Anleger professionell abgezockt: Kurzer Prozess für Mega-Betrug?

In Regensburg stehen mutmaßliche Cyber-Kriminelle vor Gericht – es geht um 77 Millionen Euro, um die arglose Anleger betrogen worden sein sollen. Die drei Angeklagten sollen die führende Köpfe einer internationalen Bande gewesen sein.
Es geht ummehr als 76,5 Millionen Euro, riskante Wetten auf Aktienkurse und Investments, die es nie gab: Drei Männer sollen Anleger auf der ganzen Welt um ihr Geld gebracht haben – darunter auch eine Regensburgerin, die mehr als eine Viertelmillion Euro verlor. Ab Montag stehen die mutmaßlichen Betrüger in Regensburg vor Gericht. Statt eines Mammut-Prozesses plant die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts mit drei Verhandlungstagen. Vieles deutet auf einen Deal hin.
Cybertrading: Kein einziger Cent des Geldes wurde investiert
Die drei Angeklagten sollen die Köpfe einer weltweit agierenden Bande von Cyber-Kriminellen sein. Tausende Anleger sollen sie seit 2015 online abgezockt haben. Dafür wurden Callcenter in Israel sowie Georgien, in der Republik Moldau und in Armenien gegründet. Das teilte die Bamberger Generalstaatsanwaltschaft mit. Daneben wurden Kundenplattformen wie „GetFinancial“, „MyCoinBanking“, „ProCapitalMarkets“ oder „ProfitTrade“ programmiert – was Kunden jedoch hier zu sehen bekamen, war alles gefälscht. Denn kein Cent der Geschädigten wurde tatsächlich investiert.
In Regensburg stehen ab Montag einer der beiden Gründer, der Technische Direktor sowie der Vertriebschef vor Gericht. So fasst es die fast 50-seitige Anklageschrift zusammen. Den 35, 35 und 62 Jahre alten Männern wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug in acht Fällen vorgeworfen. Auf mindestens 76,5 Millionen Euro wird der Schaden beziffert, der mit sogenanntem Cybertrading erbeutet worden sein soll. In der Oberpfalz, in Niederbayern und Oberbayern gibt es viele Opfer. Sie allein verloren weit mehr als fünf Millionen Euro der Gesamtsumme.
Wie MZ-Recherchen zeigen, brachten die Cyber-Kriminellen eine Frau aus Regensburg in weniger als einem Jahr um fast 275.000 Euro. Ein Geschädigter aus dem Landkreis Regen investierte 2019 innerhalb von 22 Tagen knapp 183.000 Euro. Beide verloren alles. Die Dunkelziffer dürfte laut Ermittlern gigantisch sein: Nicht wenige Opfer glaubten irrtümlich, dass ihr Geld wegen des hohen Verlustrisikos verloren sei.
Nur ein Regensburger Ermittler soll bislang aussagen
Als Zeugen sind bislang keines der namentlich bekannten Opfer vorgeladen. Nur ein Ermittler soll im Prozess vor der Regensburger Wirtschaftsstrafkammer aussagen. Das bestätigte die Landgerichtssprecherin Ruth Koller. Drei Prozesstage seien geplant. Aber kann ein Verfahren um internationale Finanzkriminalität in so kurzer Zeit aufgearbeitet werden? „Das muss der Prozessauftakt am Montag zeigen.“ Tatsächlich könnte die optimistische Planung des Gerichts nicht unbegründet sein: Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass die Verteidiger der Angeklagten Schadenswiedergutmachung angeboten haben. Von einem zweistelligen Millionenbetrag soll die Rede gewesen sein, hieß es.
Oberpfälzer Kriminalpolizei ermittelte im Groß-Verfahren
Ins Netz gingen die mutmaßlichen Köpfe der Bande im Januar und Juni 2022 – also mehr als drei Jahre nach dem Start der Ermittlungen im Oktober 2018. Ins Rollen kam das Ganze nach der Anzeige eines Mannes aus Weiden. Fahnder der Kriminalpolizei mit Zentralaufgaben (KPI-Z) Oberpfalz waren daran maßgeblich beteiligt. Bei einer Großrazzia schlugen sie im Oktober 2021 im georgischen Tiflis und im Raum Tel Aviv (Israel) zeitgleich zu.