Nach Schlamm-Attacke: Bürgermeister und Angreifer äußern sich - „Es waren Fäkalien“

Am Freitag wurde Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler (54, CSU) mit Schlamm überschüttet. Nun hat sich der Angreifer zu dem Vorfall geäußert. Beim vielzitierten Schlamm handelte es sich demnach um Fäkalien aus der Kläranlage.
Einen mit Schlamm besudelten Bürgermeister in der Amtsstube hat es in der Geschichte von Nabburg wohl auch noch nicht gegeben. Seit Freitag ist das anders und bundesweit landete man damit in den Schlagzeilen. Hinter dem Angriff steckt der Betreiber eines Camps im Stadtgebiet an der Naab. Das bestätigt dieser.
Der 67-Jährige schildert, wie er vorgegangen sein will. Dem Angriff sei ein jahrelanger Streit mit der Stadt um die Weiterbetreibung des Camps vorausgegangen. Das Lager scheint ihm eine Herzensangelegenheit zu sein. „Das ist kein Platz der Randale oder Besäufnisse: 90 Prozent meiner Tätigkeit sind Kinder- und Jugendarbeit“, erklärt der Mann.
Pachtvertrag ist zum 31. März 2023 gekündigt
Doch über dem Camp sind dunkle Wolken aufgezogen. Zum 31. März 2023 hat die Stadt dem Betreiber den Pachtvertrag gekündigt, nach einstimmigem Stadtratsvotum.
Am Freitag erreichte der Konflikt seinen vorzeitigen Höhepunkt. Der Camp-Betreiber erklärt, dass man ihm jetzt schon über Monate das Wasser abgedreht habe. Daher sei er ins Rathaus marschiert. Er wollte von Zeitler wissen, wie es nun weitergehen soll. Und offenbar ahnte er schon, dass ihn dessen Antwort nicht zufrieden stimmen könnte. Jedenfalls hatte er einen Eimer voller Fäkalien dabei. „Eigentlich wollte ich ihm den Dreck nur ins Büro kippen. Dass ich ihn getroffen habe, war ein Versehen“, sagt der 67-Jährige.
Die Kripo ermittelt wegen des Angriffs
Was genau im Amtszimmer passiert ist, wissen nur Zeitler und sein Kontrahent. Die Kripo ist nun mit der Aufklärung des Falls betraut. Die Tür zum Vorzimmer war jedenfalls geschlossen, um eine vertrauliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Der Rathauschef erinnert sich an die Szene: „Er hatte einen sehr aggressiven Blick.“ Der Camp-Betreiber habe ihn aufgefordert, „alles rückgängig zu machen“. Doch darauf ließ sich Zeitler nicht ein. „Und wenn Sie das Camp nicht räumen, dann werde ich es räumen lassen“, will der Bürgermeister gesagt haben.
Dann ging es schnell. Der 67-Jährige öffnete den Deckel des Kübels und schüttete dessen Inhalt laut Zeitler „in einer Kreisbewegung“ quer durchs Büro. Dabei sei auch sein Anzug in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Versehen, wie vom Camp-Betreiber beschrieben, sei das bestimmt nicht gewesen. „Das war vorsätzlich, sonst bringe ich doch erst gar keinen Kübel mit“, so Zeitler.
Kontrahenten halten wenig voneinander
Die Kontrahenten halten offenbar wenig voneinander. „Ich würde den Mann nicht als Bürgermeister bezeichnen. Ich sehe ihn als das, wie er mit mir umgegangen ist und was er gemacht hat. Ich sehe ihn als Lügner, als Nötiger und als Vertragsbrecher“, so der Camp-Betreiber. Nabburgs Bürgermeister entgegnet: „Aus meiner Sicht hat der Mann zwei Gesichter: Er dreht sich das so hin, wie er das braucht.“ Der Camp-Betreiber akzeptiere das Gesetz nicht.
Zeitler unterstützt die Arbeit der Polizei und hat dem Angreifer Hausverbot im Rathaus erteilt. Weitere Schutzmaßnahmen gebe es aber nicht. „Ein Rathaus ist das Haus der Bürger. Ich werde mich bestimmt nicht verstecken, die Türen sollen offen bleiben“, sagt Zeitler.
Rückendeckung erhält der Bürgermeister von Nabburgs Sportanglern, die in den Streit um das Camp involviert sind. Deren Vorsitzender Günther Kloske beschreibt den Betreiber als „aggressiven Menschen“. Mit diesem könne man kaum normal reden. Kloske sagt, dass er schon viel eher damit gerechnet habe, dass der Mann einmal durchdrehe.
Ebeling: Immer weniger Betroffene haben Verständnis
Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) reagiert entsetzt auf das, was sich in Nabburg zugetragen hat. Der Landrat beobachtet nach eigener Aussage einen gewissen Trend. „Gegen Mandatsträger wird immer rigoroser vorgegangen", erklärt Ebeling. Doch zum täglichen Geschäft eines Berufspolitikers gehöre es eben auch, unangenehme Entscheidungen zu treffen. „Immer weniger Betroffene haben dafür Verständnis“, so Ebeling.
Auch er selbst habe schon Anfeindungen erlebt, zum Beispiel rund um die Diskussion um das Jugendzentrum (JUZ) in Burglengenfeld. Der Landrat betont, dass er solche Vorfälle konsequent zur Anzeige bringe. Doch wegen der „unsäglichen Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts“ komme dabei oft nicht viel heraus.
Entschieden schaltet auch der Teublitzer Bürgermeister Thomas Beer (CSU) die Strafbehörden ein, wenn es um Drohungen gegen seine Person geht. Doch oft versteckten sich die Täter hinter anonymen Schreiben. Daher würden auch die meisten Verfahren schnell eingestellt.
Vier Drohbriefe in drei Jahren
Drohbriefe hat auch Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) schon erhalten, seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren waren es vier derartige Schreiben.
Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) beschäftigt ebenfalls die Attacke auf seinen Amtskollegen. „Das geht gar nicht", sagt der OB. Es sei „ein gesamtgesellschaftliches Problem“, dass die Menschen in Konflikten immer weniger nachgeben würden. „Nun hat das eine neue Qualität erreicht, das ist ein tätlicher Angriff“, erklärt Feller mit Blick auf die Ereignisse in Nabburg. Es fehle allgemein am Respekt gegenüber des Amtes.
Andreas Feller berichtet weiter, dass auch er schon mehrmals beleidigt wurde. „Eine Handvoll Bürger hätte da eine Anzeige verdient gehabt“, sagt er. Doch bislang versuchte der OB nach eigener Aussage, die Konflikte nicht weiter eskalieren zu lassen. Er sah daher vom Gang zur Polizei ab. Nach der Attacke auf Zeitler überlege er nun aber, sein Vorgehen künftig zu verändern.