Wir werden immer älter: Klinikum Neumarkt hat für ältere Patienten eine Spezialabteilung

Von Wolfgang Endlein · 23. April 2023 um 04:59

Rund 20 Prozent der 137000 Landkreis-Einwohner sind älter als 65. Tendenz steigend. Mit der Aussicht auf mehr Lebenszeit gehen aber auch Herausforderungen einher – nicht zuletzt medizinische. Das Klinikum Neumarkt hat dafür eigens eine Spezialabteilung: die Akutgeriatrie. Über ihre Arbeit gibt es aber so manches Missverständnis.

Um was geht es in der Geriatrie?

Geriatrie bezeichnet die medizinische Sparte, die auf die Behandlung von älteren Menschen (meist jenseits der 70) spezialisiert ist. Deren Diagnostik und Therapie bedarf spezielles Wissen und Erfahrung. Krankheiten äußern sich im Alter oftmals mit untypischen Symptomen oder gar ohne. Zudem haben ältere Menschen häufig mehrere Krankheiten gleichzeitig, die sich gegenseitig beeinflussen können. Die Behandlung muss dies beachten, da die Therapie einer einzelnen Krankheit mitunter (etwa durch Medikamente) Auswirkungen auf eine andere haben könnte.

Geriatrie bündelt daher Internisten, Neurologen und andere medizinische Sparten mit Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten sowie anderen therapeutischen Bereichen. Ziel der Behandlung ist es, Alltagsfähigkeit und Selbstständigkeit der Patienten zu erhalten, Lebensqualität zu verbessern und Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zu mindern.

Was macht Akutgeriatrie im Speziellen aus?

Die Klinik III am Klinikum Neumarkt ist die Akutgeriatrie. Mediziner diagnostizieren und behandeln dort ältere Menschen mit akuten Krankheiten. Gleichzeitig leistet das Team aus unterschiedlichen Fachrichtungen Frühreha. Chefarzt Professor Martin Ritt nennt diese Kombination Komplexbehandlung.

Wer wird in der Akutgeriatrie behandelt?

Akutgeriatrie von „normaler“ Geriatrie abzugrenzen und das zu erklären, ist für Professor Ritt ein wiederkehrendes Thema. Denn durch den Begriff Geriatrie verbinden Patienten und Angehörige oftmals falsche Vorstellungen und Erwartungen mit der Akutgeriatrie am Klinikum, wie der Mediziner sagt. Entscheidend ist hier der Zusatz „akut“. Patienten in der Klinik III müssen einen akutmedizinischen Bedarf haben, der in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Beispiel: Ein 85-Jähriger hat sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen. Zugleich ist er Diabetiker und hat eine mit seinem hohen Alter oftmals einhergehende reduzierte Beweglichkeit.

Zur akutmedizinischen Notwendigkeit kommt für einen Aufenthalt als Bedingung hinzu, dass Patienten älter als 70 Jahre sein müssen und einer Behandlung von mehr als 14 Tagen bedürfen.

Was leistet die Akutgeriatrie jenseits klassischer Medizin?

Akutgeriatrie verfolge einen ganzheitsmedizinischen Ansatz, betont Ritt. Ob ein Patient besser gesundet, hat nicht nur etwas mit beispielsweise den richtigen Medikamenten oder Physiotherapie zu tun. In der Akutgeriatrie hat man daher auch soziale Aspekte im Blick. Verkürzt kann man sagen: Wer sich wohlfühlt, der hat auch bessere Chancen, zu gesunden. An dieser Stelle geht das Klinikum neue Wege. Betreuungskraft Angelika Frischeisen nimmt den Patienten als Menschen in den Blick. Schon ein kurzes Gespräch oder ein Händedruck könne viel bewirken, sagt Frischeisen, die aber auch Handmassagen anbietet. Außerdem organisiert sie gemeinsame Feste der Patienten, es wird gemeinsam gekocht oder Märchen erzählt. „Die Menschen brauchen viel Wärme“, fasst Frischeisen ihre Aufgabe zusammen.

Was zeichnet den neuen Bau der Neumarkter Akutgeriatrie aus?

