Eine Stadt sieht rot: Polizei vermutet politischen Hintergrund nach Graffiti-Serie

„Der Frieden ist rot“ prangt an mehreren Stellen in Regensburg. Die Parole ist bei Linksextremen beliebt. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Nummer 0941/5 06 28 88 zu melden.
Es nieselt leicht an diesem Morgen. Eine Frau mittleren Alters – weiße Jacke, blaue Jeans, Handy in der linken Hand – steht vor dem riesigen roten Schriftzug in der Gesandtenstraße an der Ecke zum Bismarckplatz. „Wahnsinn“, entfährt es ihr mit Blick auf das große Graffiti, das seit der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag dort prangt. Dort steht: „Der Frieden ist rot.“
Nicht wenigen Regensburgern dürften die Schriftzüge aufgefallen sein. Neben dem großen in der Gesandtenstraße, der sich über die gesamte Front des ehemaligen Prüfeninger Hofs zieht, befinden sich gleichlautende Graffitis am Neupfarrplatz, am Domplatz und am Donauufer gegenüber vom Haus der Bayerischen Geschichte.
Vierstelliger Schaden
Die Polizei ermittelt derzeit auf Hochtouren, um den oder die Täter dingfest zu machen. Derzeit werde der Sachschaden auf einen mittleren vierstelligen Euro-Betrag geschätzt, teilen die Beamten mit. Die Graffitis seien in den frühen Morgenstunden des Ostermontag angebracht worden. Das Polizeipräsidium spricht mit Blick auf die Schriftzüge von Graffitis mit politischem Inhalt. „Das Kommissariat für Staatsschutzangelegenheiten ermittelt“, sagt Polizeisprecherin Corinna Wild auf Nachfrage. Tatzusammenhänge zwischen den einzelnen Schriftzügen werden laut Polizei derzeit geprüft.
Der Spruch „Der Frieden ist rot“ wird vor allem von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) verwendet. Bilder auf der Instagram-Seite der Gruppierung zeigen Aktivisten, wie sie ein Banner mit dem Schriftzug bei einer Demonstration in Regensburg Anfang März präsentieren. Ob die Organisation auch hinter den Graffitis in der Regensburger Altstadt steckt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Polizeisprecherin Wild wollte dies auf Nachfrage nicht näher kommentieren. Es handle sich um laufende Ermittlungen, sagt sie. Eine Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung beantwortete die FDJ bis Redaktionsschluss nicht.
Die Gruppierung war in der DDR eine Jugend-Massenorganisation. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verlor die Gruppe massiv an Bedeutung. Die FDJ wird vom bayerischen Verfassungsschutz als „linksextreme Kaderorganisation“ eingeordnet. Es gibt in einer Reihe von deutschen Städten Ortsgruppen – zum Beispiel in Regensburg. Diese tritt immer wieder in Erscheinung. Letztmals am 1. März, als die Gruppe mehrere Demonstrationen im Stadtgebiet abhielt. Insbesondere eine Aktion vor einer Schule sorgte für Aufmerksamkeit: Dort ritten die Aktivisten auf der Nachbildung einer V2-Rakete, die von den Nationalsozialisten als „Wunderwaffe“ bezeichnet wurde. Die Kommunisten marschieren immer wieder durch die Regensburger Altstadt. So zum Beispiel im März 2022, als sie bei einer Demonstration behaupteten, dass der Westen schuld am Überfall Russlands auf die Ukraine ist. Auch an der Universität Regensburg sorgten FDJ-Aktivisten in der Vergangenheit für Aufsehen: Vor einigen Jahren störten sie einen Auftritt des ehemaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel vor Studierenden.
Stadt will Schäden beseitigen
Indes müssen sich die Betroffenen nun damit auseinandersetzen, wie die Schriftzüge wieder entfernt werden. Getroffen hat es unteranderem die Stadt Regensburg und die Commerzbank, die eine Filiale im ehemaligen Prüfeninger Hof am Bismarckplatz hat. Eine Sprecherin der Bank teilte auf Anfrage mit, dass der Eigentümer des Hauses Bescheid wisse und das Graffiti entfernt werden soll. Wann es soweit ist, sei allerdings noch nicht klar.
Auch die Stadt Regensburg hat es getroffen. Am Neupfarrplatz prangt das Graffiti am Eingang zum document, einem unterirdischen Museum. „Wir werden den Schriftzug natürlich entfernen“, sagte Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Nachfrage. Wann Mitarbeiter der Stadt zur Tat schreiten, stehe noch nicht fest.
Graffiti-Serie: Polizei sucht Zeugen
Aufruf:Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe, um die Fälle zu klären.
Kontakt:Wer in den frühen Morgenstunden des Ostermontag etwas beobachtet hat, soll sich unter der Telefonnummer 0941/5062888 an die Beamten wenden. Zeugenhinweise nimmt allerdings jede Polizeidienststelle entgegen.


