Bildband ist die fotografische Liebeserklärung eines „Oberpfalzianers“ an seine Heimat

177.000 Fotos von Orten in der Oberpfalz hat der Steinberger Simon Süß geschossen. 230 davon schafften es in seinen Bild-Text-Band „Die Oberpfalz“. Viele Aufnahmen überraschen sogar Einheimische.
Drei Jahre lang war Simon Süß für sein Projekt in der Oberpfalz unterwegs, ist stundenlang gewandert und gefahren, verbrachte ganze Nächte bei Hitze und Kälte in der Natur, wurde von Mücken zerstochen und einmal sogar überfallen. Doch nach 10.500 Arbeitsstunden ist er fertig und sehr gelungen: der größte bisher erschienene Bild-Text-Band zur Oberpfalz.
Er ist das Ergebnis einer leidenschaftlichen Liebe des Autors zu seiner Heimat, der oft verkannten Oberpfalz. Simon Süß wurde zum „Oberpfalzianer“, wie er es bezeichnet. Eindeutig widerlegt der Band Vorurteile über diese Gegend. Rau, karg, ärmlich und schroff sollen nämlich sowohl die Oberpfalz als auch die Bewohner sein, so heißt es nicht selten.
Die teuere Drohne wurde gestohlen
Simon Süß gelang es, die Schönheit und Anmut der Orte, Wälder oder Landschaften einzufangen. Die Bilder überraschen sogar Einheimische, die denken, ihre Gegend doch eigentlich zu kennen.
Auch für Simon Süß war das Buch ein besonderes Projekt: Viele Menschen lernte er auf dieser ungewöhnlichen Reise durch die Oberpfalz kennen, wie einmal eine Frau, die ihm ihre ganze Lebensgeschichte erzählte. Ein anderes Mal klaute ihm ein Punk seine 3000 Euro teuere Drohne, da dieser dachte, Süß würde seine Freundin fotografieren. Bei der Polizei trafen sich Dieb und Fotograf wieder – und Süß bekam die Drohne zurück, nur etwas verbogen.
„Wie hier sah ich mein Projekt mehrmals als gescheitert, auch einmal, als das Stativ mit der Kamera auf einem Kiesbett der Donau umfiel“, erinnert sich der 29-Jährige, der in Steinberg am See wohnt – bis heute einer seiner Lieblingsplätze.
Eigentlich sei er ein „untypischer Fotograf“, sagt Süß über sich selbst. Schon immer interessiere er sich brennend für Geschichte, nicht nur für die bayerische. „Als Bub verbrachte ich Stunden beim Lesen der Brockhaus-Bände. Ich habe sie regelrecht verschlungen.“ Nach dem Abitur studierte Simon Süß zunächst Jura, wechselte aber bald zu Politik und Geschichte an der Universität Regensburg. Immer detaillierter forschte er zu Geschehnissen und Menschen, die die Oberpfalz prägten – und stets will er alles ganz genau wissen. Auch in der Natur ist Süß seit je her gerne unterwegs und erkundete als Jugendlicher zunächst mit dem Rad und später mit dem Mofa die Gegend. „Kloster Reichenbach hat mich zum Beispiel sofort sehr beeindruckt“, erinnert sich Süß.
Handyfotos auf Facebook kamen gut an
Er findet es schade, dass die Oberpfalz so verkannt wird. „Das liegt daran, weil die Gegend bäuerlich geprägt war und es früher kaum Industrie gab. Erst die Eisenbahn brachte um 1850 einen Aufschwung.“ Die Menschen seien genauso rau wie die Landschaft, eben von der „Natur geformt“, und der Reiz erschließe sich bei beiden oft erst auf den zweiten Blick. Man sei hier grundsätzlich per Du. „Das Sie muss man sich erst verdienen“, lacht Süß.
Auf seinen Touren durch die Oberpfalz fotografierte der Steinberger schon immer gerne und stellte seit 2013 zunächst Handyfotos auf Facebook ein. Das kam so gut an, dass die Idee für ein Buch entstand. Tatsächlich wurde ein Verlag auf ihn aufmerksam und alles nahm seinen Lauf. „Am Anfang hat jedoch niemand an das Buch geglaubt.“ Nach langer Arbeit ist der Band im Oktober 2022 nun tatsächlich erschienen. Die Liebe zum Detail zeigt sich in jedem seiner Fotos. Der Nebel, der laut Süß typisch für diese Gegend ist, wird aufgefangen, „weil er dazugehöre“.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit überwegs
Der Betrachter ist fasziniert, welche Schönheit überall verborgen ist, zum Beispiel in Burglengenfeld zur „blauen Stunde“ oder beim Sonnenaufgang an der Naab. Das Fotografieren hat sich Süß selbst und in Kursen beigebracht. Immer ist er erst zufrieden, wenn die Lichtverhältnisse perfekt passen. Und so fährt er zu einem Ort oft mehrere Male, zu jeder Tages- und Nachtzeit, und fängt die Stimmung ein.
Wohl kaum hat man zum Beispiel die Milchstraße über der Oberpfalz je in dieser Pracht gesehen wie auf einem der großen Fotos. Auch eher unbekannte und doch so schöne Orte sind abgebildet, wie ehemalige Truppenübungsplätze. Oft habe er Hürden überwinden müssen, sagt Süß. Rund 70Genehmigungen mussten etwa eingeholt werden oder mit Baustrahler die Walhalla angeleuchtet werden. Von den insgesamt 177000 Fotos von der Oberpfalz passten lediglich 230 in den Bildband. Schnell war daher klar, dass weitere Bücher entstehen müssen. Diese sind zurzeit in Arbeit, auch über andere Gegenden Bayerns. Seine Heimat, so Süß, sei eine so facettenreiche und wunderschöne Region – und er möchte sie ins rechte Licht rücken. Und noch immer sei auch für ihn so vieles unentdeckt und ungesehen.
„Die Oberpfalz“ in Bild und Wort
Werk:Der ausführliche Bildband „Die Oberpfalz“, Verlag Friedrich Pustet, von Simon Süß ist zum Preis von 49,90 Euro im Buchhandel erhältlich.
Mitarbeit:Die Texte verfassten Manfred Knedlik und Alfred Wolfsteiner.
Hobby:Simon Süß hält zudem Vorträge über die Geschichte der Oberpfalz.





