Vom Radi-Eldorado zum Wirtschaftsmotor: Stadtteil Weichs zerfällt in zwei Teile

Der Stadtteil Weichs steht wie ein Sinnbild für den Aufstieg Regensburgs – zerfällt aber in zwei Teile, wie ein Blick auf den Sozialindex zeigt. So lebt es sich nördlich der Donau.
Nirgendwo in Regensburg kommt modernes Wachstum und Historie sich so nah wie im Stadtteil Weichs. Während hier seit den 60er Jahren das Einkaufszentrum wächst und wie spiegelbildlich den Aufschwung Regensburgs abbildet, steht in wenigen Metern Entfernung das Weichser Schloss, der historische Kern dieses Stadtteils.
Im Jahr 888 wurde Weichs als „Wihs“ erwähnt, was soviel wie Dorf-Flecken bedeutet. Schon um 1300 wird die Bezeichnung Weichs bekannt. Das Renaissance-Schloss aus dem Jahr 1600 hat sich wesentlich erhalten, doch wer nicht ortskundig ist, findet es nicht: Das moderne Regensburg hat sich um das Schloss wie ein Speckgürtel gebildet. Bevor das Einkaufszentrum – ein visionärer Ideen-Import von Johann Vielberth, der das Konzept Shopping-Mall aus den USA mitbrachte – in die Höhe schoss, wuchs hier der legendäre Weichser Radi.
Heute präsentiert sich Weichs als durchaus gespaltener Stadtteil. Wie die Daten aus dem Regensburger Sozialindex zeigen, gibt es eine magische Linie, markiert durch zwei Straßen: Frankenstraße und B15 teilen Weichs in zwei Hälften.
Urban kontra konservativ
Dabei ähnelt die Bevölkerungsstruktur links von der Nibelungenbrücke – also Richtung Stadtamhof und Steinweg – eher der urbanen, die sich auch in der Altstadt wiederfindet. Rechts von der Nibelungenbrücke tendiert die Bevölkerung eher in Richtung Konradsiedlung: Konservativer, mehr Alleinerziehenden-Haushalte und auch eine höhere Quote von Beziehern von Sozialleistungen.
Schon bei der Zahl der Alleinlebenden gibt es Unterschiede. Zwischen Donau und Walhalla-Allee leben mehr als die Hälfte (54,4 Prozent) in Ein-Personen-Haushalten. Auf der anderen Seite Richtung Altstadt sind es deutlich weniger, nämlich nur 44 Prozent. Hier leben also viel mehr Familien. Kein Wunder, an der Donau entlang entstanden in den vergangenen Jahren hochattraktive Eigentumswohnungen und Reihenhäuser. Die Struktur der Bevölkerung ist damit eher urban.
Das kann man auch sehr deutlich an den Wahlergebnissen ablesen. Dort, wo Weichs urbaner ist, gehen 87,4 Prozent der Wahlberechtigten auch an die Urne, auf der anderen Seite sind es leidlich 75 Prozent. Die eher urbanen Weichser wählten die AfD mit 9,2 Prozent, im Regensburg-Durchschnitt erhielt die rechtspopulistische Partei 10,3 Prozent. Aber 12,5 Prozent der Weichser, die Richtung Konradsiedlung wohnen – wo die AfD ihr höchstes Wahlergebnis erzielten –, machten dort ihr Kreuzchen. Erwartungsgemäß umgekehrt ist es bei den Grünen: 20,8 Prozent der Weichser links von der Nibelungenbrücke machten dort ihr Kreuzchen, doch lediglich 13,5 Prozent rechts von der Ninelungenbrücke.
Leben im Regensburger Stadtteil Weichs– Sozialfaktoren weichen ab
Auch die sozialen Faktoren weichen stark voneinander ab. Beispiel Alleinerziehenden-Haushalte: Nur 14,6 Prozent der Weichser links der Nibelungenbrücke gehören zu dieser Gruppe. Rechts der Nibelungenbrücke sind es 21,7 Prozent. Zudem wohnen dort, wo mehr Alleinerziehende leben, deutlich mehr Männer als Frauen: Der Anteil weicht hier um zehn Prozent voneinander ab. Einen gravierenden Unterschied gibt es auch bei der Quote der Bewohner, die Sozialleistungen beziehungsweise Bürgergeld beziehen. Betrachtet man den Stadtteil Weichs als ganzes, liegt der Stadtteil im Regensburger Schnitt. 4,91 Prozent aller Haushalte in Regensburg beziehen das Bürgergeld. In Weichs sind es 5,1. Doch im eher urban geprägten Weichs sind es nur 1,9 Prozent, während auf der anderen Seite 8,3 Prozent der Haushalte Bürgergeld beziehen.
Weichs ist insgesamt ein Stadtteil, der die Verhältnisse in Regensburg gut widerspiegelt. Doch schaut man genauer hin, dann sieht man deutliche Unterschiede in der Bevölkerungsstruktur.
DIE STADT IN ZAHLEN
Sozialindex:Zusammengestellt hat die Stadt die Zahlen erstmals in diesem Jahr. In Städten wie München wird der Sozialindex seit mehreren Jahren genutzt, um sozialpolitische Entscheidungen zu treffen.
Auswertung:Die MZ wertet die Daten des Sozialindex in den kommenden Wochen für die jeweiligen Stadtteile aus.
Weichs:In einzelnen Indikatoren des Sozialindex gibt es erhebliche Abweichungen vom Regensburg-Schnitt. Beispiel Altenquotient: Der liegt in Weichs bei 30,5, während er in der gesamten Stadt bei 25,8 liegt. Doch innerhalb des Stadtteils weicht auch das erheblich voneinander ab. Die jungen Weichser leben in Richtung Stadtamhof.