‘s Kloster der Firmengruppe Josef Rädlinger: Fünf Sterne für vier Köche und eine Idee

Man isst dort ausgezeichnet und ist jetzt auch ausgezeichnet – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. ‘s Kloster – so haben Josef und Petra Rädlinger ihre Kantine getauft, die im 120 Jahre alten Gebäude des ehemaligen Windischbergerdorfer Klosters untergebracht ist. Ein Stück Unternehmens-Philosophie ist dort entstanden, direkt neben dem neuen Bürogebäude.
Vom ursprünglichen Kloster sind die beiden Weihwasserkessel am Eingang und die Grundmauern übriggeblieben. Fünf überdimensionale Orgelpfeifen, in denen die Lüftung versteckt wurde, und die ehemalige Empore erinnern auch noch an die alten Zeiten.
Man merkt der Geschäftsführung an, dass sie stolz ist auf das, was da gewachsen ist in den letzten Jahren. Die beiden Geschäftsführer Josef Rädlinger und Rüdiger Altmann haben sich an diesem Tag drei Stunden Zeit genommen, um zu beweisen, dass die fünf Sterne für diese Betriebskantine der anderen Art hochverdient sind.
Täglich neue Speisekarte beim ‘s Kloster
Die Verantwortung für ‘s Kloster trägt Petra Rädlinger. Täglich schreibt sie die Speisekarte. Eine Vorspeise, zwei Hauptgerichte (Fisch/Fleisch oder vegetarisch) und eine Nachspeise. 4.90 Euro bezahlt der Mitarbeiter dafür. Den mehrfachen Rest der Kosten trägt die Firma.
„Wir hegen unsere Fahrzeuge. Sie bekommen nur den besten Kraftstoff und das teuerste Öl. Darüber sind früher die Mitarbeiter zu kurz gekommen. Dabei sind sie viel wichtiger“, sagt Josef Rädlinger und verzieht das Gesicht, wenn er an Brotzeiten mit Leberkäs-Semmeln und Co. denkt.
Das ist vorbei. Heute kümmern sich in der Kantine vier hochkarätige Köche um die 140 bis 150 Essen, die täglich von Montag bis Freitag in zwei Wellen über den Tresen gehen. Alles ist handgemacht, nichts aus der Dose, sagt Petra Rädlinger. Das Essen ist biologisch und ausschließlich regional. Im Sommer sorgen drei Gärtnerinnen dafür, dass aus den rund 1000 Quadratmetern Beeten unterhalb des Unternehmens täglich frisches Gemüse auf den Tisch kommt.
Foodtrucks fahren die Baustellen der Firmengruppe ab
„Wir werfen nichts weg. Wir verwerten alles, bauen es am nächsten Tag in die Gerichte ein und unsere Mitarbeiter bringen Reste und Eierschalen ihren Hühnern“, erzählt Petra Rädlinger. Das Essen gibt es auch zum Mitnehmen in die Familien der Mitarbeiter. In Begleitung dürfen auch Kinder und Verwandte mit kommen. In der Woche vorher gibt es schon einen ausgeklügelten Speiseplan und es muss alles vorbestellt werden. „So können wir punktgenau planen“, sagt Petra Rädlinger.
Ihr Mann Josef hatte einen weiteren Gedanken, der voll eingeschlagen hat: „Es war einfach ungerecht, dass unsere Arbeiter auf den Baustellen draußen von all dem nichts hatten!“ Deswegen fahren drei Foodtrucks regelmäßig die Baustellen ab. Jeder Truck hat einen Koch an Bord. Ein Truck bringt Gegrilltes, die anderen beiden können mediterran auftischen oder asiatisch. Draußen verschenkt Rädlinger das Essen, weil die Trucks nicht täglich überall sein können. „Wir fahren bis Kassel und Stuttgart. Die Trucks bleiben dann mehrere Tage vor Ort.“
Das hat Folgen für die Unternehmenskultur, sagt Geschäftsführer Rüdiger Altmann. Die Menschen treffen sich und kommen auch einmal weg vom Arbeitsplatz. „Man bekommt den Kopf frei, verlässt das Bürogebäude und die Baustelle, hat ein tolles Essen und ein angenehmes Umfeld.“
Nicht nur die Kantine bei Rädlinger in Cham ist besonders
Das hält die Mitarbeiter bei Laune und leistungsbereit, sagt Josef Rädlinger. Fünf Sterne, da ist er sicher, hat die Firma auch wegen der inneren Einstellung bekommen, die hinter all dem steht. Denn das Konzept ist viel größer. Rädlinger hat Feng Shui und Geomantie eingebaut. Es ist ihm gar nicht so wichtig, ob daran jemand glaubt: „Wenn sich jemand in der Umgebung wohlfühlt, dann hat es funktioniert“, sagt er.
Stolz führt die Geschäftsführung durch die Außenanlagen, vorbei an den Terrassen für die Bewirtung, den Gemüsebeeten, Brunnen und dem Labyrinth, das im Maßstab 1:1 dem in der Kathedrale von Chartres nachgebaut ist. Der Weg führt weiter durch die riesige Tiefgarage unter dem Bürogebäude zu den Fitnessräumen, den Arbeitsplätzen, Besprechungsecken und Kaffeeküchen. „Für Körper, Geist und Seele — wir haben für alles etwas getan“, sagt Josef Rädlinger. Und er sagt noch etwas Ungewöhnliches: „Fachkräftemangel – etwas Besseres hätte uns gar nicht passieren können. So müssen alle ihre Leute wieder besser behandeln!“
Fünf Sterne von „Food & Health“ für ‘s Kloster
Von der Initiative Food & Health wurde Rädlinger für sein innovatives Konzept in der Gemeinschaftsverpflegung mit fünf Sternen ausgezeichnet. Das Unternehmen siegte in der Gesamtwertung 2023 unter den Mitarbeiterrestaurants, die unter 400 Essen pro Tag zubereiten. In der Eingangshalle liegt ein großer Bildband über die schönsten 50 Kantinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorne dabei: ‘s Kloster!

