Im Regensburger Planungsreferat übernimmt ein Neuer

Die amtierende Regensburger Planungsreferentin Christine Schimpfermann tritt nach 18 Jahren ab. Der Stadtrat wählte am Dienstagabend ihren Nachfolger.
235,7 Millionen Euro sind im Regensburger Investitionsprogramm 2022 bis 2026 allein für das Planungs- und Baureferat vorgesehen. Christine Schimpfermann wird den Großteil dieses Geldes nicht mehr ausgeben: Sie tritt nach Ende ihrer Amtszeit im Herbst nach 18 Jahren als städtische Spitzenbeamtin ab. Zu ihrem Nachfolger wählte der Stadtrat am Dienstag Florian Plajer, derzeit Chef des Freisinger Hoch- und Tiefbauamts.
Für den 44-Jährigen ist es ein steiler Aufstieg. Zwar habe der Landkreis Freising ähnlich viele Einwohner wie Regensburg, sagte er nach der Wahl. In Regensburg haben 157000 Menschen ihren Hauptwohnsitz. Allerdings wird Plajer künftig für mehr als viermal so viele Mitarbeiter zuständig sein wie bisher, circa 750 statt rund 170; das Planungsreferat ist nach dem Bildungsreferat das zweitgrößte Referat der Stadt.
Plajer sagte: „Das Aufgabenspektrum ist natürlich sehr viel größer. Die Mitarbeiterzahl ist sehr viel größer. Und die Herausforderung ist auch größer.“ Das liege insbesondere an der herausragenden Altstadt mit dem Weltkulturerbe und der stark wachsenden Region. Zentrale Themen seien Mobilität, Wohnraum und die Frage, wie Regensburg „leistbar bleibt und noch lebenswerter wird“.
Beworben habe er sich, „weil es eine tolle Gelegenheit ist, in Regensburg mitzugestalten“. Er kennt die Stadt auch von einem Lehrauftrag der Ostbayerischen Technischen Hochschule zum Thema Nachhaltigkeit im Bauen und Praxis im öffentlichen Dienst. Aus seiner Sicht sind die entscheidenden Fragen bei öffentlichen Bauprojekten: „Ist es notwendig? Ist es sinnvoll? Ist es leistbar? Und ist es auch gut?“
Koalition war für Ausschreibung
Die Koalition hatte sich darauf geeinigt,Schimpfermanns Stelle auszuschreiben, um „neue Impulse“ nach Regensburg zu holen, so hatten sich Vertreter von CSU und SPD geäußert.
Drei Kandidaten hatten sich in der nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrats präsentiert. Schimpfermann (60) hatte zwar vor der Ausschreibung erklärt, sich wieder bewerben zu wollen, war aber in der letzten Runde dem Vernehmen nach nicht mehr dabei. Angetreten waren neben Plajer der Landshuter Baureferent Johannes Doll und der Weidener Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel. Schon beim ersten Urnengang lag Plajer mit 19 von 42 abgegebenen Stimmen – davon 41 gültigen – vorn. Doll erhielt 15 Stimmen, Seidel eine. Auf Schimpfermann entfielen sechs Stimmen, was daran lag, dass die Stadträte jede Person, die die beamtenrechtlichen Voraussetzungen für das Amt erfüllt, auf den Zettel schreiben dürfen. Die amtierende Referentin äußerte sich am Abend nicht zur Wahl. Die Stichwahl gewann Plajer mit 30 Stimmen, Doll bekam zehn.
Schimpfermanns Amtszeit war geprägt von dem starken Wachstum der Region. Allein die Stadt gewann circa 30.000 Einwohner. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sagt: „Die Planungs- und Baureferentin musste den Ausgleich zwischen den verschiedenen Bedürfnissen einer Stadt schaffen, die jährlich einen starken Zuzug erlebte.“ Der Nutzungsdruck sei enorm hoch: Wohnen und Grün, Verkehr, Gewerbe und Industrie brauchen Platz. „Regensburg hat sich in den letzten 18 Jahren ausgesprochen gut entwickelt“, so das Fazit der Oberbürgermeisterin.
Schimpfermanns Bilanz: 18.500 neue Wohnungen in Regensburg
Schimpfermann selbst betont: Für Wohnen, Gewerbe, Schulen und Kitas seien überwiegend Flächen im Innenbereich aktiviert worden. „Um die Lebensqualität auf Dauer zu sicherzustellen“, habe sie parallel Naherholungs- und Grünstrukturen gesichert. 18.500 Wohnungen wurden in ihrer Amtszeit fertiggestellt.
Vertreter der Koalition zeigten sich nach der Wahl zufrieden. SPD-Fraktionschef Thomas Burger sagte: „Mir hat es sehr gut gefallen, dass er eine klare Kommunikation hat und klare Vorstellungen, was Umwelt, Mobilität und Nachhaltigkeit betrifft.“ CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein befand: „Das Ergebnis passt.“ Beide Favoriten seien in der Fraktion gut angekommen, letztlich sei es um „Nuancen“ gegangen.
Das Referat
Auf dem Papier:Das Planungs- und Baureferat hat mit knapp einem Drittel den größten Anteil am Volumen des 717,5-Millionen-Euro-Investitionsprogramms.
Praktisch:Tatsächlich hat das Referat mehr als die Hälfte des Pakets umzusetzen, da es auch für Baumaßnahmen von anderen Referaten zuständig ist.