Eisweltmeisterschaft: Das „Gelato“ aus Abensberg überzeugte die Jury

Die Eisdiele La Dolce Vita qualifizierte sich in Rimini für das Deutschlandfinale der Gelato Festival World Masters – mit einer außergewöhnlichen Eissorte.
Die Quitte brachte sie ganz nach vorne. Aber bevor die heimische Frucht die Eisdiele La Dolce Vita in der Dollingerstraße 7, unweit des Stadtplatzes, auf das Siegertreppchen verhalf, floss viel Schweiß. Mit ihrer Eigenkreation Sole Mio haben sich Lucie De Santis und Adriano Di Stasio beim Gelato Festival World Masters 2022 bis 2025 in Rimini gegen die Konkurrenz behauptet und sich für das Deutschlandfinale im nächsten Jahr qualifiziert.
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Was für den Fußball die Weltmeisterschaft ist, das sind für die Eismacher die World Masters. Vier Jahre lang suchen die Juroren weltweit nach den besten Eismachern. Die müssen sich jeweils in ihren Ländern, dann auf Europa- und schließlich auf globaler Ebene qualifizieren.
Die besten aus 9000 Eisdielen deutschlandweit
Aber alleine schon zu den besten 16 Eisdielen in Deutschland gezählt zu werden, ist eine Ehre. Denn immerhin 9000 Eisdielen gibt es in ganz Deutschland, sagt Di Stasio, und 16 davon traten jetzt gegeneinander an. „Das ist für uns schon ein Gewinn, dass wir so weit gekommen sind“, meint Lucie De Santis. Denn die Konkurrenz ist stark. „Da waren ja auch Eismeister in vierter Generation mit sieben Filialen mit dabei“, erinnert sie sich.
Selbst bewerben kann man sich für die World Masters im Übrigen nicht. Man wird angeschrieben, muss eine Idee präsentieren, die Eissorte und das Rezept. Bewertetet werden beim Wettbewerb selbst nicht nur Struktur oder Geschmack sondern auch Kreativität, Präsentation und Technik des Eisherstellens. Die Eismacher müssen vor den Augen der Jury – allesamt Branchenkenner und Meister ihres Fachs – das Eis kreieren. Für die beiden Abensberger war das ganz schön aufregend.
Aufregend war aber auch die Zeit davor. Denn bevor das Eis zartschmelzend auf die Waffel kommt, bedarf es vielen, vielen Versuchen, die nicht immer erfolgreich verlaufen. Und dafür haben die Beiden vor allem im Winter Zeit. „Da tüfteln wir an neuen Rezepten, bilden uns fort und probieren viel aus“, sagt Di Stasio.
Die Idee für Quitteneis lieferte im Übrigen ein Kunde, der die Quitten mitbrachte. Bis zum fertigen Eis war es aber ein Prozess. „Quitte alleine ist ja nicht so geschmacksintensiv“, sagt De Santis. Also reicherte das Paar das Eis mit Kurkuma, Zitronenzesten, Creme Fraiche sowie salzigem Pistaziencrunch an und erntete dafür sehr viel Lob von der Jury.
Die Zutaten im Verhältnis zu einander zu bestimmen, das sei die Kunst, sagt Di Stasio, „vorher wird alles bilanziert, wie viel Prozent Zucker, wie viel Prozent Fett man braucht. Wir haben dann eine Woche lang probiert, bis wir auch die richtigen Proportionen zwischen Quitte und Kurkuma herausgebracht haben“.
Dass die Kunden eine Idee liefern, ist gar nicht mal so selten. „Was die sich wünschen, ist für uns schon wichtig“, so seine Frau. Im Winter, wenn die Eisdiele geschlossen ist, ist Zeit, neue Ideen auszuprobieren, zu experimentieren und auch, um kleine lokale Produzenten zu besuchen und neue Ware zu bestellen.
So entstehen Eissorten wie dunkle Schokolade mit Erdbeere und Pfeffer oder auch „Omas Apfelkuchen“. 40 bis 50 Eissorten zusätzlich zu den 24 regulären Sorten kommen jedes Jahr aufs Neue dazu. Immer mal wieder wird durchgewechselt. Auch seltene Sorten, wie beispielsweise Kürbis- oder Spargeleis kommen ins Sortiment– zumindest zeitweise.
Essen als Inspiration für die Eisdiele La Dolce Vita
Die Inspiration holen sich die Beiden auch auf Reisen und beim Essen. Während Di Stasio vor allem Süßes probiert und gerne mal das eine oder andere Kuchenrezept in Eis verwandelt, schlägt das Herz seiner Frau für herbere Sorten. „Ich würde schon gerne mal ein Meerretticheis machen.“ Selbst beim Gulasch denkt sie ans Eis. „Das ist einfach unsere Leidenschaft“, sagen die Beiden.
Diese Leidenschaft will das Dolce-Vita-Paar auch anderen näher bringen. Gerade wird direkt in der Nachbarschaft ein ehemaliges Optikergeschäft umgebaut. Im neuen Eislabor und der Eisakademie könnten sich künftig Eismeister aus ganz Europa fortbilden oder auch Kinder ihr eigenes Eis herstellen.
Eis ist nicht nur Geschmackssache
Die Besten der Besten:Beim Gelato Festival World Masters treten Eismacher aus allen Ländern gegeneinander an. Alle vier Jahre wird dann der Weltmeister gekürt. Im kommenden Jahr ist Deutschlandfinale in Berlin auf dem Alexanderplatz. 2025 geht es dann weiter mit der Europäischen Meisterschaft, die dann wiederum in die Weltmeisterschaft mündet.
Top Ten:Derzeit (2022) sind unter den besten zehn Eismachern weltweit Vertreter aus Italien, Spanien und aus den USA. Der amtierende Zweite stammt nicht aus einer klassischen Eisnation: Der Ungar Adam Fazekas überzeugte aber mit seiner Kreation.
