Keine Idee für ehemalige Metzgerei Kain am Regensburger Fischmarkt

Am Freitag ist es genau ein Jahr her, dass in der Metzgerei Kain am Fischmarkt die letzte Leberkässemmel verkauft wurde. Was ist seither passiert?
Am 31. März 2022 hat der Familienbetrieb für immer geschlossen.Wer heute durchs Fenster in den Laden schaut, gewinnt den Eindruck, dass jederzeit wieder aufgesperrt werden könnte. Die Kühltheke steht noch genauso da immer, links vom Eingang erkennt man nach wie vor die Warmhaltevitrine für die heißen Brotzeit-Schmankerl.
Neuer Besitzer nach Todesfall
Ist also ein ganzes Jahr lang nichts passiert? Doch. Ende September ist Seniorchef Herbert Kain kurz vor seinem 82. Geburtstag gestorben. Sein Geschäft, das laut der Traueranzeige in der MZ sein Leben war, hat er damit nur um ein halbes Jahr überlebt. Wenig später haben dann der Laden und mit ihm das gesamte Haus den Besitzer gewechselt. Mittlerweile bietet die Regensburger Agentur Orange-Immobilien die Gewerbeflächen zum Mieten an.
Die einstige Metzgerei ist als „Gastro-Fläche in Top-Lage“ ausgeschrieben, und zwar in zwei unterschiedlichen Versionen: Der frühere Verkaufsbereich mit der rechts daneben liegenden Küche und einem dahinter angeordneten Kühlraum misst insgesamt 54 Quadratmeter und ist für eine monatliche Kaltmiete von 2990 Euro zu haben. Der Anbau mit zweitem Kühlraum, großem Lager und Kellern erweitert das Objekt auf 196 Quadratmeter und kostet knapp 4000 Euro kalt im Monat.
„Die bisherige Nutzung mit Gewerbe unten und Wohnen drüber soll auf jeden Fall beibehalten werden“, sagt Benedikt Kalin, Inhaber von Orange Immobilien. Mehr über die Immobilie weiß sein Geschäftspartner Michael Krebs. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Danubia Grundbesitz Gruppe, der das gesamte Haus auch gehört.
„Nur ein paar Schönheitsreparaturen nötig“
Im bayerischen Denkmalatlas ist das Gebäude Fischmarkt 9 als „viergeschossiger und giebelständiger Satteldachbau, hochgotisch, letztes Drittel 13. Jahrhundert“ beschrieben – ein wunderbarer Besitz mitten in der Altstadt, möchte man meinen. Allerdings weiß Krebs noch nicht so recht, was damit anzufangen ist.
Am wenigsten Kopfzerbrechen bereitet ihm noch die Wohnfläche, die sich über alle Stockwerke auf etwa 450 Quadratmeter summiert. „Das ist keine Bruchbude, denn bis vor Kurzem war das Haus ja bewohnt. Daher sind nur ein paar Schönheitsreparaturen nötig“, berichtet der Unternehmer. Da keine große Sanierung ansteht, will er auch keine Neuaufteilung in möglichst viele kleine Wohnungen vornehmen. „Das ist im Prinzip ein Einfamilienhaus, als Studenten-WG wäre es bestens geeignet.“
Doch wie gesagt: Was die genaue künftige Gestaltung über dem Laden angeht, ist Krebs ganz entspannt. „Wohnen geht immer“, stellt er fest. Bei der gewerblichen Nutzung sieht es ganz anders aus. „Man könnte hier sogar wieder produzieren. Die Räumlichkeiten geben das her, außerdem war es früher in der Altstadt gang und gäbe, dass in ihr auch Handwerksbetriebe ihren Sitz haben. Doch dem steht einer immer größere Bürokratie entgegen“, nennt Krebs einen Faktor, der auch die Familie Kain entnervt hatte.
Dönerbude wäre einfach
So ist der neue Eigentümer weiter auf der Suche nach einer zündenden Idee für das prächtige Altstadthaus mit seinem handwerklich zu nutzenden Anbau. „Es ist natürlich was wert – auf der anderen Seite aber auch nicht, weil: Was tut man damit?“ Er könnte es sich leicht machen und einfach an einen Dönerbuden-Betreiber vermieten. Doch noch hofft Krebs auf eine raffiniertere Nachnutzung der Metzgerei. Die Kühltheke stünde jedenfalls weiter dafür bereit.