Schlechtes Zeugnis fürs Pfingstvolksfest in Schwandorf

Von Jan Lange · 5. Juni 2023 um 18:00

Das Schwandorfer Pfingstvolksfest ist für heuer Geschichte. Die Bilanz der neuntägigen Veranstaltung fällt durchwachsen aus. Zu dieser Einschätzung kommen die Verantwortlichen, wie sie auf einer Pressekonferenz am Montag mitteilten.

„Von optimal zu sprechen, wäre Euphorie, die nicht angebracht ist“, erklärte Schwandorfs Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU)mit Blick auf das diesjährige Pfingstvolksfest, das am Sonntag zu Ende gegangen war. Seiner Meinung nach bedarf die neuntägige Veranstaltung auf dem Volksfestplatz einer Verbesserung und Fortschreibung. Wopperer verwendete dafür den englischen Begriff Update.

Dass die Veranstaltung besser werden muss, zeigen auch die Reaktionen der Gäste, die mit Kritik nicht hinterm Berg halten. Es habe auch bessere Kapellen gegeben, fand beispielsweise Udo Müller mit Blick auf die Zwei-Mann-Schlagerband, die am Sonntagabend versuchte, für Stimmung zu sorgen. „Die Brezn-salzer waren mit die Besten“, so der Schwandorfer. Er sei fast jeden Tag beim Pfingstvolksfest gewesen und konnte so gut Vergleiche ziehen.

Auch Markus Ring (54) war von den beiden Musikern am Sonntagabend wenig begeistert, bezeichnete sie gar als lächerlich. Es müsse seiner Meinung nach etwas anderes her, auch mehr Musik für die Jugend angeboten werden.

Ersatz für erkrankte Musiker

Auf die kritischen Stimmen angesprochen, erklärte Festwirt Gerhard Böckl, dass am Sonntagabend eigentlich Bayern-Live aufgetreten sollte, es aber kurzfristig einen Ausfall gegeben habe. Er sei dankbar, dass die von den Gästen so gescholtenen Musiker eingesprungen seien und dass überhaupt jemand auf der Bühne stand. Das sei nicht selbstverständlich gewesen, denn die Schwandorfer waren nicht die Einzigen, die an diesem Termin gefeiert haben.

Dass die Zwei-Mann-Band nicht die erste Wahl gewesen sei, räumte er ein. Insgesamt betrachtet seien aber tolle Kapellen aufgetreten, so Böckls Resümee.

Die Musik ist ein Punkt, bei dem alle Beteiligten Verbesserungsbedarf sehen. So soll fürs nächste Fest versucht werden, noch mehr regionale Blaskapellen einzubinden, um auch die Identifikation der Schwandorfer mit dem Pfingstvolksfest zu erhöhen. Dies soll auch durch eine stärkere Einbindung örtlicher Vereine gelingen, erklärte Festleiterin Ulrike Sachs. Beim Festumzug am Pfingstsamstag waren Schwandorfer Blaskapellen und Vereine zahlreich beteiligt, künftig sollen sie auch im weiteren Programm noch stärker vertreten sein. Ulrike Sachs erhofft sich davon auch noch mehr Gäste.

Wobei sie mit der diesjährigen Ausgabe durchaus auch zufrieden war. Die Fahrgeschäfte und Buden seien gut angenommen worden – mit Ausnahme von zwei Tagen. Schlecht gelaufen sei der Schaustellerbetrieb am vergangenen Donnerstag.

Künftig neben dem Dienstag nach Pfingsten einen weiteren Ruhetag einzuführen, sei nach Worten von Ulrike Sachs aber keine Option. Genauso sah es Andreas Wopperer. Es gehe nicht darum, Tage, die nicht so gut liefen, zu streichen, sondern darum, sie besser zu machen, damit der Zuspruch der Gäste größer werde. Dazu wollen sich alle Beteiligten gleich nach der Sommerpause erneut zusammensetzen, um das nächste Jahr zu planen. Bereits entstandene Ideen sollen weiterverfolgt und neue entwickelt werden.

Verbesserungen schnell auf den Weg bringen

Erfolg und Misserfolg seien, so der Bürgermeister, nicht nur Sache der Festleitung und des Festwirts, sondern aller Beteiligten, also auch der Stadt Schwandorf. Andreas Wopperer versicherte, dass alle gewillt seien, Verbesserungen so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen.

Ginge es nach Markus Ring, der am Sonntag gemeinsam mit seinem Nachwuchs das Pfingstvolksfest besuchte, müsste es vielleicht beim Festwirt mal eine Veränderung geben.

Im nächsten Jahr wird es aber keinen neuen Festwirt geben: Der bisherige Vertrag mit Gerhard Böckl gilt auch für 2024. Danach könnte es eine Neuausschreibung geben, deutete Wopperer an. Dies muss aber nicht als Affront gegen Böckl verstanden werden, der seit fast 35 Jahren Festwirt in Schwandorf ist. Neuausschreibungen hatte es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben – nur gab es neben Gerhard Böckl kaum andere Bewerber.

Ein beteiligter Schausteller sieht dafür einen einfachen Grund: die Festlegung, dass beim Pfingstvolksfest nur Schwandorfer Bier ausgeschenkt werden darf. Diese Bedingung schrecke andere Festwirte ab, sich überhaupt zu bewerben. Trotz der durchwachsenen Bilanz in diesem Jahr habe Gerhard Böckl nach eigener Aussage weiter Lust, Festwirt beim Schwandorfer Pfingstvolksfest zu bleiben.

Damit Böckl auch nach 2024 Festwirt bleibt, dürfte es Bilder wie am Abschlusssonntag nächstes Jahr nicht mehr geben. Während sich draußen die Passanten an den Fahrgeschäften und Buden drängelten und auf das Brillantfeuerwerk warteten, herrschte im Festzelt fast schon Tristesse. Viele Bänke blieben leer, die Stimmung war mau.

Der langjährige Festwirt beschönigt nichts: Das Festzelt sei nur am Pfingstsamstag nach dem Festzug und am vergangenen Freitag zum Tag der Betriebe, Behörden und Vereine „knackevoll“ gewesen. Künftig sollen die Höhepunkte pointierter gesetzt werden, kündigte Böckl an. Was genau er damit meinte, blieb bei der Pressekonferenz noch offen.

Trotz der nicht überragenden Bilanz blicken die Verantwortlichen positiv in die Zukunft: (v. r.) Festwirt Gerhard Böckl, Polizeioberkommissar Michael Duschl, Festleiterin Ulrike Sachs, Bürgermeister Andreas Wopperer und Stefan Schamberger, Leiter des Amtes Öffentliche Sicherheit, Ordnung und Verkehr. Foto: Jan Lange
Er übt Kritik: Markus Ring mit seinem Sohn Lukas (15). Foto: Jan Lange