Närrische Konkurrenz: Lindania Schwandorf verliert Mitglieder, Schwandoria wächst

Von Jan Lange · 22. April 2023 um 05:00

Dass es in Köln gut 480 Karnevalsvereine gibt, ist angesichts der närrischen Begeisterung in der Rheinmetropole verständlich, Schwandorf ist heute nicht unbedingt als Faschingshochburg bekannt – dennoch gibt es hier seit Kurzem zwei Faschingsgesellschaften.

Anfang April gründete sich der Verein Schwandoria Schwarz-Gelb. Er macht der alteingesessenen Faschingsgesellschaft Lindania Konkurrenz. Pikant daran ist, dass die bisherige Lindania-Vizepräsidentin Sandra Kaiser nun an der Spitze der Schwandoria steht. Mit ihr sind weitere Mitglieder in den neugegründeten Faschingsverein gewechselt.

Lindania-Präsident bleibt entspannt

Bei der Jahreshauptversammlung der Lindania am kommenden Sonntag wird das sicher Thema sein. Doch Präsident Stefan Dafner sieht die närrische Konkurrenz entspannt. „Wenn es zwei Faschingsvereine in Schwandorf gibt, dann gibt es eben zwei“, findet der 50-Jährige.

Der Abgang der Vizepräsidentin habe keine negativen Auswirkungen auf die Lindania. „Reisende soll man nicht aufhalten“, meint Dafner in Richtung seiner ehemaligen Stellvertreterin. Der Verein könne auch mit einem Präsidenten weitermachen – das habe er mit dem zuständigen Registergericht in Amberg abgeklärt. Erst im kommenden Jahr werde es dann wieder eine reguläre Wahl geben.

Stefan Dafner ist erst seit November 2022 Präsident der Faschingsgesellschaft Lindania. Zuvor war er aber bereits einige Jahre Vizepräsident. Nach dem Rückzug des bisherigen Präsidenten Martin Krautner aus privaten Gründen übernahm der 50-Jährige das Zepter. Ihm zur Seite stand seitdem als Vizepräsidentin Sandra Kaiser. Sie war gleichzeitig auch Prinzessin und Gardetrainerin.

Offenbar kein Streit

Streit habe es keinen gegeben, erklärt Sandra Kaiser. Vielmehr habe es unterschiedliche Ansichten gegeben, die nicht zusammenpassten. Sie habe die Lindania deshalb auch verlassen, berichtet Sandra Kaiser. Zu diesem Zeitpunkt sei von einem neuen Verein noch keine Rede gewesen. Diese Überlegungen seien erst später entstanden und auch nicht von ihr aufgebracht worden, sagt die Schwandoria-Chefin.

Unterstützt wird Sandra Kaiser bei ihrer Aufgabe von weiteren ehemaligen Lindania-Mitgliedern. Etwa 30 Lindanier seien zum neuen Verein gewechselt, schätzt sie. Die Mitgliederzahlen von Lindania bestätigen das. Zur Wahl im November 2022 hatte Lindania noch 106 Mitglieder, aktuell seien es laut Dafner 74. Er hält seine Faschingsgesellschaft dennoch für gut aufgestellt. Die aktuelle Mitgliederzahl sei noch besser als während der Corona-Zeit, sagt Dafner. Damals hätten sich nur etwas mehr als 50Faschingsnarren bei der Lindania engagiert.

Bald über 70 Mitglieder?

In Sachen Mitgliederzahl dürfte Schwandoria seinen Konkurrenten bald überholt haben. Bei der Gründung hatten 23 Mitglieder die Satzung unterschrieben, schon kurz danach stieg die Zahl auf 38 an. Vergangene Woche habe es 14weitere Aufnahmen gegeben und derzeit liegen Sandra Kaiser bereits zehn neue Anträge auf Mitgliedschaft vor. Die Schwandoria könnte bei diesem Tempo also bald die 70er-Marke knacken.

Es sei aber niemand gezielt von Lindania abgeworben worden. Jeder habe für sich selbst entschieden, zu wechseln, betont Sandra Kaiser.

Für die Lindania gilt es nun, eine neue Trainerin für die Garden zu finden. Sollte das nicht gelingen, werde es Unterstützung vom Landesverband Ostbayern, dem die FG Lindania angehört, geben, sagt Stefan Dafner. Dann müsse auch die Jugendleiterausbildung absolviert werden, die nicht ohne ist. Sie bestehe aus mehreren Online- und Präsenz-Schulungen.

Die Prinzengarde habe mit neun Mitgliedern einen „guten Schnitt“, steht für Dafner fest. Es werde dennoch versucht, neue Mitstreiter zu finden. Er erinnert daran, dass es in der 70-jährigen Geschichte der Lindania auch Zeiten ohne eine Prinzengarde gab.

Sieben Jahre ohne Umzug

Auch einFaschingszug durchs Lindenviertelfand einige Jahre nicht statt, meint der Lindania-Präsident. Ab 2016 gab es eine längere Pause. Erst heuer wurde wieder ein Faschingszug auf die Beine gestellt – und das innerhalb von zwei Wochen, wie Dafner erklärt. Er kann die zahlreichen negativen Kommentare bei Facebook, die es nach dem Zug gegeben habe, nicht verstehen. Es habe immerhin etwas stattgefunden. Auch im kommenden Jahr könnte er sich wieder einen kleinen Umzug vorstellen. Denkbar wäre aber auch eine erneute Kooperation mit der Seelania, der Faschingsgesellschaft von Steinberg am See, findet Dafner. Schon früher hätten Lindania und Seelania zusammengearbeitet – diese Kooperation will der 50-Jährige wieder aufleben lassen.

Die wichtigste Aufgabe ist für ihn die Vorbereitung des 70-jährigen Lindania-Jubiläums 2024. Zu diesem Anlass werde es aber keinen Ostbayerischen Faschingszug in Schwandorf geben. Davon war zeitweise die Rede. Allerdings sei der Zug fürs nächste Jahr bereits nach Regensburg vergeben worden. Dafner könnte sich vorstellen, dass der Ostbayerische Faschingszug zum 77-jährigen Lindania-Bestehen im Jahr 2031 in Schwandorf stattfindet.

Gibt es bald eine Zusammenarbeit?

Dass es die Lindania dann noch gibt, davon ist Dafner fest überzeugt. Die Faschingsgesellschaft habe schon früher Tiefs gehabt und dennoch gebe es sie immer noch.

Wie Sandra Kaiser betont, wolle man keineswegs den Traditionsverein Lindania kaputt machen. Schwandoria habe eine etwas andere Ausrichtung – und zwar als karnevalistischer Tanzsportverein. Deshalb ist sie überzeugt, dass sich beide Faschingsvereine langfristig halten werden.

Und vielleicht werden sie auch mal zusammenarbeiten. Sowohl Sandra Kaiser als auch Stefan Dafner schließen das nicht aus.