Termin in Gefahr: Neue Gutachten bremsen Brückenbau-Pläne in Cham

„Versprochen ist versprochen, und wird auch nicht gebrochen“ – wer Kinder hat, kennt den Spruch. Wobei der Lehrsatz mehr ist – solche Versprechen bilden die Basis des Zusammenlebens. Die Stadt Cham hatte auch ein Versprechen gegeben, doch allem Anschein nach nicht mit dem Bürokratiemonster gerechnet.
Bis Ende dieses Monats sollten die Planungen für die Baumaßnahme Flutbrücke und Kreisverkehr vor der Stadt beendet sein. Das hatten die Chamer dem Regensburger Wasserwirtschaftsamt versprochen – und damit sozusagen erstmals einen Terminpflock eingeschlagen.
Den müssen sie jetzt überspringen und statt festen Zusagen zurückkehren zu neuen vage Vorhersagen, wann die Pläne für die Flutbrücke und den davor liegenden großen, ovalen Kreisverkehr endlich beendet und die nächste Phase bis zum Baurecht eingeleitet werden kann. Die Bürokratie mit neuen Auflagen und Aufgaben habe der Stadt hier ein Schnippchen geschlagen, sagt Bürgermeister Martin Stoiber. Denn am runden Tisch mit dem Landratsamt zu dem Thema sind nun zwei neue Gutachten aufgetaucht, die die Stadt laut Bürgermeister für eine Genehmigung nun noch braucht.
Was jetzt noch fehlt, ist eine Schalltechnische Untersuchung. „Das Gutachten muss berechnen, wie viel Lärm die Baustelle und die Maschinen machen“, erläutert Martin Stoiber. Das sei bereits beim Büro Pressler in Auftrag gegeben. Außerdem braucht es noch eine Schadstoffausbreitungsberechnung, die nun noch angefertigt werden muss. Beides empfindet Stoiber als bürokratische Hürden, die den Bau weiter verzögern, Stoiber schätzt drei oder vier Monate: „Das dauert alles viel zu lang!“ Auch, weil die Ingenieurbüros die Auftragsbücher voll haben und nicht nachkommen und zudem der Fachkräftemangel hier extrem sei.
Umleitung unter Wasser?
Stoiber sieht noch ein weiteres Problem beim Neubau der Flutbrücke, das gerade sichtbar ist. „Die Umleitung kann jedoch überflutet werden“, beschreibt er. Denn um den Verkehr weiter an dem Nadelöhr, dem Zugang zur Stadt, vorbeizuleiten, soll eine neue provisorische Umleitungsstraße gebaut werden.
Die führt den Planungen nach gleich nach der Fleischtorbrücke rechts runter, wo derzeit eine überflutete Grünfläche mit querendem Radweg durchläuft. Von dort soll die Umleitung dann über den Parkplatz Stadellohe bis zur Scheurer-Kreuzung laufen. Der Haken an der Sache, den Stoiber anspricht: Die Umleitung läuft durch die Mulde neben der alten Flutbrücke. Und die darf nicht aufgeschüttet, also erhöht werden, um einem steigenden Wasserpegel des Regens zu entkommen. Dass es hier über die gesamte Bauzeit trocken bleibt, ist aber eher unwahrscheinlich.
Doch eine Aufschüttung der Mulde wäre praktisch eine Art Damm, durch den bei Hochwasser eine Barriere entsteht. Und das darf nicht sein, da dadurch bei Hochwasserereignissen untere Anlieger geschädigt werden könnten. Daher sei eine Aufschüttung nicht möglich. Doch was, wenn die Flut die Straße unter Wasser setzt? Antworten gibt es da noch nicht, Alternativen sind schwierig. Vor dem Hintergrund hofft er auf einen Baustart frühestens im Frühjahr 2025.
Der März war bindend
Dabei scharren die Planer im Wasserwirtschaftsamt bereits seit längerem mit den Hufen. Denn sie wollen weiterkommen mit dem Hochwasserschutz für die Stadt, speziell für den Ortsteil Stadellohe. Der hängt direkt mit dem Neubau der Flutbrücke und der Straßenbaumaßnahme zusammen.
Erst wenn die fertig geplant sind, kann es auch mit dem Hochwasserschutz weitergehen, erläuterte der Projektplaner des Wasserwirtschaftsamtes, Christoph Volderauer, im Januar dieses Jahres. Lange gab es keine Vorhersage der Stadt, wann das Projekt alle Planungshürden genommen hat, daher war der feste Termin Ende März für die Wasserwirtschaftler eine freudige Überraschung. Der folgt nun die Ernüchterung und die Rückkehr zu wagen Prophezeiungen zum Fortgang.
Ende März wollte die Stadt die Planungen für den Neubau Flutbrücke und des ovalen Kreisverkehrs davor beim Landratsamt zur Genehmigung einreichen – ohne weitere Nachbesserungen daran vornehmen zu müssen. Erst wenn von dort grünes Licht für das städtische Bauvorhaben komme, könne sein Amt weitermachen, erläuterte Volderauer.
Die Flutbrücke müsse erst genehmigt sein, wobei hier eine reine Plangenehmigung laut Landratsamt reiche. „Aber das dauert wohl noch...“, sagte Volderauer im Januar, ohne zu ahnen, dass er damit mehr als recht hat. Dabei hatte er auch betont: „Der März ist für uns jedoch bindend!“ Da muss er jetzt wohl umplanen.
