Wenn in Pottenhof Backtag ist, helfen alle mit – Im Mittelpunkt steht die Familie Klein

Von Heike Praschel · 20. April 2023 um 11:20

Familie Klein backt bis zu zweimal im Jahr im dörflichen Holzbackofen in Pottenhof. Und das bereits in dritter Generation.

„Eigentlich war der Ofen schon immer da“, erinnern sich die Nachbarn. Selbst zu Kriegszeiten sei er genutzt worden, doch damals galt das Backen als Privileg. „Ohne Backrecht keine Nutzung“ lautete die Vorschrift bis weit in die 70er Jahre.

Früher, erinnert sich Oma Erika (79), sei der eigene Ofen deshalb noch in der „alten Stube“ gewesen. „Doch das war ziemlich umständlich“, denn für den langen Stiel des Brotschiebers musste das Fenster geöffnet werden und ihre Mutter habe deshalb sogar zur Säge gegriffen, lacht sie beim Erzählen.

Seit der Dorferneuerung darf der Holzbackofen von allen genutzt werden

Erst seit der Dorferneuerung darf der große Holzbackofen in der Dorfmitte von allen Bewohnern Pottenhofs genutzt werden und seitdem gibt es immer wieder gemeinsame Back-Tage. Vor allem am Karfreitag werde schon seit mehr als 30Jahren gemeinsam gebacken und auch diesmal sind die Nachbarn mit dabei.

Seit dem frühen Morgen ist Erika Klein zusammen mit Tochter Karin undSchwiegertochter Heikeauf den Beinen. In der Küche duftet es nach frischem Hefeteig und die drei Frauen sind fleißig: Teig kneten, Füllungen vorbereiten. Auf Brettern verteilen sich reihenweise Rohlinge – vorgeformte runde Teigklöße, die noch einmal zum „Gehen“ abgedeckt werden.

Schmierkuchen und Pizzen stehen auf der Speisekarte

24 Schmierkuchen soll es heute geben und zur Stärkung zwischendurch sind zusätzlich ein paar Pizzen geplant. Der Vormittag ist genau getaktet, um 12 Uhr muss alles fertig sein – so ist es auch mit den Nachbarn besprochen.

Sohn Werner Klein (48) kümmert sich in der Zwischenzeit auf dem Dorfplatz um den Ofen. Das Holz muss eingeschichtet werden, 22 Scheite für Kuchen, 25 für Brot. Der Schubkarren steht gut gefüllt vor der offenen Klappe. Der 48-Jährige verschwindet bis zur Hüfte im geschwärzten Inneren, verteilt die einen Meter langen Scheite überkreuz in der gemauerten Backkammer.

„Normalerweise reichen auch 15 für Kuchen“, erklärt er. Aber wenn der Ofen seit langer Zeit zum ersten Mal geheizt wird, braucht er mehr Wärme. Heute sind es also 22. Scheit für Scheit verschwindet im Brennraum und langsam aber sicher entsteht dort ein hölzernes Gittergerüst. „Eine Stunde muss der Ofen brennen, bevor man an die weiteren Vorbereitungen denken kann“, sagt Werner Klein. Noch während er redet, züngeln die ersten Flammen durch die Hölzer und dicker Rauch steigt durch den kleinen Schornstein.

Die drei Frauen sind derweil schon weit gekommen. Die Kuchen liegen inzwischen fertig ausgewalzt auf den Brettern, die unterschiedlichen Füllungen werden nach und nach darauf verteilt und auch die Pizzen sind fast fertig. Kurz vor zwölf wird zusammen mit Opa Josef (77) alles in Richtung Backofen transportiert und auch Familie Lottner wartet dort schon mit ihren Kuchen.

Mehlfarbe als Indikator für die richtige Hitze

Jetzt geht es an die nächsten Vorbereitungen: Noch verteilen sich die verbrannten Scheite in der Backkammer, Werner Klein greift zum Metallschaber. Die ganze Glut wird in Richtung Tür geschoben, dann säubert er den glühend heißen Boden mit einem nassen Lappen.

Die Nachbarn besorgen in der Zwischenzeit einen kleinen Tisch für den Dorfplatz, Oma Erika bringt Pizzaschneider und Servietten.

Zehn Minuten muss noch einmal gewartet werden, dann wird die Temperatur getestet. Dazu bestäubt Klein den steinernen Boden der Brennkammer mit Mehl. „Wird es schön braun, passt die Hitze“, sagt er. Verkohlt das Mehl, sei es noch zu heiß und es müsse noch einmal gewartet werden. Gespannt wird in den Backofen geblickt, kurz darauf verschwinden acht Pizzen hinter der metallenen Tür. Die Hitze ist genau richtig und schon fängt es an zu duften.

Nach nur wenigen Minuten landet die erste Pizza auf dem Tisch und während Werner Klein und seine Frau Heike an die 15 Kuchen in den Ofen schieben, beginnen die ersten mit dem Essen.

Auch die Kuchen brauchen nicht lange. Fast im Akkord wird die Backkammer geleert und gefüllt, nach insgesamt einer knappen Stunde ist auch der letzte Schmierkuchen fertig gebacken.

Der Tag jedoch ist noch lange nicht vorbei. „Jetzt geht es erst einmal ans Aufräumen“ sagt Schwiegertochter Heike. „Bis alles wieder an Ort und Stelle geräumt und auch das letzte Mehl von der Treppe gewischt ist, wird es sicher Abend.“ Aber nichtsdestotrotz sei es die ganze Arbeit wert – „denn nichts schmeckt so gut wie frischer Kuchen aus dem Holzbackofen“.

Das Feuer muss herunterbrennen. -Foto: Heike Praschel
Heike und Werner Klein belegen die Pizzen. -Foto: Heike Praschel
Die ganze Pracht der Schmierkuchen auf einen Blick. -Foto: Heike Praschel
Während die ersten Kuchen backen, essen Familie Klein und ein Nachbar schon mal die Pizzen. -Foto: Heike Praschel