Areal neben Toom in Burglengenfeld: Alles steht wieder auf Null

Von Thomas Rieke · 22. März 2023 um 19:00

Die Pläne von Herbert Küblböck, im neuesten Teil des Naabtalcenters einen Vollsortimenter anzusiedeln, haben unter ansässigen Lebensmittelhändlern mächtig für Unruhe gesorgt. Ein weiterer Markt sei für die Stadt des Guten zu viel, meinen sie. Nun scheint das Thema vom Tisch zu sein – aber nur vorerst.

Mit dem Vorhaben sollte eine weitere Änderung des Bebauungsplans für das Gewerbe-, Misch- und Sondergebiet an der Umgehungsstraße einhergehen. Ziel ist eine Erhöhung der Grundflächenzahl (GRZ), welche vorgibt, wie viel vom zur Verfügung stehenden Grund mit Gebäuden bebaut werden darf. Bisher, so heißt es, sei die GFZ wegen der umfangreichen, zu 100 Prozent angerechneten Asphaltierungen verzerrt gewesen. Ferner sind eine genauere Definition der Verkehrsflächen und die Zusammenlegung bestimmter Teilareale beabsichtigt.

Dem Bau- und Umweltausschuss lag der entsprechende Beschlussvorschlag kürzlich zur Abstimmung vor. Doch das Gremium lehnte mit 6:7 ab,obwohl Investor Küblböck vorher angekündigt hatte, auf die für den Lebensmittelmarkt beabsichtigte Erhöhung der Verkaufsfläche von 1850 auf 2150 Quadratmeter zu verzichten.

Die Stadtverwaltung will nun vermitteln

„Es gibt nun zwar keinen Billigungsbeschluss. Aber das bedeutet noch kein Aus für das Projekt, ganz im Gegenteil“, heißt es dazu aus der Verwaltung. „Wir werden nun mit dem Investor sprechen und ausloten, ob er eine geänderte Planung vorlegen möchte.“ Alternativ würde auch ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats initiiert, um zu sehen, was von deren Seite die kritischen Punkte sind, „um dann einen gemeinsamen Weg zu finden“.

Küblböck, der vor knapp 30 Jahren den Grundstein für das NAC gelegt hatte, zeigte sich überrascht über die Ablehnung im Ausschuss. Ansonsten wollte er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

In der erwähnten Sitzung hatte der Leiter der Bauverwaltung, Gerhard Schneeberger, über die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zur beabsichtigten Planänderung informiert. Die Regierung der Oberpfalz hat demnach erklärt, die Ansiedlung von Einzelhandelsgroßprojekten sei im NAC durchaus denkbar, denn die Kommunen des Städtedreiecks bildeten ja ein Mittelzentrum, und der Standort sei auch überörtlich gut erreichbar.

Regierung hält vieles für noch verträglich

Für einen Lebensmittelvollsortimenter, so die Regierung weiter, betrage die raumverträgliche Verkaufsflächenobergrenze 2460 Quadratmeter – Küblböcks Pläne lägen also noch deutlich darunter.

Aufgrund der Anordnung der Gebäude und ihrer Erschließungen sieht die Regierung im älteren NAC einerseits sowie dem neuen Baumarkt und dem geplanten Lebensmittelmarkt andererseits zwei getrennte Einheiten. Es sei kein „funktionaler Zusammenhang“ erkennbar – und damit auch „keine relevante Ballung“.

Der Regionale Planungsverband erinnerte laut Schneeberger daran, dass man bei Ansiedlungsversuchen im NAC unbedingt auch die Auswirkungen auf den Ortskern und die künftige Stadtentwicklung im Blick behalten sollte.

Das ist sehr im Sinne von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU). Er betonte, die Verwaltung habe von sich aus den Projektanten darauf hingewiesen, dass die Vorgaben des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts von 2018 weiter Gültigkeit hätten.

Was die von Küblböck ursprünglich ins Auge gefasste Ausdehnung der Verkaufsfläche für einen Vollsortimenter betrifft, so riet die Verwaltung dazu, damit so lange zu warten,bis die kürzlich angekündigten Umbauten im älteren Teil des Einkaufszentrums (MZ berichtete) abgeschlossen seien.Unabhängig davon sollte das Verfahren für die Änderung des Bebauungsplans zu Ende geführt werden, um die Verbindung zwischen dem Baugebiet Hussitenweg IV und dem Baumarkt-Kreisel als öffentliche Ortsstraße widmen und für den allgemeinen Verkehr freigeben zu können.

SPD-Ausschussmitglied Michael Hitzek (SPD) wollte von Schneeberger wissen, was der Investor denn nun anstelle eines Vollsortimenters zu realisieren beabsichtige. Der Amtsleiter sagte, das Rennen sei wieder „vollkommen offen“. Vielleicht sei Einzelhandel das Ziel, vielleicht habe auch ein „anderes Denken“ eingesetzt, etwa für eine Freizeiteinrichtung.

Sprecher der Wählergemeinschaft wittert Salamitaktik

Gregor Glötzl (BWG) äußerte sich skeptisch und witterte eine Salamitaktik.Für die beabsichtigte Zusammenlegung von einer Teilfläche, die derzeit als Gewerbegebiet gilt, und einer Fläche, welche als Sondergebiet ausgewiesen ist, hält er nichts. Dafür gebe es schlicht „keine Notwendigkeit“.

Die Bauaufsicht des Landratsamts hat ferner darauf hingewiesen, dass der Flächennutzungsplan, in dem sich das Plangebiet befindet, schon über 15 Jahre alt ist und deshalb aktualisiert werden sollte. Eher zufällig kam heraus, dass die komplette Überarbeitung einen mittleren sechsstelligen Betrag kosten könnte.