Durchgangsverkehr soll in Neumarkt weniger werden: Was unternimmt die Stadt?

Stetig fließt der Strom an Fahrzeugen auf den großen Straßen am Neumarkter Stadtzentrum vorbei. In Spitzen sind es in manchen Abschnitten mehr als 21000 Fahrzeuge pro Werktag. Nicht jedes Fahrzeug müsste hier fahren, sind Verkehrsexperten überzeugt. Doch wie kann man das ändern?
Eine Möglichkeit wäre, den Anteil des Durchgangsverkehrs zu senken. In einer Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2020 hatte der Verkehrsplaner und Universitäts-Dozent Harald Kurzak festgestellt, dass gut 2000 Fahrzeuge pro Tag als Durchgangsverkehr am Stadtzentrum vorbeifahren. Also insbesondere auf der Querverbindung bestehend aus Amberger Straße, Dammstraße, Kurt-Romstöck-Ring und dem Verbindungsstück der Staatsstraße 2240 zur B299 hin. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei auch eine städtische Untersuchung zuvor gekommen, schreibt Kurzak.
Durchgangsverkehr kommt vor allem über B299 und Straße aus Berg nach Neumarkt
Als Durchgangsverkehr definiert der Wissenschaftler alle Fahrzeuge, die Ausgangspunkt und Ziel außerhalb der Umfahrung Neumarkts bestehend aus B299 und B8 haben. Interessant: Laut Kurzak kommt der Durchgangsverkehr vor allem über die B299 im Norden und die Staatsstraße von Berg her nach Neumarkt herein.
Der Verkehrsplaner ist überzeugt, dass von den rund 2000 Fahrzeugen Durchgangsverkehr täglich mindestens die Hälfte auf die Umfahrung verlagert werden könnte. Wenn zwei Voraussetzungen geschaffen werden: Zum einen der dreispurige Ausbau der B299 im Westen. Zum anderen weitere Maßnahmen der Stadt, um im Stadtzentrum den Verkehrsfluss zu bremsen.
Der B299-Ausbau liegt streng genommen nicht im Entscheidungsbereich der Stadt, wenngleich das Stimmungsbild in der Stadtpolitik für das planende Staatliche Bauamt bedeutsam ist. Entsprechend schwer wiegt die Zustimmung einer Mehrheit des Stadtrats. Zugleich wehren sich Anwohner in Stauf und Woffenbach aber vehement gegen den Ausbau.
Neumarkts Pläne, um Verkehrsfluss auf großen Straßen in der Stadt zu bremsen
Eindeutig in der Hand hat die Stadt hingegen, was auf ihren eigenen Straßen im Stadtzentrum passiert. Der 2013 durch den Stadtrat beschlossene Gesamtverkehrsplan ist dabei der Kompass der Neumarkter Verkehrspolitik. Er formuliert die grundsätzlichen Ziele, den Verkehr in Neumarkt auf leistungsfähigen Routen stadtverträglich abzuwickeln, zugleich aber auch die Kfz-Verkehrsbelastung zu reduzieren.
Um Letzteres zu erreichen, schlug der Gesamtverkehrsplan mehrere Maßnahmen entlang der stadtinneren Ost-West-Verbindung vor. Wie steht es um deren Umsetzung?
In Teilen hat die Stadt die Maßnahmen umgesetzt. So reduzierte sie die auf dem Kurt-Romstöck-Ring zwischen Freystädter Straße und Ringstraße zulässige Geschwindigkeit von 60 auf 50 Stundenkilometer. Zudem wurde der Straßenraum an einigen Stellen zugunsten nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer verändert: Auf dem Romstöck-Ring kam in Teilen ein Radfahrstreifen auf die Straße. Ebenso in der Dammstraße. Dort habe man auch die Gehwege verbreitert, erklärt die Stadt. In der Amberger Straße zwischen der sogenannten „Lammsbräu-Kreuzung“ und der Einmündung Am Evangelienstein reduzierte die Stadt die Zahl der Fahrstreifen und fügte ebenfalls Radfahrstreifen ein.
Umbau der Obi-Kreuzung steht in 2024 an
Die Stadt hat nach eigenen Angaben infolge der umgesetzten Maßnahmen, aber auch wegen der diversen Umbauprojekte im Bereich der Umfahrung in den vergangenen Jahren (neue Kreisverkehre, mehr Fahrstreifen im Süden etc.) tendenziell eine Verlagerung des Verkehrs auf die Bundesstraßen beobachtet. Zahlen lägen dazu aber noch nicht vor, heißt es aus dem Rathaus. Im Herbst soll eine Erhebung solche liefern.
Es stehen allerdings auch noch im Verkehrsplan genannte Projekte aus. Wie bereits in einem ersten Abschnitt sollen auch im Rest der Amberger Straße die Fahrstreifen schmaler werden und Radfahrstreifen eingefügt werden. Wann dies angedacht ist, dazu macht die Stadt keine Angaben. Die Vorschläge kämen aber sukzessive zur Umsetzung.
Die nächste Maßnahme sei der Umbau der sogenannten „Obi-Kreuzung“, erklärt die Stadtverwaltung. Der Baubeginn werde, abhängig vom Bau der neuen Hauptfeuerwache, voraussichtlich im Jahr 2024 sein.