Wegen Rissen in der Mauer: Sorge um den Salzstadel in Regensburg

Stadtführerin Katharina Lenz macht sich Sorgen um den Salzstadel. Er ist eines der Top-Denkmäler der Stadt. Allerdings gibt der Bau zwischen Historischer Wurstkuchl und Steinerner Brücke gerade ein mehr als trauriges Bild ab. An einer Stelle spreizen Risse die Fassade über mehrere Stockwerke so weit auf, dass sogar die Ziegelsteine unter dem Putz zu sehen sind.
Das erste Mal hat Lenz die klaffenden Stellen vor einigen Tagen gesehen, als sie mit einer Gruppe an der Stelle unterwegs war. Als Historikerin ist sie sensibilisiert für solche Veränderungen an Denkmälern. Lenz sah sich die Sache genauer an und entdeckte, dass sich auch im Inneren des Gebäudes an einem Fenster so ein Riss ausgebildet hat.
Der Grund für ihre Besorgnis: „Es gab schon einmal Probleme mit den Fundamenten nach dem Bau des Salzstadels.“ Falls sie der Grund für die Risse sein sollten, werde das eine Baustelle erforderlich machen, vermutet Lenz. „Und das wird dann keine kleine sein. Hoffentlich ist das Geld da“, konkretisiert sie dieses Szenario.
Woher kommen die Risse?
Vielleicht könnte das auch mit dem Klimawandel zusammenhängen, überlegt die Stadtführerin und fragt sich, ob Hitze und Trockenheit der Fassade zugesetzt haben könnten. Eine ähnliche Vermutung habe es ja vor einigen Jahren auch bei derDreieinigkeitskirchegegeben, als dort ein Stück Putz von der Decke herunterfiel, was langwierige Arbeiten nach sich zog.
„Immerhin wird das schon beobachtet“, sagt Lenz. An dem Riss im Haus entdeckte sie nämlich einen so genannten Rissmonitor. Dabei handelt es sich um eine transparente Plastikplakette mit einer Skala darauf, mit der nachvollzogen werden kann, inwiefern sich Spalten im Mauerwerk verändern. Deswegen geht sie davon aus, dass sich die Denkmalpflege um die Sache kümmert. Sie hofft, dass es nichts Dramatisches wird.
Denn der Wert des zwischen 1616 und 1620 gebauten und zuletzt zwischen 1988 und 1991 sanierten Hauses liege in dem Tragwerk, das drei Stockwerke und fünf Dachgeschosse stützt. Neben der Bausubstanz punkte es aber auch mit seiner prominenten Lage: Der Salzstadel ist fester Bestandteil derSchauseite der Stadtmit Bruckmandl, Donau, Steinerner Brücke, Brückturm undDom. In ihm sind neben der Schenke der Wurstkuchl etwa auch das Welterbe-Besucherzentrum und zur Steinernen Brücke hin einige Lädchen untergebracht. „Das ist mitten auf der Touristenachse“, verdeutlicht Lenz.
Was also hat es mit diesen Rissen auf sich? Droht der Salzstadel vielleicht sogar einzubrechen? Oder sind seine Besucher in Gefahr? Kathrin Butz von der städtischen Pressestelle gibt diesbezüglich Entwarnung. „Der Salzstadel kann in allen Bereichen uneingeschränkt genutzt werden“, sagt sie. Die Rissbildung sei bekannt und werde seit 2020 durch ein Monitoring beobachtet. Der Grund warum die Spalten am Haus nun derart auffallen: „Die Risse wurden freigelegt und lose Putzteile entfernt, so dass keine Gefahr im Fassadenbereich besteht“, erklärt Butz. Immerhin sitzen dort die Gäste der Wurstkuchl.
Ursachensuche läuft
Was genau es mit den Spalten auf sich hat, ist aber noch nicht klar. Auch nicht, ob die Fundamente nachgeben. Die Ursache werde gerade von einem Ingenieurbüro untersucht. Dabei werde laut Butz auch ein Auge auf den Baugrund geworfen. „Die Risse zeigen ein grundsätzliches Setzungsverhalten des Gebäudes an“, sagt sie. Mit dem Begriff Setzung bezeichnen Experten im Bauwesen die langsame Senkung eines Baukörpers. Allerdings sei eine gewisse Rissbildung ist bei derart massiven alten Gebäuden nicht ungewöhnlich, gibt Butz Auskunft. Etwa bei der Generalsanierung im Jahr 1990 seien sie überarbeitet worden. Auch jetzt sollen sie geschlossen werden. Wie, wann und für wie viel Geld, werden die Untersuchungen der Ingenieure ergeben – ebenso, inwiefern die Fassade saniert werden muss.


