Neues BMW-Werk in Ungarn: Im Computer baut es schon Autos

Von Bernhard Fleischmann · 4. April 2023 um 19:00

Die Bauarbeiten für das neue BMW-Werk Debrecen in Ungarn haben eben erst begonnen. Doch schon heute, mehr als zwei Jahre vor dem Serienanlauf, ist die Fahrzeugproduktion im künftigen Werk Debrecen (Ungarn) angelaufen – virtuell.

BMW vermeldet damit nach eigenen Worten „eine neue Dimension in der Fabrikplanung und einen Meilenstein bei der Digitalisierung der Automobilproduktion“. 2025 wird das Werk die physische Serienproduktion der Neuen Klasse aufnehmen, der nächsten Generation rein elektrisch betriebener BMW-Modelle.

Das Werk Debrecen wird komplett virtuell geplant. Das Planungskonzept wurde zusammen mit dem Kooperationspartner NVIDIA realisiert.

Neues BMW-Werk in Ungarn: Regensburg war Pionier

BMW verfolgt einen digital-zuerst Ansatz, um komplexe Fertigungssysteme im gesamten Produktionsnetzwerk zuverlässig vorab zu überprüfen und zu optimieren. Dabei nutzt der Autohersteller eine Plattform für den Aufbau und Betrieb industrieller 3D-Anwendungen im sogenannten Metaverse – eine Alternativwelt, in der alle über Avatare interagieren, indem man technische Objekte wie Headsets und Brillen benutzt. So werden Simulationen mit digitalen Zwillingen in Echtzeit durchgeführt und damit Layouts, Robotik und Logistiksysteme virtuell optimiert. Das System wird in das gesamte Produktionsnetzwerk weltweit installiert.

Der digitale Zwilling, also das komplette Werk in der virtuellen Welt, ist im BMW-Kosmos mittlerweile an allen Standorten Standard. Pionier war Regensburg. Von dieser Fabrik wurde der erste vollständige 3D-Scan erstellt, Spartanburg (USA) folgte als nächstes.

BMW verspricht sich von der umfassenden Digitalisierung unter anderem einen wesentlich geringeren Planungsaufwand und zielgerichtetere Investitionen. „Virtualisierung und künstliche Intelligenz beschleunigen und präzisieren unsere Planung. Durch die Verschmelzung verschiedener Planungssysteme in einem digitalen Zwilling können unsere Planer in Echtzeit zusammenarbeiten – von überall auf der Welt. So werden Entscheidungen schnell und fundiert getroffen“, erläutert BMW-Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic. „Das erhöht die Effizienz, macht uns deutlich schneller und reduziert die Kosten.“

BMW: Erste CO2-freie Fabrik - „Revolution in der Fabrikplanung“

Als „Revolution in der Fabrikplanung“ bezeichnet Nedeljkovic die Echtzeit-Zusammenarbeit der verschiedenen Planungsbereiche von BMW sowie der Partner auf der 3D-Visualisierungsplattform Omniverse von NVIDIA, welche die Premiere des virtuellen Produktionsstarts möglich gemacht habe. Die virtuelle Planung des neuen Fahrzeugwerks gelte als Blaupause für alle künftigen Planungsprozesse bei BMW.

Mit der durchgängig virtuellen Planung einer Fertigung gehe BMW einen wichtigen Schritt beim Wandel hin zur sogenannten iFactory. Das Anfang 2022 vorgestellte Zielbild der Produktion nennt Nedeljkovic „unseren Masterplan für die Automobilproduktion von morgen”. iFactory steht bei BMW für Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Effizienz und Flexibilität. So soll Debrecen die erste CO2-freie BMW-Fabrik werden.

Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic: „Das ist eine Revolution in der Fabrikplanung.“