So will der Landkreis Cham die Medizinerversorgung auf dem Land sichern

Der Beruf des Hausarztes wird oft als „langweilig“ abgestempelt. Wenn es dann auch noch um die Tätigkeit als Landarzt geht, sinkt die Begeisterung weiter. Damit sich daraus im Landkreis Cham kein Ärztemangel entwickelt, wurde eine „Kümmerer-Stelle“ geschaffen, die vor allem angehenden Medizinern die Arbeit auf dem Land schmackhaft machen soll. Ganz nach der Devise: zukünftige Ärzte – aus dem Landkreis, für den Landkreis.
Um dem Medizinermangel langfristig vorzubeugen, hat der Landkreis im Oktober 2020 eineKoordinierungsstelle für Ärzteversorgungeingerichtet. Diese läuft laut der Pressestelle des Chamer Landratsamtes im Rahmen der Gesundheitsregion plus.
Wohnortnahe medizinische Versorgung nachhaltig unterstützen
„Wir stellen uns mit diesem einmaligen Angebot aktiv der Herausforderung, die wohnortnahe medizinische Versorgung unseres Landkreises nachhaltig zu unterstützen und zu deren Weiterentwicklung beizutragen“, sagt Landrat Franz Löffler.
Dabei stehe Eva Liedtke, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus, als Ansprechpartnerin für Schüler, Studenten, junge und berufserfahrene Ärzte, aber auch für Kommunen, medizinische Einrichtungen sowie Bürger zur Verfügung.
Diverse Fragen werden beantwortet
Beispielsweise gebe Liedtke Antworten auf Fragen zur Bewerbung für ein Medizinstudium: Wie läuft die Bewerbung überhaupt ab? Welche Formulare muss ich beifügen? Genügt eine Kopie davon oder muss es das Original sein? Welche Praktika kann ich mir anrechnen lassen? Zudem zeige Liedtke auf, welche finanzielle Unterstützung es für Schüler beziehungsweise Studenten gebe.
„Die Koordinierungsstelle ist angedacht, um einen Ansprechpartner auf Landkreisebene zu schaffen, der persönliche Begleitung anbietet und das Gefühl gibt, dass sich gekümmert wird. Wir nehmen uns jeden individuellen Problems an“, sagt Liedtke.
Die Kümmerer-Stelle schaffe unter anderem Kontakt zu medizinischen Einrichtungen, um die Informationswege einfacher zu gestalten.
Zum einen sollen Schüler die Medizin studieren möchten erreicht werden
Wie die Pressestelle des Landratsamtes mitteilt, wurde im Voraus festgestellt, welche Zielgruppen für die Unterstützung der ärztlichen Versorgung relevant sind. Zum einen seien dies Schüler, die Medizin studieren möchten. Die Koordinierungsstelle Ärzteversorgung unterstütze hierbei mit Informationsveranstaltungen, bei der die Anforderungen und der Bewerbungsprozess für ein Medizinstudium einfach und transparent erklärt werden.
„Im Nachgang organisieren wir Vorbereitungsgruppen für den Medizinertest, geben individuelle Beratung und vermitteln Schnupperpraktika“, gibt die Pressestelle des Landratsamtes weiter Auskunft.
Ein Vorbereitungskurs für den Medizinertest läuft nach Aussage von Liedtke seit dem 20.März immer montags für vier Wochen. Am 15. April gebe es dann die Möglichkeit, einen Probe-Medizinertest unter Realbedingungen durchzuführen.
Zum anderen sind Medizinstudierende eine weitere relevante Gruppe, „die auf den Landkreis Cham als Wirkungs- und Lebensraum aufmerksam gemacht und an ihn gebunden werden soll“, so das Landratsamt. Erreichen wolle man dies durchInitiativen wie „LandArztMacher“, die unter anderem von Facharzt Wolfgang Blank aus Kirchberg im Wald (Landkreis Regen) ins Leben gerufen wurde. Ziel sei es, durch ein Praktikum bei Ärzten vor Ort einen Einblick in die Attraktivität der Region und in die Komplexität des Landarztberufes zu erhalten. Die teilnehmenden Studenten werden dabei auf Praxen in Orten rund um den Arber und darüber hinaus aufgeteilt, beispielsweise Arrach, Furth im Wald, Waldmünchen, Viechtach, Regen oder Cham.
„Hausärzte auf dem Land sind gezwungen, alles zu machen“, sagt Facharzt Wolfgang Vogl, der in Arrach eine Praxis für Allgemeinmedizin betreibt. Grund dafür sei, dass man beispielsweise in ländlichen Regionen häufig längere Strecken bis zum nächsten Krankenhaus oder Facharzt zurücklegen muss, weswegen Patienten erst einmal den nahe gelegenen Hausarzt aufsuchen.
Durch das umfangreiche Aufgabenspektrum der Landärzte bekämen Studenten im Praktikum einen breiteren Einblickin die Behandlungsmethoden, wie das Entfernen kleinerer Hauttumore oder die Wundversorgung.
Allgäu gewinnt gegen das Arberland
16 Studenten aus ganz Deutschland habe Vogl bereits seit 2016 in seiner Praxis gelehrt. Aktuell erhält er Unterstützung von Svenja Steinhauser. Die Allgäuerin ist 22Jahre alt und im siebten Semester ihres Medizinstudiums. „Die Leute hier sind total offen und entspannt. Sie wollen, dass du sie behandelst und nicht weiterschickst“, sagt Steinhauser. Wolfgang Vogl ist voll des Lobes: „Svenja macht ihre Arbeit sehr gut, zum Beispiel das Blutabnehmen und Impfen.“ Doch in die Arberland-Region werde es die angehende Medizinerin nach dem Studium dennoch nicht verschlagen. „Auf dem Land zu arbeiten kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Auch hier gefällt es mir super gut, aber ich glaube, ich hänge zu sehr am Allgäu“, sagt sie.
Neue Kapazitäten schaffen
Die dritte relevante Zielgruppe bilden laut Landratsamt bereits tätige Ärzte, Kommunen und Einrichtungen, die einen Nachfolger suchen, eine Tätigkeit aufnehmen möchten oder neue Kapazitäten schaffen wollen. Beispielsweise habe man durch das Projekt „Kuno-Land“ eine Unterstützung der pädiatrischen Versorgung (Kinderheilkunde) vor Ort schaffen können – und zwar an den Standorten Waldmünchen und Furth im Wald durch das Zusammenwirken der Klinik St. Hedwig mit Hausärzten und der Kommunalpolitik.
Darüber hinaus sei unter anderem mit Ärzten vor Ort ein Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin gegründet worden, der dabei helfe, die Organisation der Facharztausbildung zu erleichtern.