzung durch dauerhaften Pfeifenkonsum auf...

Höhen und Tiefen. Das war Schröpfers erster Gedanke, als es um eine „Bestandsaufnahme“ zum Geburtstag geht. Auf der Haben-Seite an erster Stelle viele glückliche Ehejahre, auf der anderen Ritas Leiden, ihr Tod, die Trauer, das Alleinsein.

Ein neues Glück

Auf der anderen Seite ein neues, anderes Glück: Als er am 9. Juni 2022 einen Kollegen in Furth besuchen wollte, war er zu früh dran. Er fuhr einen Umweg, vorbei am Haus einer (seit mehr als 30 Jahren) Bekannten, die just in dem Moment die Restmülltonne Richtung Straße zog. „Ich bin stehen geblieben.“ Traudl, Mutter von drei Söhnen mit sieben Enkeln, wurde bald mehr. Nächsten Monat fahren die beiden Verwitweten vier Tage nach Wien, verrät der 75-Jährige – strahlend statt „nur“ lächelnd.

Mit mancher Perspektive hat sich sein Lebensmotto geändert. Dieses lautet nun: „Man kann aus dem Buch des Lebens keine Seite entfernen, jedoch kann man diesem ein neues Kapitel hinzufügen.“ Wünschen wir ihm weitere. Erlebnisreiche, gesunde, glückliche. Mit vielen Gründen für ein Lächeln.

Auszeichnungen in Auszügen

Bayern: Der frühere Landrat Theo Zellner verlieh Karlheinz Schröpfer 2008 das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Stadt: Für „außergewöhnliche Verdienste“ um die Stadt ehrte Bürgermeister Markus Ackermann ihm 2013 die silberne Bürgermedaille.

Verein: Der Museumsverein machte ihn, als er die Führung abgab, 2018 zum Ehrenvorsitzenden.

Landkreis: Landrat Franz Löffler zeichnete den langjährigen Kreisarchivar und Heimatpfleger 2018 mit dem Kreisehrenzeichen aus.

Seltenheit: Der Waldmünchner ist einer von zwei Deutschen, die in 25 Jahren die tschechische Zollmedaille überreicht bekamen.

Höhepunkt: Im Mai 2021 wurde Schröpfers Wirken mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik gewürdigt. Überreicht durch Franz Löffler.

Glückliche Familie: Rita und Karlheinz Schröpfer mit ihren Söhnen Karlheinz junior und Thomas
Das wahrscheinlich größte Privatarchiv in Sachen Trenck auf der Welt ist das des Waldmünchners.
Dieses Foto aus Kindertagen hat Karlheinz Schröpfer als Motiv für seine Geburtstageinladungen ausgewählt.