George Bittar und May War übernehmen Pizzeria in Hemau

George Bittar und seine Frau May Ward stehen am Tresen der kleinen Pizzeria am Unteren Stadtplatz und richten alles für die Gäste her. Sie kontrollieren den Pizzaofen, testen die Zapf-Maschine und gehen die Reservierungen durch.
Auf den ersten Blick wirken die beiden wie erfahrene und routinierte Wirtsleute. Doch ihre Geschichte ist alles andere als alltäglich. George Bittar und May Ward mussten vor fast neun Jahren aus Syrien fliehen. Alles, was sie sich in der Stadt Homs aufgebaut haben, hat der Krieg ihnen genommen. Bittar war dort Immobilienhändler und seine Frau Architektin.
Als sie in Deutschland ankamen, standen sie materiell vor dem Nichts. Doch ihre Hoffnung ließen sich die Eheleute selbst vom Krieg nicht nehmen. Heute sind George Bittar und May Ward bestens integriert – und wollen nun sogar eine Hemauer Gastronomie-Tradition fortsetzen. Jenes Lokal, das erst als Dolomiti und später unter dem Namen Sturm bekannt war, wurde vor wenigen Tagen zu George’s Pizzeria umbenannt.
Neue Pläne für Pizzeria
Eigentlich ist allein diese Tatsache schon ein Musterbeispiel dafür, wie gut Integration gelingen kann. Im Fall von Bittar und Ward geht das Ganze aber noch weiter. Sie haben vor Kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen und beim Rentner-Stammtisch, der sich regelmäßig im Lokal trifft, wird George Bittar bereits „Schore“ genannt.
„Ich wurde schon zum Bayer gemacht“, lacht er. Über ihren Sohn und ihre Tochter, die in der Grundschule sind und im Verein Fußball spielen, ist das Paar schon mit einigen Traditionen in Berührung gekommen. „Die Kultur ist echt schön“, sagen Bittar und Ward gleichermaßen.
Und scheinbar mögen sie die bayerische Tradition sogar so sehr, dass sie in der Pizzeria einen kleinen Stilbruch wagen. Einmal wöchentlich wollen sie in Zukunft Schweinebraten anbieten. Da sie Christen sind, kommen die beiden Syrer mit der Religion nicht in Konflikt. „Das wird interessant“, schmunzeln sie. Das ist aber nur eine ihrer Neuerungen, wie sie die Pizzeria in die Zukunft führen wollen. Das haben die Wirtsleute über ihr Pläne schon verraten: Außer dienstags und am Wochenende gibt es eine kleine Mittagskarte. Abends hat die Pizzeria jeden Tag (außer am Dienstag) geöffnet. Wenn sich alles gut entwickelt, überlegen Bittar und Ward, ob sie irgendwann auch syrische Gerichte anbieten.
Gute Nachrichten gibt es übrigens auch für alle Schleckermäuler: In einigen Tagen startet wieder der Eisverkauf. Und auch verschiedene Desserts sind wochenweise geplant.
Reibungsloser Übergang
George Bittar kommt dabei seine Erfahrung zugute. Nachdem er aus Syrien geflohen ist, arbeitete er insgesamt fünf Jahre im bekannten Regensburger Restaurant Leerer Beutel. Dort hat er auch eine Ausbildung zum Koch absolviert. Während der Corona-Pandemie hat er zudem in der Küche des BRK-Seniorenwohnens in Hemau gearbeitet. Als die bisherigen Inhaber der Pizzeria diese dann verkauften, um sich neu zu orientieren, sah Bittar seine Chance gekommen.
Zwei Monate arbeitete er vor der Übergabe bereits mit, um Erfahrungen in der Pizzeria zu sammeln. „Das war ein sehr reibungsloser Übergang“, freut er sich. Und auch jetzt laufe das Geschäft gut und die Gäste seien sehr zufrieden und freundlich.
Genau das ist auch George Bittars und May Wards Eindruck von Hemau. „Eine ruhige Stadt mit netten Leuten, die uns gerade in den letzten Jahren sehr geholfen haben“, sagen sie.