Hass, Stalking, Abzocke – Ein Neumarkter Experte erklärt die Gefahren

Die meisten Menschen verwenden heute Soziale Medien wie Facebook oder Instagram – um den Kontakt zu Bekannten zu halten, sich zu informieren oder an Debatten teilzunehmen. Doch ganz sicher kann man in den Netzwerken nie sein, erklärt Martin Herbaty von der Software-Firma Auctores in Neumarkt. Diese Gefahren betreffen jeden, der online präsent ist.
Besonders betroffen sind Menschen, wenn der Internetauftritt in einem professionellen Rahmen stattfindet. „Was ich nicht auf einem Bahnhof durch die Lautsprecher durchsagen würde, das sollte auch nicht auf Social Media gepostet werden“, gibt Herbaty, Redakteur und Projektleiter bei Auctores, dafür als Faustregel an. Das Unternehmen entwickelt Software und unterstützt seine Kunden bei deren Strategie für die Sozialen Medien.
Einer dieser Kunden ist auch die Bürgerstiftung. Die digitale Sicherheit zu gewährleisten bedeutet für die Stiftung einen großen Mehraufwand, erzählt die zweite Vorsitzende Vera Finn. In der Bürgerstiftung seien zwei Personen, die sich um die Pflege der Onlineauftritte kümmern. „Es kann nicht jeder drauf losarbeiten. Das bedeutet natürlich mehr Zeitaufwand und braucht viel Kommunikation. Social Media kann man nicht um 17 Uhr schließen.“
Das bestätigt auch Herbaty. Ein professioneller Social Media Account bräuchte ein Konzept und eine Strategie für den Ernstfall. „Das ist eigentlich eine eigene Abteilung, das sollte nicht nebenbei laufen.“ Wenn man sich die Zeit nicht nähme, könnten sich schnell Fehler einschleichen und die Zuständigen könnten im Ernstfall nicht schnell genug und richtig reagieren.
Ein Fehler kann das Klicken auf einen zugeschickten Link sein, denn dadurch können schnell Daten abgefangen werden. „Man sollte nie auf einen Link klicken, wenn zum Beispiel Amazon etwas schreibt, dann gehe ich selbst auf die Seite“, erklärt Herbaty. Es gebe mittlerweile auch Betrugsmaschen, die mittelständische Unternehmen betreffen. „Beim sogenannten Chefbetrug gibt sich der Betrüger als Arbeitgeber aus und baut Druck in der Mail auf. Die Empfänger sollen dann sofort Geld überweisen.“
Sicherheit vs. Authentizität
Das Posten eines unüberlegten Fotos kann ebenso Konsequenzen nach sich ziehen. „Wir haben schon erlebt, dass ein Stimmungsbild aus dem Büro gepostet werden sollte und im Hintergrund standen Passwörter am Whiteboard“, erzählt Herbaty aus seiner Praxis.
Gleichzeitig seien es aber besonders die persönlichen Einblicke oder Alltagssituationen, die einen Account authentisch und dadruch erfolgreich machen. „Die Leute finden das viel interessanter, den Menschen zu sehen, als nur die Institution“, erklärt Stefan Wingen, Pfarrer der Hofkirche in Neumarkt. Er hat zwei Accounts auf Instagram: den offiziellen Account „Hofkirche“ und „Hofpfarrer“, mit dem er seinen Alltag begleitet.
„Ich kann die Menschen so viel besser erreichen und auch das tun, was mir besonders wichtig ist: Katholizismus alltagsnah leben.“ Dafür sei ihm auch die Mischung zwischen religiösen Inhalten und „Quatsch“ wichtig. „Ich möchte, dass Leute sich das anschauen und denken: die Katholiken sind ja gar nicht so creepy.“
In Berngau gab es zwei Fälle von Stalking
Einen anderen Grund für die Nutzung von Instagram hat Berngaus Bürgermeister Thomas Meier. Er betreut den Instagram-Account der Gemeinde. Er stelle nur Informationen online, die auch auf anderen Wegen erreichbar seien. „Wir erreichen durch Instagram eine andere Altersgruppe. Vor Kurzem wurde ein Skatepark eröffnet, da ist es sinnvoll, Instagram zur Verbreitung zu verwenden.“
Allerdings habe auch er schon die Schattenseiten kennengelernt. Zwei Fälle von Stalking habe es in Berngau gegeben. Vereine hätten oft Whatsapp-Gruppen, denen man per Link beitreten kann. Diese Links sind öffentlich und die Täter wären so an die Handynummern ihrer Opfer gelangt.
Auch politischen Extremismus gibt es verstärkt auf den Sozialen Medien, wie die Bürgerstiftung erfahren musste. „Solche Gruppen haben schon öfter versucht uns für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Wir blockieren diese Nutzer dann natürlich sofort, aber man muss gewisse Strömungen erst einmal erkennen“, erzählt Vera Finn von ihren Erfahrungen.
Herbaty empfiehlt, bei solchen Versuchen rigoros zu reagieren. „Ein lockerer Löschfinger ist da gesund, das bedeutet nicht, dass jede Kritik weggedrückt werden sollte. Aber Löschen und Blockieren dient in manchen Situationen dem Hausfrieden.“
Datendiebstahl im Alltag – Man geht nicht in der Masse unter
Sehr gefährlich ist laut dem Experten die Auffassung, man hätte nichts zu verbergen, oder man sei zu unwichtig, um im Interesse von Datendieben zu stehen. Persönliche Daten seien attraktiv und es gebe immer Menschen, die nach ihnen suchen. „Man ist schnell Beifang bei Datenlecks auf Social-Media-Plattformen, die sich automatisiert auwerten lassen. Man geht dann nicht in der Menge unter.“
Deshalb solle man darauf achten, was man teile. „Einem Anbieter im Gesundheitsbereich muss klar sein, dass eine Facebook-Gruppe kein Ort ist, um sich über Patientendaten auszutauschen. Auch eine geschlossene Gruppe ist nie richtig geschlossen und mit diesen Informationen kann viel Schaden angerichtet werden.“