Neues Gesetz in Arbeit: Wer eröffnet den ersten Cannabis-Club in Regensburg?

Sollte es wirklich zur Legalisierung von Cannabis kommen, sehen zwei Regensburger ihre Plantage schon vor sich . Zwei Suchtexperten aus der Domstadt aber warnen auch: Bei den vorgestellten Eckpunkten fehlt der Fokus auf die Prävention.
Wie sollen die Vorgaben zur Abgabe von Cannabis, Stecklingen oder Samen einmal kontrolliert werden? Wie viel Geld wird es für die Präventionsarbeit und den Jugendschutz geben? Und welchen Aufwand werden die Betreiber der Kiffer-Clubs einmal mit den Auflagen haben? Nachdem die Bundesregierung kürzlich die Eckpunkte zur geplanten Cannabis-Legalisierung bekannt gab, warten einige Regensburger nun mit Spannung auf den Gesetzesentwurf in den kommenden Tagen. Denn bei vielen Aspekten ist ihnen noch nicht ganz klar, wie das Projekt funktionieren soll.
Einer von ihnen ist Stefan Brandner, Chef im „Hempy's Shop“. Sobald der Gesetzesentwurf öffentlich ist, wird er einen genauen Blick auf die Regelungen für die Cannabis-Clubs werfen. Er sei ja nicht abgeneigt, so etwas hochzuziehen, allerdings frage er sich schon, unter welchen Auflagen das möglich sein soll. Das werde der Knackpunkt für ihn sein.
Noch gibt es Unklareiten
Auch den Anbau von Cannabis traue Brandner sich zu. „Wenn das legal ist, werde ich das machen. Das notwendige Equipment habe ich ja im Geschäft“, sagt er. Aber auch hier sieht er noch Unklarheiten. „Muss ich das dann im Clubraum anbauen? Und muss ich im Stande sein, alle Clubmitglieder mit Cannabis zu versorgen?“, fragt er. Zudem glaubt er nicht, dass die geplanten Abgabemengen kontrollierbar sein werden. Maximalmengen von 25 Gramm pro Tag und Person, 50 Gramm pro Person im Monat oder drei erlaubten Pflanzen machen seiner Meinung nach keinen Sinn. „Mit einer guten Sorte, der richtigen Ausrüstung und an einem sonnigen Standort sind Ernten von 1,5 Kilo pro Pflanze locker drin“ sagt Brandner. Offen ist für ihn deswegen auch die Frage, was mit dem Rest passieren soll.
Brainfood ist bei Clubs raus
Ein wenig anders sieht es bei Matthias Coufal, Geschäftsführer und Gründer von Hans Brainfood, aus. Die GmbH stellt Riegel, Proteinpulver, Aufstriche oder Gummibärchen aus Hanf her. Weil das Geschäftsmodell auf Lebensmittel ausgerichtet ist, bedauert er es, dass keine Legalisierung von essbaren Cannabis-Produkten vorgesehen ist. „Da nicht jeder zwingend Cannabis-Blüten rauchen möchte, sondern auch wie es etwa in den USA möglich ist, Gummibärchen oder Schokolade mit einem genau definierten Wirkstoffgehalt essen“, sagt Coufal.
Mit der Firma dürfe er zudem keinen Club oder Verein gründen, denn das soll lediglich als Privatperson möglich sein. Sein Geschäftsinteresse liege aber auch nicht unbedingt im Konsum von Cannabis.
Trotzdem ist er gespannt auf den Gesetzesentwurf. Denn die Pflanzen anzubauen, kann sich auch Coufal durchaus vorstellen. „Genau hier und in der Verarbeitung liegt unsere Stärke“, sagt er. Sein Unternehmen sei in der Lage, die notwendigen Lieferketten aufzubauen und alle Qualitätsstandards einzuhalten, dazu gehöre auch der großflächige Anbau. Sollte Regensburg also eine Modellregion werden, hätten er und ein Partner großes Interesse an Investitionen mit Produktion in den Standort.
Chancen für die Prävention
Marion Santl, Leiterin der Caritas-Suchtambulanz, wartet schon etwas ungeduldig auf dieAusformulierungen im Gesetzesentwurf.Für Suchtkranke sei die geplante Entkriminalisierung dringend notwendig, da sie so entstigmatisiert werden würden und leichteren Zutritt zu Hilfsprogrammen bekommen könnten. „Das ist eine Krankheit und die darf nicht kriminalisiert werden“, sagt Santl. Allerdings klagt sie über Oberflächlichkeiten in dem Eckpunkte-Papier was den Jugendschutz angeht. „Auch die Suchthilfe kommt kaum mehr zur Sprache“, sagt sie. Vor allem fragt Santl sich aber nun, wie das einmal finanziert und in der Praxis umgesetzt werden soll.
Auch Norbert Wodarz, Chefarzt des Zentrums für Suchtmedizin am Medbo Bezirksklinikum Regensburg, hat die Prävention und den Jugendschutz bei dem Thema im Blick. „Die Hauptgefahr besteht in der Phase der Hirnreifung, also während der Schwangerschaft im Mutterleib und bei jungen Menschen, wo sie erst mit 25 Jahren abgeschlossen ist und durch den Konsum von Cannabis beeinträchtigt wird“, sagt er. Deswegen bezeichnet Wodarz die geplante Freigabe ab 18 Jahren als fatal. Die Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums sei trotzdem ein möglicher Schritt. „Aber es braucht dringend einen Ausbau von Prävention und eine wissenschaftliche Begleitung, zudem sollte die Abgabe frühestens ab 21 Jahren erfolgen“, fordert er.
Dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt hat, die Freigabe in Bayern verhindern zu wollen, stößt sowohl bei Brandner als auch bei Coufal und Santl auf Kritik.„Das würde nur den Schwarzmarkt zum Blühen bringen“, sagt Brandner. Santl befürchtet Cannabis-Tourismus als Folge. Coufal warnt davor, eine wirtschaftliche Möglichkeit zu verspielen.