Entwürfe für Sengenthaler Bürgersaal vorgestellt – Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Von Wolfgang Endlein · 20. April 2023 um 19:00

Sengenthal soll eine neue Ortsmitte samt eines Bürgersaals erhalten. Dafür hat die Gemeinde einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der nun seine Sieger fand. Unser Medienhaus gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den Siegerentwürfen und dem Fortgang des Projekts.

Wie lief die entscheidende Sitzung des Preisgerichts in Sengenthal?

Bis spät in den Mittwochabend hat das Preisgericht über die Entwürfe von 13 Architektenbüros beraten. „Die Qualität der Beiträge war hoch“, sagte die Vorsitzende des Preisgerichts, Architektin Ulrike Hotz. Weshalb es länger bis zu einer Entscheidung dauerte. Diese sei jedoch einstimmig gefallen.

Dem Preisgericht gehörten sechs unabhängige Fachleute und vier Gemeinderäte sowie Bürgermeister Werner Brandenburger an. Der Rathauschef hatte zudem zwei Anwohnerinnen zur Sitzung eingeladen, die am Bürgerantrag gegen den Bürgersaal mitgewirkt hatten (wir berichteten).

Für was sollten die Planer in Sengenthals Ortsmitte Entwürfe einbringen?

Der Wettbewerb unterteilt sich in einen Realisierungsteil und einen Ideenteil. Ersterer umfasst das drängendste Thema: 2026 tritt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler in Kraft. Es braucht eine Mensa mit mehr Platz. Der Gemeinderat hat beschlossen, dies in einem als Bürgersaal bezeichneten Bau anzugehen, der multifunktional nutzbar sein soll.

Wie die Ortsmitte um diesen Bau herum sich einmal entwickeln könnte, darüber macht sich der Ideenteil Gedanken. Er ist nicht darauf angelegt, demnächst umgesetzt zu werden. Gebäude für Tagespflege und altersgerechtes Wohnen sind mögliche Elemente. Aber auch Ansätze, um attraktive Plätze, Verbindungswege und Grünflächen zu schaffen.

Die Planer hatten auch auf den CO2-Fußabdruck und Ökologie zu achten.

Wer sind die Gewinner des Wettbewerbs um einen Bürgersaal in Sengenthal?

Es gibt gleich zwei erste Preise. Das Büro Bär Stadelmann Stöcker aus Nürnberg und Nomas Architekten aus Fürth. Den dritten Preis erhielten Dömges Architekten aus Regensburg. Alle drei haben die Chance, für die weitere Planung des Projekts ausgewählt zu werden.

Was zeichnet den Entwurf für den Sengenthaler Bürgersaal von Nomas Architekten aus?

Der Entwurf verteilt die gewünschten Räume auf mehr Gebäude als die anderen beiden Entwürfe. Die Bauten passen sich in ihrer Größe und einfachen Form an die bestehende, ortstypische Bebauung an. „So, als wäre es schon immer da gewesen“, beurteilte Ulrike Hotz diesen Entwurf, der vor allem die Ortsmitte im Süden rund um den Hirtenweg stärke.

Bürgersaal und Mensa sind dort in zwei länglichen, zur Straße hin ausgerichteten Gebäuden vorgesehen mit darunter liegender Tiefgarage. Wie bei allen Entwürfen ist weiterhin ein Rasen- und Hartplatz vorgesehen. Ein weiteres längliches Gebäude für Bücherei und Verwaltung ist an der Ecke Winnberger Straße und Hirtenweg angedacht.

Im Ideenteil sieht der Entwurf einen möglichen Erweiterungsbau für die Schule in Nachbarschaft zum Bürgersaal vor. Durch die locker gruppierten Gebäude am Hirtenweg entstehen Zwischenflächen, die für Plätze, Terrassen und Grünflächen nutzbar sind.

In der Winnberger Straße auf Höhe der Bushaltestelle sind zwei längliche Häuser für Tagespflege und Senioren gerechtes Wohnen eingeplant.

Was beinhaltet der andere Erste-Preis-Entwurf für den Bürgersaal in Sengenthal?

Die Architekten Bär Stadelmann Stöcker packen die im Wettbewerb geforderten Räume in zwei größere Gebäude mit Satteldach. Der Bürgersaal wäre ein längliches Gebäude mit Stirnseite zum Hirtenweg hin. Es stünde an der Ecke zur Winnberger Straße und böte Raum für den Saal, Mensa, Seminarräume und Bürgermeisterbüro. Dahinter bildet sich ein Dorfplatz.

