Verkehrswende oder Ärgernis? Meinungen über E-Scooter in Schwandorf gehen auseinander

Von Franziska Mahler · 25. März 2023 um 05:00

Ist Schwandorf einen Schritt weiter in Sachen Verkehrswende? Seit Freitag stehen in der Stadt vereinzelt E-Scooter eines Mietanbieters am Straßenrand. Schon die Ankündigung des Projekts schlug auf Facebook Wellen. Auch die Meinungen der Passanten gehen auseinander.

Die knall-orangen Gefährte stechen ins Auge. Insgesamt 80Stück hat das irischen Start-up Zeus aufstellen lassen. „Ziel ist, eine Mobilitätsalternative zu schaffen“, sagt Jens Altmann, Geschäftsführer Zeus Deutschland. Indem die Bürger ihr Auto einfach mal stehen lassen und stattdessen zum E-Roller greifen, solle die CO2-Bilanz verbessert werden. Schwerpunkt des Anbieters seien mittelgroße bis kleine Städte. Hier knüpfe man dort an, wo der ÖPNV nicht ausreichend fährt, so Altmann.

Auch in anderen bayerischen Städte ist das Unternehmen präsent, wie etwa in Regensburg oder Straubing. Die Firma sei im vergangenen Jahr auf die Stadt Schwandorf zugegangen. Nach Gesprächen habe man beschlossen, das Pilotprojekt umzusetzen. Seit Freitag befinde man sich in einer Art „Testphase“, die sechs Monate dauern soll. Danach entscheide sich, wie es weitergeht, so Altmann.

Ein Verkehrschaos wird verhindert

Und so funktioniert’s: Die Scooter lassen sich über die Zeus-Deutschland-App bedienen. Die Besonderheit in Schwandorf: Für den Innenstadt-Bereich gibt es laut Altmann zehn festgesetzte Parkzonen. Dies sei in Absprache mit der Stadt entschieden worden.Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) betonte im Vorfeld, dass so ein Verkehrschaos vermieden werden soll.

Außerhalb der Innenstadt können die Scooter laut Altmann unter Beachtung der üblichen Regeln geparkt werden: Zum Beispiel solle kein Verkehr blockiert und Zugänge freigehalten werden. Nach dem Parkvorgang fordert die App den Nutzer auf, ein Foto zu machen. Damit ließen sich beispielsweise Parksünden nachverfolgen und das entsprechende Knöllchen erhalte dann der Fahrer, erklärt Altmann weiter.

Die Unfallgefahr wird als maßgebliches Problem genannt

Doch wie überzeugt sind die Schwandorfer von dem Pilotprojekt? Nach der Ankündigung in unserer Zeitung zeigten sich nicht alle Facebook-Nutzer begeistert. Auch Passanten in der Stadt sind zwiegespalten. „Braucht man so etwas in einer kleinen Stadt wie Schwandorf?“, fragt sich etwa der 63-jährige Peter Hammer. „Ich käme hier nie auf die Idee, E-Scooter zu fahren“, ergänzt seine Frau Silke (53). Das maßgebliche Problem für Hammer sei die Unfallgefahr. Dem schließt sich eine 26-jährige Passantin an. Auch sie ist kein Fan der Roller. „Man kann sie im Verkehr schlecht einschätzen.“

Auf Facebook kritisiert eine Nutzerin die festgesetzten Parkzonen in der Innenstadt: „Dann ist so ein Mietservice nur zur Freizeitbelustigung da und nicht, um von A nach B zu kommen.“ Die Spontanität gehe verloren. Der Zeus Deutschland Geschäftsführer kann die Skepsis einiger Schwandorfer nachvollziehen. Er betont aber, dass das Projekt in fast 40 Städten mit ähnlicher Größe funktioniere. Die Parkzonen seien in der Innenstadt nicht weit voneinander entfernt, sagt Altmann.

