Caritas sucht gebrauchte Smartphones für obdachlose Menschen

Von Marie Campisi · 27. März 2023 um 15:00

Christian Hierold von der Caritas-Beratungsstelle Noah sammelt ab Freitag gebrauchte Smartphones, um sie an obdachlose Regensburger weiterzugeben. Damit will er ihnen Zugang zum Internet erleichtern und ihre soziale Teilhabe verbessern. Er erklärt, was Interessierte vor der Abgabe des Smartphones beachten müssen.

Mit Freunden schreiben, Öffnungszeiten suchen, Nachrichten lesen – das alles ist mit dem Smartphone kinderleicht und gehört für die meisten Deutschen zum Alltag. Für Menschen, die obdachlos sind, ist ein Smartphone dagegen häufig ein Luxus. Dabei würde die digitale Mobilität auch ihren Alltag erleichtern. Die Smartphone-Spendeaktion „SecondHandy“ der Caritas Regensburg soll hierbei helfen.

Christian Hierold ist der Initiator und Leiter dieser Aktion. Als Fachreferent und Leiter des Innenstadtbüros der Caritas-Einrichtung Noah berät erMenschen in besonderen Lebenslagen. Zu ihm kommen Menschen, die keine Wohnung haben oder straffällig geworden sind. Sie suchen Rat, Weitervermittlung und manchmal ganz konkret Dinge zum Leben: Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel – oder eben Smartphones. Was es bedeutet, letzteres nicht nutzen zu können, weiß Hierold: „Für meine Klienten ist es ohne Smartphone echt schwierig, eine mobile Teilhabe zu erfahren. Vieles in unserer Gesellschaft läuft über das Internet und die schnellste Möglichkeit da teilzuhaben, ist nun mal das Smartphone.“

Mehr als chatten

Mobile Teilhabe – damit meint Hierold nicht nur das Chatten mit Freunden bei Facebook oder Whatsapp. Auch das öffentliche Leben wird zunehmend digitalisiert. Kein Smartphone zu haben, wird für die rund 200 obdachlosen Menschen in Regensburg damit zur strukturellen Benachteiligung. „Es bedeutet auch, dass ich keine Möglichkeit habe, mich mit Nachrichten zu versorgen oder mich mit dem Nahverkehr auseinander zu setzen“, erklärt Hierold. Auch auf Hilfsangebote für Obdachlose wird zunehmend online hingewiesen. Der Internetzugang macht es somit leichter, Unterstützung zu finden.

Achtung: Smartphone-ID

Mit vielen seiner Klienten, die bereits ein Smartphone besitzen, kommuniziert Hierold über Messengerdienste. „Es ist eine niedrigschwellige Möglichkeit zu kommunizieren. Es fällt den Leuten wesentlich leichter, mir eine Whatsapp zu schicken, als direkt anzurufen“, sagt er. Mit den Smartphones soll es den Betroffenen auch leichter gemacht werden, um Hilfe zu bitten. Mit der Aktion „SecondHandy“ hofft Hierold diese Möglichkeiten möglichst vielen obdachlosen Personen anbieten zu können. Eine Simkarte kann den Betroffenen aber nicht angeboten werden. Sie sind auf die kostenlosen Internethotspots der Stadt angewiesen.

Wer ein ungenutztes Smartphone zuhause rumliegen hat, kann dieses ab Freitag bei der Caritas spenden. Hierold nimmt die Geräte persönlich an. Denn bevor die gebrauchten Smartphones an bedürftige Personen weitergegeben werden können, muss eines beachtet werden: „Die Geräte stehen meistens in einer Verbindung mit einer ID, also eine Identifikation wie Apple ID oder die Googlemail. Man muss das Smartphone erst von dieser ID trennen, sonst können wir es nicht verwenden“, erklärt Hierold.

Schönheitsmakel erlaubt

Das Gerät auf Werkseinstellungen zurückzusetzen reicht hierfür nicht aus. Um sicherzugehen, dass wirklich alle Daten des Vorbesitzers gelöscht sind, müssen die gebrauchten Geräte persönlich abgegeben werden. Makellos müssen die Geräte nicht sein: „Ein Sprung im Bildschirm ist kein Problem. Schwierig wird‘s, wenn der Touchscreen nicht funktioniert“, sagt Hierold.

Jeden letzten Freitag im Monat soll die Abgabe möglich sein. Mehr Termine können er und die Caritas zwar aktuell nicht anbieten, für die Zukunft könnte Hierold sich aber dennoch eine Ausweitung der Aktion vorstellen: „Mein Traum wäre eine Kooperation mit Handyshops, die die Geräte erst mal annehmen würden und die sich auch bei den technischen Fragen auskennen.“

Die Aktion „SecondHandy“

Abgabe:Funktionierende Smartphones, Schönheitsmängel wie ein Sprung im Display sind kein Problem.

Wann:Jeden letzten Freitag im Monat, 11 bis 12 Uhr, im Innenstadtbüro der Caritas in der Obermünsterstraße 12 in Regensburg.

Wichtig:Das Smartphone muss persönlich abgegeben werden. Gemeinsam mit dem Projektleiter wird das Gerät fit für den Neustart gemacht. Nutzername und Passwort der Smartphone-ID sollten bekannt sein.