Stadtamhof, Stadtteil der Hipster: Wo Regensburg wirklich eine Großstadt ist

Von Christian Eckl · 5. April 2023 um 05:00

Früher hieß es: „Über d`Bruck heiratet man nicht“, heute steht Stadtamhof für Lebensqualität und großstädtisches Flair. Das steckt hinter den Besonderheiten im kleinsten Stadtteil Regensburgs.

Stadtamhof ist der kleinste der Stadtteile Regensburgs. 2424 Einwohner zählt er. Einst begann hier Bayern, während die Reichsstadt kaiserlich war. Die Stadtamhofer haben auch an ihrem ehemaligen Rathaus ein Wappen mit Bayern-Raute und drei statt der Regensburger Doppelschlüssel. Im Antiquarium der Münchner Residenz fehlt an der Decke das Wappen von Regensburg in der Reihe der königlichen Besitztümer. Da ist das Wappen von Stadtamhof.

All das ist Geschichte. Doch Stadtamhof ist heute eine hervorragende Mischung aus beidem: Historie strahlt Stadtamhof schon allein deshalb aus, weil es zum Unesco-Welterbe gehört. Doch nicht wenige Regensburger finden, der Stadtteil sei der mondänste von allen: Hier treffen sich Hipster mit Schnauzer und Hochwasserhose mit Granola-Boys und -Girls, die sich bio ernähren und im Urban Garden beim Grieser Spitz Kohlgemüse anbauen.

Regensburg: Politisch tickt Stadtamhof links

Auch politisch tickt Stadtamhof dementsprechend anders als der Rest Regensburgs. In Sachen Engagement bei Wahlen nehmen sie jedenfalls einen Spitzenwert ein: Die Wahlbeteiligung lag mit 84,2 Prozent bei der letzten Bundestagswahl deutlich höher als der Regensburg-Schnitt. Dementsprechend ist hier auch eher ein Linkstrend zu verzeichnen: Parteien rechts der Mitte haben es schwer. So kam die CSU auf 19,5 Prozent, während sie in Regensburg insgesamt 24 Prozent einfuhr. Die AfD wäre jedenfalls in Stadtamhof nicht über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen. Dafür aber die Linke, die mit 8,2 Prozent gewählt wurde. Stärkste Kraft in Stadtamhof sind die Grünen, fast jeder dritte Wähler gab der Öko-Partei ihre Stimme. Auch die SPD ist hier etwas stärker als im Regensburg-Schnitt.

Sieht man sich Sozialfaktoren an, dann bestätigt sich auch in Stadtamhof ein Trend: Je besser ein Stadtteil in Sachen kritischer Sozialfaktoren dasteht, desto deutlicher wird rechts der Mitte gewählt. Beispiel Konradsiedlung: Im Vergleich zu Stadtamhof liegt der Ausländeranteil über dem Schnitt bei 18,5 Prozent, während er in Stadtamhof bei etwa zehn Prozent liegt und damit fast halb so hoch ist. In der Konradsiedlung ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger mit 6,8 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich, in Stadtamhof liegt ihr Anteil mit 2,3 Prozent weit unter dem Regensburger Durchschnitt. Auch ansonsten hat die Stadtamhofer Bevölkerung einige soziale Besonderheiten aufzuweisen. Mit 46,9 Quadratmetern Wohnfläche pro Einwohner leben die Stadtamhofer auf knapp sieben Quadratmeter mehr als der Rest Regensburgs – und das bei den steigenden Mieten. Bei der Quote der Alleinerziehenden-Haushalte liegt Stadtamhof allerdings in etwa im Regensburger Durchschnitt.

Tatsächlich ist Stadtamhof auch ein sehr junger Stadtteil. Der Anteil der Über-65-Jährigen an 100 Einwohnern liegt bei 20 Prozent, im gesamten Stadtgebiet sind es über 25 Prozent.

Höher als im Gesamtschnitt ist auch der Anteil an arbeitenden Frauen: In Stadtamhof sind es 65,1 Prozent, im Regensburg-Schnitt knapp unter 60.

Regensburg: Mehr arbeitende Frauen in Stadtamhof

Überhaupt scheint Stadtamhof auch der Stadtteil der Gleichberechtigung der Geschlechter zu sein, wenn man so weit gehen will: Das Verhältnis zwischen Frauen und Männer ist hier pari. In Regensburg kommen 104 Frauen auf 100 Männer.