In Schwandorf freut man sich auch über die Roller

Doch es gibt auch Befürworter der neuen E-Roller. Martina Haubitz (27) besucht die Döpfer Schulen in Schwandorf und pendelt mit dem Zug. Für sie lohnt sich eine Fahrt mit dem E-Scooter zwar nicht, dennoch findet sie die Aktion gut. Auch im Schwandorfer Stadtmarketingverein ist man begeistert von den Rollern.

Der Vorsitzende Stefan Theuerlfindet das Projekt „grandios“. Seiner Meinung nach zeigten die Roller, „dass Schwandorf mit der Zeit geht“. Die „innovative Idee“ würde die Bürger einladen, „neu zu denken“. „Ich bin gespannt, welche Altersstruktur auf den Rollern zu sehen sein wird“, sagt der 50-Jährige. Er glaubt auch, dass die E-Roller so manchen Touristen, der beispielsweise mit seinem Wohnmobil auf dem Volksfestplatz parkt, zu einer spaßigen Tour inspirieren könnten.

Das Projekt steht noch am Anfang

„Die E-Scooter gehören jetzt zum Stadtbild“, betont Theuerl. Wenn ein Roller wirklich Mal im Weg stehe, könne man zusammenhelfen und ihn vielleicht zwei Meter weiter wegstellen. Sowohl Theuerl als auch Altmann betonen außerdem, dass das Projekt erst am Anfang stehe. Dementsprechend könne es sich noch weiterentwickeln. Bei Bedarf könnten zum Beispiel Parkzonen hinzukommen.

Der Blick nach Regensburg zeigt: In der Großstadt haben sich die Roller zwar weitestgehend etabliert,dennoch sorgen sie oft für Probleme. Neben blockierten Gehwegen, auf die jetzt ebenfalls mit einem Konzept für definierte Abstellflächen reagiert werden soll, habe die Polizei mit betrunkenen E-Scooter-Fahrern zu kämpfen.

Schwandorfer Polizei sieht kein Problem

Wie schätzt die Schwandorfer Polizei die Lage ein? „Wir sehen grundsätzlich kein Problem“, sagt der Interimschef der Dienststelle, Polizeihauptkommissar Franz-Xaver Michl. Kontrolliert würden die Fahrer eh schon, denn auch privat seien einige Bürger mit einem E-Scooter unterwegs. Polizeichef Michl weist abschließend auf die Promillegrenze von 0,5 hin, die auch für Autofahrer gilt. Auch das Tragen eines Helmes empfiehlt er.

Das sind die Regeln für die Nutzung

Starten:Nach der Registrierung mit der Zeus-Deutschland-App muss der QR-Code auf dem Roller gescannt werden.

Beenden:Der Roller muss laut dem Betreiber in der richtigen Zone abgestellt werden. Danach könne der Vorgang via App beendet werden. Abschließend fordert das Programm auf, ein Foto vom Roller zu machen.

Parken:Es muss in einer ordentlichen Position geparkt werden und genug Platz für Fußgänger etc. gelassen werden. Verkehr, Zugänge und Privatgrundstücke dürfen auf keinen Fall blockiert werden.

Fahren:Es darf nur auf Radwegen oder der Fahrbahn gefahren werden. Der Bürgersteig ist tabu.

Zonen:Die App zeigt verschiedene Zonen. In der hellgrauen darf geparkt und gefahren werden. In der roten (Innenstadt) herrscht Parkverbot. In der lila Zone ist das Parken erwünscht. Beim Beenden einer Fahrt in einer lila Zone erhält man zehn Prozent Rabatt auf die Fahrt. In den schwarzen Zonen gilt laut Altmann Schrittgeschwindigkeit.

Kosten:Die Grundgebühr beträgt einen Euro. Maximal 0,28Euro werden pro Fahrminute verlangt, die Preise variieren aber. Teilweise gibt es beispielsweise günstigere Stundentarife. Die genauen Kosten sind in der App zu finden.

Wer mit den neuen Rollern fahren will, braucht ein Smartphone -Foto: Franziska Mahler