In der Winnberger Straße planen die Architekten einen Bau auf der Straßenseite, die der Kirche gegenüberliegt. Dort wäre Platz für die Gemeindebücherei und Seniorenwohnungen – allerdings keiner für eine Tagespflege.

Die Planer entwickeln die Idee einer Winnberger Straße, die ihren Straßencharakter gegen den eines Ortskerns eintauscht. Vereinfacht gesagt, soll dort durchaus noch gefahren werden können, aber auch mehr Raum für das gesellschaftliche Leben sein.

Statt einer Tiefgarage sieht der Entwurf südlich des Rasenplatzes der Schule 54 Stellplätze vor – durchsetzt mit Bäumen. Ein Hartplatz käme nördlich des Rasenplatzes.

Das Preisgericht urteilte: Der Entwurf erreiche mit wenig Mitteln viel – vor allem für eine aufgewertete Ortsmitte.

Was sieht der Entwurf des dritten Preisträgers für den Bürgersaal in Sengenthal vor?

Der Entwurf von Dömges Architekten beinhaltet den wuchtigsten Baukörper für den Bürgersaal aller drei ausgewählten Pläne. Es ist ein Flachdachbau, der südlich des Rasenplatzes zum Hirtenweg hin platziert ist. Darunter ist eine Tiefgarage vorgesehen.

Ein Haus mit Satteldach an der Ecke Hirtenweg und Winnberger Straße nimmt die Bücherei, Archiv und Bürgermeisterbüro auf. Ein Weg durch eine grüne Fläche soll beide Gebäude verbinden. Der Entwurf macht zudem weitere Angebote für verschieden nutzbare Freiflächen.

Gegenüber der Kirche sind in der Winnberger Straße zwei kleinere Gebäude für Tagespflege und altersgerechtes Wohnen vorgesehen. Baulich passen sie sich den Wohnhäusern in der Nachbarschaft an.

Das Urteil des Preisgerichts: „Eine gute durchdachte und kompakte Lösung“.

Wie geht es nun mit dem Projekt Sengenthaler Bürgersaal weiter?

Ein Gremium aus drei Fachpreisrichtern und drei Gemeinderäten plus Bürgermeister führt am 14. Juni ein Verhandlungsgespräch mit den drei Preisträgern. Das Ziel sei es unter anderem, herauszufinden, wie leistungsfähig das jeweilige Büro sei und wie flexibel es sich bei Gestaltungswünschen zeige, erklärt Brandenburger. Das Gremium wird dann eines der Preisträgerbüros mit der Detailplanung für den Bürgersaal (also den Realisierungsteil des Wettbewerbs) beauftragen.

Was wird von den Entwürfen des Sengenthaler Bürgersaals gebaut und was kostet das?

Der Auftrag für die Detailplanung und Kostenberechnung bedeutet nicht, dass automatisch gebaut wird. Das letzte Wort hat der Gemeinderat, der über die Pläne abstimmen muss. Wahrscheinlich werde das nach den Sommerferien sein, sagt der Bürgermeister. Über die Kosten lässt sich somit zum jetzigen Stand noch nichts sagen. Ein möglicher Bau sollte spätestens 2026 fertig sein.

Wo und wann können sich die Sengenthaler über die Bürgersaal-Entwürfe informieren?

In der Turnhalle der Sengenthaler Schule sind die 13 Wettbewerbsbeiträge in Text, Plänen und Modellen zu sehen. Die Ausstellung kann nur in einer der 60-minütigen Führungen besucht werden, die zur vollen Stunde beginnen und von einer Architektin begleitet werden. Die Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr sowie Montag, Dienstag und Mittwoch von 16 bis 19 Uhr.

Am Donnerstagabend bekamen laut Brandenburger bereits Anlieger und Vereine Gelegenheit, sich ein Bild zu machen.

Das Büro Dömges Architekten aus Regensburg entwarf den Bürgersaal in Sengenthal als Flachdachbau mit klassischer Anmutung. -Foto: Dömges Architekten
Die Vorsitzende des Preisgerichts, Ulrike Hotz, stellte die Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs für den Sengenthaler Bürgersaal vor. -Foto: Endlein
Das Architektenbüro Bär Stadelmann Stöcker aus Nürnberg erhielt für seinen Entwurf einer neuen Ortsmitte (hier ein Gebäude für Bürgermeisterbüro und Bücherei) in Sengenthal ebenfalls einen 1. Preis im Architektenwettbewerb. -Foto: Bär Stadelmann Stöcker Architekten