Amran Frey ist das neue Gesicht des Familienunternehmens FREY aus Cham

Von Christoph Klöckner · 20. April 2023 um 10:40

Besser spät als nie – dieser Volksweisheit will Caroline Frey nicht folgen. Sie hat daher im Februar ihren bisher alleinigen Chefposten geteilt: Ihr Neffe Amran Frey sitzt nun in der Geschäftsführung neben ihr. Er soll bald die Gesamtverantwortung für das Chamer Frey-Handelsunternehmen mit fast 600 Beschäftigten übernehmen. Das teilte Caroline Frey jetzt auf Nachfrage mit.

Auch wenn es für viele überraschend kommt, ist die Geschäftsübergabe schon länger ein Thema für Caroline Frey. „Ich bin immer gerne auf alles vorbereitet und so überlege ich das natürlich schon sehr lange. Mein Neffe und ich sind seit Jahren in Gesprächen deshalb“, sagt sie. Und: „Jetzt hat es halt perfekt gepasst!“

Ihr einziges Ziel sei immer gewesen, dass es dem Unternehmen und den Mitarbeitern gut gehe: „Die Übergabe bedeutet vor allem, es geht weiter.“ Persönliche Befindlichkeiten müssten da zurückstehen, so die Firmenchefin. „So ein Schritt macht einem natürlich schon etwas aus. Aber hilft ja nicht …“, fügt sie an.

Amran Frey: Bald allein in Verantwortung

Noch sei sie nicht ganz raus aus der Leitung. „Im Moment sind wir beide Geschäftsführer. Im zweiten Step wird es dann nur noch er alleine sein.“ Und sie erläutert noch einmal den Anlass, der ihr wichtig ist: Sie wolle Platz für die Jungen machen.

„Ich kenne kein einziges Unternehmen, wo die Übergabe zu früh gemacht wurde, aber sehr viele, wo sie zu spät stattfindet. Kürzlich lernte ich einen 60-Jährigen kennen, der immer noch Angestellter seiner 85-jährigen Mutter ist, die mit eiserner Hand das Unternehmen regiert, mit der Folge, dass der „Junge“ das Büro meidet. So möchte ich nicht enden.“

Außerdem habe das Unternehmen FREY ein hervorragendes Managementteam, das zusätzlich für Kontinuität sorgen werde.

Auf die Frage, ob sich damit auch etwas an den Eigentumsverhältnissen im Unternehmen ändere und ihr Neffe bereits einen Teil der Firma überschrieben bekommen habe, sagt sie: „Da sind wir dran und arbeiten an den Verträgen dazu.“

Caroline Frey will Zeit zum Schreiben und Renovieren nutzen

Bislang habe sie noch nichts davon gemerkt, nun nach der Teilung der Verantwortung mehr Zeit zu haben, so Caroline Frey. Die Worte „Dann wird mir schon was einfallen“ seien ja schon besetzt von der ehemaligen Kanzlerin, daher werde sie etwas konkreter: „Ich habe ja immer schon ein wenig geschrieben, vielleicht wird das ja mehr. Erst einmal nur zu meinem Privatvergnügen. Bauen und renovieren war ja auch immer eine Leidenschaft von mir – ich denke, ich werde etwas umbauen zuhause.“

Das Unternehmen sieht sie in dieser Hinsicht gut aufgestellt und auf neuestem Stand: „Dieses Jahr haben wir FREY Stores eröffnet, letzte Woche die komplett neue Herrenabteilung, über die das Fernsehen berichtet hat. Sie ist absolut super geworden.“ Am Jahresende komme dann noch das Untergeschoss, wo früher die Wäsche war, im Haupthaus dazu. „Ich bin sehr froh, dass wir uns nie gescheut haben, kontinuierlich zu investieren. Von nichts kommt nichts.

So bleiben wir immer up to date und es ist gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.“ In Räumen, die nicht passen würden, fühle man sich nicht wohl. Zum Erlebnis Ware gehöre auch das Erlebnis Raum, betont die Unternehmenschefin.

Amran Frey: Ein gebürtiger Chamer

Und wer ist nun der Neue am Ruder, Amran Frey? „Mein Neffe ist 35 und studierter Jurist wie ich. Er kommt aus Cham und kennt FREY von klein auf. Sein erstes Praktikum hatte er mit 15 Jahren in der Sportabteilung gemacht“, teilt sie mit.

Als Unternehmer und als Angestellter bei einer Unternehmensberatung habe er sich in den vergangenen zehn Jahren vorwiegend mit Digitalisierung und digitalen Geschäftsmodellen beschäftigt. „So hat sich auch ergeben, dass mein Neffe seit 2020 an wichtigen Digitalisierungsthemen bei FREY gearbeitet hat. Mich freut es, dass er sich für Frey entschieden hat“, sagt sie.

Dass er neben der Chamer Unternehmensgruppe FREY noch in anderen Firmen, etwa in Mexiko, engagiert ist, sieht Caroline Frey nicht als Hindernis: „Die Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen, ist immer anspruchsvoll.“ Das Unternehmen FREY habe über 500 Mitarbeiter und mit Mode und Einrichtung zwei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle.

Amran Frey leitet Chamer Unternehmen parallel zu Start-up

Als FREY im 19. Jahrhundert gegründet worden war, wäre dieser Umfang wohl als unvorstellbar groß und anspruchsvoll wahrgenommen worden. „Wir sind jedoch mit unseren Aufgaben mitgewachsen. Für meinen Neffen kommt mit seinem Start-up noch eine weitere Aufgabe dazu. Dass man heute viel digital kommunizieren kann und ein starkes Management-Team bei FREY helfen ihm dabei, beides unter einen Hut zu bekommen!“, so Caroline Frey.

Für das Unternehmen Frey sei vor allem wichtig, dass es mit der Nachfolge eine positive Zukunftsperspektive gebe, betont Caroline Frey: „Leider findet nicht jedes Unternehmen eine Nachfolge. Auch deshalb sind wir, also die Familie und die Mitarbeiter, sehr froh.“

Das Unternehmen FREY aus Cham

Ursprünge:Peter Frey, Valentin Frey, Mathias Frey, Adalbert Frey, Dr. Adalbert Frey – das sind die Namen, die bisher vor Caroline Frey stehen. Seit sechs Generationen ist FREY im Einzelhandel für Kunden da. Nun kommt die siebte Generation dazu.

Start:Was mit einem Kurz- und Strickwarenladen 1830 in Cham startete, ist seitdem kontinuierlich gewachsen und heute mit über 500 Mitarbeitern an mehreren Standorten vertreten.

Standorte:FREY betreibt vier Modehäuser in Cham, Marktredwitz, Schwandorf und Bad Kötzting sowie ganz neu das „House of Stores“ in Chams Innenstadt, dazu drei Einrichtungserlebnishäuser in Cham, Weiden und Marktredwitz.

Platz:Die FREY Modeerlebnishäuser umfassen allein in Cham 10000, das FREY Einrichtungshaus gar 20000 Quadratmeter. Dazu gibt es in Cham und Bad Kötzting noch

die freys-Restaurants.

Caroline Frey führt seit 2004 das Chamer Familienunternehmen.