Weniger Autos auf den Straßen? Was die Ergebnisse der Verkehrszählung zeigen

Von Wolfgang Endlein · 28. März 2023 um 05:00

Corona war ein Einschnitt in unser aller Leben – auch bei der Mobilität. Die bundesweite Verkehrszählung 2021 liefert dazu Zahlen für die Bundes- und Staatsstraße im Landkreis Neumarkt. Das beinhaltet interessante Ergebnisse – die aber mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Eigentlich hätte die alle fünf Jahre stattfindende Verkehrszählung 2020 sein sollen, aber wegen Corona wurde sie um ein Jahr verschoben. Zu sehr hätten sie sonst Lockdowns etc. beeinflusst. Schließlich sollen die Daten verlässliche Grundlage für Verkehrsplaner sein. „Nur so können wir wissen, wo der Bedarf für eine zusätzliche Spur oder mehr Lärmschutz vorhanden ist“, hatte die damalige bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer die Zählung begründet.

Die Zahlen könnten aber auch zeigen, dass möglicherweise kein Bedarf besteht. Ist das beispielsweise in Berg der Fall, wo eine Ortsumgehung gebaut werden soll? Zumindest hat die Verkehrszählung für den Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr Blomenhof und Gnadenberg ergeben, dass hier im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2015 rund 2000 Fahrzeuge weniger durchschnittlich am Tag fuhren. Braucht es da überhaupt noch eine Umgehung?

Wirken sich Effekte aus Corona-Zeit im Verkehr dauerhaft aus?

So einfach sei es nicht, betont Berthold Schneider. Der Leiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt in Regensburg schaut genau auf die Zahlen für 2021. „Es gibt nicht einfach einen Schwellenwert und dann wird ausgebaut.“ Es müssten verschiedene Faktoren beachtet werden. Die Zahlen seien lediglich eine Orientierung.

Wobei die Zahlen der Zählung 2021 es einem dabei nicht einfach machen. Schneider spricht generell von einer Seitwärtsentwicklung. Dramatische Entwicklungen nach oben oder nach unten sehe er auf den Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis nicht.

Dennoch gibt es einen leichten Trend: Die Straßen, auf denen im Vergleich zur Zählung in 2015 weniger Fahrzeuge fuhren, sind in der Mehrheit. Allerdings sind die Unterschiede überschaubar. Das passt zum bundesweiten Trend: Das infolge der Pandemie stark verringerte Kfz-Verkehrsaufkommen ist 2021 wieder deutlich angestiegen, hat aber nicht das Niveau von vor 2020 erreicht.

Noch nicht? Oder werden generell nicht mehr so viele Autos über die Straßen fahren? „Wir wissen noch nicht recht, ob und wie die Corona-Effekte anhalten werden“, erklärt Schneider, warum aus den aktuellen Zahlen nur schwer ein Trend abzulesen ist. Die Zeit der Pandemie ist ein Bruch – auch für die Frage, wie sich Verkehr entwickeln wird. Prognosen zu stellen, wird herausfordernder als in der Vergangenheit.

Nord-Süd-Gefälle beim Verkehrsaufkommen an der B299 im Landkreis Neumarkt

Es stellen sich Zukunftsfragen, die darauf gravierende Auswirkungen haben können. Was macht es mit dem Verkehrsaufkommen, dass viele von uns zunehmend nicht mehr zwingend an Orte fahren müssen, um einzukaufen oder zu arbeiten? Was bringt es mit sich, dass unsere Gesellschaft altert und es weniger Erwerbstätige geben wird? Wird die Verkehrswende gelingen? Und wenn ja, in welchem Umfang?

Was sich bis 2051 tun wird, versucht eine kürzlich vorgestellte Prognose des Bundesverkehrsministeriums zu beantworten. Ergebnis: Der Güterverkehr nimmt insbesondere auf der Straße erheblich zu. Das Wachstum beim Personenverkehr fällt moderater aus. Das Auto bleibt dabei wichtig, das Wachstum findet aber vor allem bei Flugzeug, ÖPNV und Fahrrad statt. Allerdings werde es große Unterschiede zwischen größeren Städten und ländlichen Gebieten geben. In Letzteren bleibt das Auto weiter von großer Bedeutung.

Darauf spielt Schneider an, wenn er auf die Zahlen der B299 verweist. Im Norden rund um Neumarkt zeigt die Verkehrszählung 2021 wie schon 2010 und 2015 in den meisten Abschnitten mehr Fahrzeuge. 12000 sind es beispielsweise auf dem Abschnitt zwischen den Kreisverkehren am Blomenhof und bei Pölling im Schnitt am Tag. Je weiter man der B299 im Landkreis nach Süden folgt, desto eher ist ein Rückgang zu beobachten.

Argumente gegen den angestrebten Ausbau der B299 westlich von Neumarkt finden sich daher aus Sicht von Berthold Schneider in den Daten der Verkehrszählung nicht.