Medizin-Professor Ritt führt sichtlich stolz durch das 2019 eröffnete neue Gebäude mit Blick auf den Alten Kanal. Hell und geräumig ist es hier. Alles sei rund um die Bedürfnisse einer Akutgeriatrie und deren Patienten sowie deren Team entwickelt worden, erklärt Ritt.

Die Gänge sind breit. Die Zimmertüren zieren große Fotoaufnahmen von Orten und Sehenswürdigkeiten aus dem Landkreis. Sie zeigen Vertrautes und sind leicht wiedererkennbar. Häufig benötigte medizinische Geräte sind vor Ort, um den Patienten weite Wege zu ersparen. Das gilt auch für Untersuchungs- und Therapieräume. Der Sozialdienst findet sich ebenso in der Klinik III.

Welche Kapazität hat die Akutgeriatrie am Neumarkter Klinikum?

Im Obergeschoss gibt es eine stationäre Akutgeriatrie mit 41 Betten. Weil die Nachfrage angesichts einer alternden Gesellschaft wohl zunehmen wird, wäre es möglich auf 45 Betten zu erweitern. Aktuell werden aber nur 25 Betten betrieben. Der Grund wie an vielen anderen Stellen: „Uns fehlen die Pflegekräfte und Therapeuten“, erklärt Mediziner Ritt.

Im Erdgeschoss gibt es zudem eine akutgeriatrische Tagesklinik mit 15 Plätzen.

Was macht die Tagesklinik in der Akutgeriatrie am Klinikum Neumarkt?

Die Tagesklinik am Neumarkter Klinikum verfolgt das gleiche Ziel und hat die gleichen Zugangsbedingungen wie der stationäre Bereich. Ihre Patienten müssen jedoch in der Lage sein, abends und an Wochenend- und Feiertagen zuhause in ihrem vertrauten Umfeld zurecht zu kommen. Die Patienten werden von einem Fahrdienst gebracht und geholt. Zudem müssen die Patienten ausreichend mobil (u. a. mit Hilfsmittel wie Gehstock oder Rollator) und körperlich und mental belastbar sein.

Der in der Regel 15 Tage dauernde Aufenthalt geht von montags bis freitags jeweils von 8 bis 15 Uhr. Das Programm beinhaltet täglich eine Arzt-Visite und zwei Sitzungen für Frühreha-Maßnahmen sowie Mittagessen und Ruhephasen. Je nach Symptomen der Patienten gibt es auch weitere Diagnostik.

Tagesklinik nimmt Patienten nach Anmeldung im Sekretariat der Klinik III auf. Ärzte prüfen zuvor die Informationen und klinischen Beschwerden, bevor die Klinik einen Aufnahmetermin mitteilt. Zusätzlich i sei eine Einweisung durch den Hausarzt oder einen niedergelassenen Facharzt notwendig, erklärt Ritt.

Wen kann ich kontaktieren und wo bekomme ich Informationen?

Das Sekretariat ist unter Tel. (09181) 4203076 oder 4203077 erreichbar. E-Mail: medizinische-klinik-3-sekretariat@klinikum.neumarkt.de. Weitere Informationen und das Formular für die Anmeldung finden sich online unterwww.akutgeriatrie.klinikum-neumarkt.de.

Für die Diagnostik von Patienten stehen in der Akutgeriatrie die wichtigsten Geräte, die es für Altersmedizin braucht, zur Verfügung. So erspart man den Patienten weite Wege im Klinikum Neumarkt. -Foto: Endlein
Chefarzt Prof. Martin Ritt und Angelika Frischeisen vom Betreuungsdienst freuen sich über das 2019 eröffnete Gebäude der Akutgeriatrie am Klinikum Neumarkt. Es biete unter anderem viele Blicke ins Grüne. -Foto: Endlein
Das neue Gebäude der Akutgeriatrie am Klinikum Neumarkt geht baulich auf Bedürfnisse älterer Menschen ein etwa durch große Fotos mit Wiedererkennungswert auf den Türen. -Foto: Endlein