Die Rast bei Rötz ist Kult seit über 70 Jahren

Die Rast bei Rötz ist Kult. Seit mehr als 70 Jahren steht sie an der Bundesstraße 22. Während viele andere Diskotheken in den letzten Jahren schließen mussten, hat „die Rast“ überlebt.
Einer der Renner in der Disco Rast sind die „Back to the 90s-Partys“ – wir gehen aber heute noch ein gutes Stück weiter zurück, und zwar „back to the 50s“. Denn tatsächlich steht das Rasthaus Böhmerwald schon seit mehr als 70 Jahren an der Bundesstraße 22 Richtung Weiden, kurz nach Rötz. Während viele andere Diskotheken in den letzten Jahren schließen mussten, hat „die Rast“ überlebt.
Dass es sie schon so lange gibt, dafür hat Marco Glöckl (29), dessen Eltern Heinrich und Brigitte Glöckl das Rasthaus Ende der 80er Jahre übernommen haben, mehrere Beweise gefunden. Bei der Renovierung des Dachs fanden sie Dachziegel, auf die die Jahreszahlen 1947 und 1948 gestempelt waren. Außerdem tauchte bei den Arbeiten ein Gutachten auf, das besagt, dass das Gebäude „nach der Währungsreform“ erbaut worden sei.
Ein BMW-Barockengel zum Beweis für Historie der Rast
Und dann gibt es noch ein „Beweisfoto“, wohl aus den 1950ern: Zu sehen ist darauf die Rast und davor ein waschechter Oldtimer: „Das müsste ein BMW Barockengel sein, die ab Anfang der 50er gebaut worden sind“, vermutet Marco Glöckl. Das Fassade des Gebäudes war damals noch weiß, vor gut 20 Jahren hat die Familie Glöckl es in dem typischen Orange gestrichen. Wenn die Wände reden könnten, sie hätten bestimmt viel zu erzählen.
„An der Ostmarkstraße gelegen zwischen Winklarn und Rötz“, heißt es auf einem orangefarbenen Zettel aus den 60er Jahren, konnte man im „Rasthaus im Böhmerwald“ jeden Samstag und Sonntag ab 20 Uhr für ein „Wunschkonzert mit Tanz unter 1000 Sternen“ zwei Lieder seiner Wahl angeben. Jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr gab es ein „Kaffee-Konzert“ und jeden Donnerstag einen „Gesellschaftsabend mit Tanz“.
Die Flamingos und die Red Jackets
Auch der Rötzer Otto Krabatsch, heute 76, ist mit seiner Gitarre in der Rast aufgetreten – Mitte der Sechziger mit der Formation Flamingos aus Bruck, später mit den Red Jackets aus Rötz. „Die Rast war schon immer ein Selbstläufer“, erzählt er. Gespielt wurde damals vorwiegend deutschsprachige Musik, erinnert der Musiker sich. „Hauptsache, man konnte dazu tanzen.“ Mindestens bis in die 70er Jahre hinein wurde in der Rast das Bier des Rötzer Thamerbräu ausgeschenkt, denn das Gebäude befand sich im Besitz der Brauerei – auch die Geschichte der Besitzer und Pächter ist spannend.
Von 1973 bis 1976 etwa pachteten Zarko Mrdjanov und seine Frau Irene Holfelder das Rasthaus und servierten internationale und speziell jugoslawische Küche, was absolut neu in der Umgebung gewesen sei. „Die Rast“, sagt Zarko Mrdjanov, der heute in München lebt, „war schon immer Kult“. Aufgebaut habe sie ein Herr Degen, der auch die Auftritte verschiedener Bands dort etabliert habe.
Die Rast sei zu einem „Zentrum Oberpfälzer Kulturlebens“ geworden, so Mrdjanov, der als Musiker gute Kontakte zu vielen Bands hatte und unter anderem die Dobler-Kapelle für bayerische Tanzabende in die Rast holte. Das Gebäude war zuvor in modernstem Stil renoviert worden – „so etwas hatte es nicht einmal in München gegeben“. Der Pächter nach ihm, berichtet Mrdjanov, habe die Rast dann in eine klassische Disco umgebaut.
Auch Nachtclub-König Klankermeier hatte die Rast bei Rötz
„Später wurde die Rast an den Weidener Nachtclub-König Walter Klankermeier verkauft, der 1982 unter bis heute ungeklärten Umständen erschossen wurde“, erzählt Marco Glöckl die Geschichte weiter. Zu dessen Zeiten sei die Rast eher ein „Animierlokal mit Tanz“ gewesen. Klankermeiers Erbin habe dann wieder verkauft, so die Glöckls, und die Rast sei abermals zur Diskothek geworden. Ende der 80er Jahre hatte Heinrich Glöckl, dem das Tanzlokal Waldcasino bei Alletsried gehörte, zufällig erfahren, dass das „Traditionsobjekt Rasthaus Böhmerwald“ zum Verkauf stand. Nachdem er es erworben hatte und der Vertrag mit dem vorherigen Pächter ausgelaufen war, renovierte er es 1990 von Grund auf. 1991 fand die Wiedereröffnung statt.
Rast bei Rötz seit 1991 bei den Glöckls
Heinrich Glöckl ist ein erfahrener Gastronom. Er hatte in Straubing schon mehrere Gaststätten betrieben, bevor er vor Jahren nach Neukirchen-Balbini gezogen ist. Das Konzept, das er bei der Wiedereröffnung etabliert hat, ist im Grunde immer noch das gleiche: Zur Disco Rast gehört eine Cocktailbar, außerdem gibt es ein Bistro, in dem es Snacks und Kaffee während der Öffnungszeiten der Disco gibt.
Viele andere Diskotheken im Landkreis sind längst Geschichte. Manche sprechen – deutschlandweit – gar von einem „Diskothekensterben“, und das nicht erst seit der Pandemie. Die Rast hingegen hat die Jahrzehnte überdauert und zieht immer noch Gäste aus nah und fern an. Sie kommen aus der direkten Umgebung und „aus Furth im Wald, Waidhaus, Weiden, Vohenstrauß, Nittenau, Regensburg, Schorndorf“, zählt Marco Glöckl auf, was ihm spontan in den Sinn kommt. Regelmäßig kämen sogar verschiedene Vereine mit dem Bus an. Trotz des weiten Einzugsgebiets: „Jeder kennt sich.“
Ob die Glöckls eine Idee haben, warum die Rast nach all den Jahren noch immer so beliebt ist bei den Gästen? Vielleicht ein Allgemeinplatz, aber wohl wahr: „Der Gast ist König bei uns“, sagen sie. Die Rast sei außerdem sehr persönlich, „wir sind immer alle drei da und machen alles in Eigenleistung.“
Fahrservice für Stammgäste der Rast
Für die Stammgäste sogar manchmal mit Fahrservice, und das schon seit Jahren: „Es gibt ja keine Taxis im Umkreis. Wer sonst nicht heimkommt, den nehmen wir halt mit, wenn wir irgendwann zusperren, und bringen ihn heim.“
Übrigens: Bei den Ü30-Partys an den Samstagen zahlt sich der Eltern-Fahrservice aus früheren Zeiten aus: „Dann bringen nämlich oft die jungen Leute ihre Eltern zur Party und holen sie wieder ab“, erzählt Marco Glöckl und lacht. Altersmäßig seien die Gäste in der Rast ohnehin „bunt gemischt“. „Es kommen jetzt viele wieder, die früher schon als Teenager da waren.“
Noch ein Punkt: Die Gemütlichkeit in der Rast. „Bei uns hat man sehr schlechten Handyempfang.“ Bedeutet: „Es wird viel geratscht – wie früher. Die Leute packen ihr Handy gar nicht aus.“ Außerdem gebe es keine Kleiderordnung oder einen Türsteher mit strengem Blick auf (Marken-)Kleidung, im Gegenteil: „Jeder darf sich bei uns anziehen, wie er will.“
Vielfalt gibt es auch bei der Musik, es soll für jeden etwas dabei sein. Bei Motto-Partys gibt es natürlich eine Richtung. So oder so sei die Tanzfläche immer voll – wobei es „Pärchentanz“ fast nur auf Ü30-Partys gebe. Vielleicht ein weiterer Grund für die Beliebtheit: Das Rast-Baguette im Bistro ist Kult und sehr bekannt. Und dann könnte auch noch die Lage direkt an der B22 teils ausschlaggebend sein, meint Heinrich Glöckl: „Im Winter wird immer gut geräumt.“
Die Rast ist einfach Kult, und das schon seit Generationen: „Wir hören oft: ‘Oma und Opa haben sich hier kennengelernt – und ich und meine Freundin uns auch.‘“

