Schwandorfs langjähriger Pfarrer und Dekan Hans Amann wohnt jetzt in Weiden

Im Juli 2022 endete eine Ära: Nach mehr als 20 Jahrenverließ der beliebte Schwandorfer Stadtpfarrer und Dekan Hans Amann (70) seine Wirkungsstätteund verabschiedete sich in den Ruhestand. In seiner neuen Heimat Weiden gibt er nun Einblicke in seinen neuen Lebensabschnitt.
Mit einem breiten Grinsen öffnet Hans Amann die Türe zu seiner Wohnung. Auf etwa 100 Quadratmetern im Weidener Stadtosten hat er sich im vergangenen Jahr niedergelassen, um seinen Ruhestand zu genießen. Der Wohnkomplex mit 15Einheiten wurde erst im Mai 2022 eröffnet. Träger ist das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk der Diözese Regensburg. In seiner Nachbarschaft wohnen auch zwei weitere Pfarrer im Ruhestand. „Wir tauschen uns hier regelmäßig aus, es sind viele nette Menschen hier“, schwärmt Amann.
Hans Amann hilft, wo er kann – tritt auch mal als Hausmeister auf
Mittlerweile hat der Geistliche auch die Funktion des Hausmeisters übernommen, wie er selbst scherzt. „Vorhin hat mich eine Nachbarin angesprochen, dass sie Probleme mit ihrem Stromkasten hat. Da muss ich jetzt dann noch schnell rübergehen. Ich helfe, wo ich kann. Das macht es irgendwo auch lebenswert.“
Der beliebte Seelsorger scheint in seinem neuen Lebensabschnitt voll angekommen zu sein. Dass er sich nach seinem Wirken in Schwandorf dazu entschlossen hat, nach Weiden zu ziehen, sei kein Zufall gewesen. In der kreisfreien Stadt hat er als junger Mann bereits sein Abitur gemacht und war dort später nochmals seelsorgerlich als Präfekt am Studienseminar sowie als Religionslehrer an dem Gymnasium tätig, in dem er einst selbst die Schulbank drückte.
Der ehemalige Dekan aus Schwandorf ist nach Hause zurückgekehrt
„In gewisser Weise bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, sagt Amann, der in Tanzfleck bei Freihung im östlichen Landkreis Amberg-Sulzbach aufgewachsen ist. Wegen der Lage direkt an der Bahnlinie von Weiden nach Nürnberg war er bereits in seiner Kindheit viel in Weiden unterwegs.
Leicht ist ihm der Abschied von Schwandorf aber nicht gefallen. „Es ist ja üblich, dass ein Pfarrer zumindest nicht in der Pfarrei bleibt, wenn er in den Ruhestand geht“, erklärt Amann. Er habe sich zwar überlegt, im Dekanat Schwandorf seinen Lebensabend zu verbringen. Doch als Dekan war er in der Region bekannt und gut vernetzt. „Ich habe mich dann doch dazu entschlossen, etwas weiter wegzugehen, um etwas Abstand zu bekommen. Aber das heißt ja nicht, dass man sich mit dem Herzen von einem Ort entfernt.“
Und tatsächlich ist Amann noch regelmäßig in der Großen Kreisstadt Schwandorf zugegen. „Ich habe tatsächlich noch Ärzte hier, die ich immer mal wieder aufsuche“, sagt der Geistliche. Denn ein Praxiswechsel gestalte sich in der momentanen Situation schwierig. Aber auch für private Besuche fährt der 70-Jährige gernein seine alte Heimat. Wenn es das Wetter zulässt, ist er dann häufig imEiscafé De Pellegrinanzutreffen. Zum Inhaber Mauro De Pellegrin pflegt er eine Freundschaft aus alten Tagen.
Stillleben der Pfarrkirche St. Jakob hängt in der neuen Wohnung
Und auch in seiner neuen Wohnung erinnern ein paar Einrichtungsgegenstände an seine alte Wirkungsstätte. Alles konnte er bei seinem Umzug nicht mitnehmen, da seine neue Bleibe nun doch etwas kleiner ist als die Dienstwohnung in Schwandorf. Neben der Tür zu seinem Esszimmer hängt beispielsweise ein Stillleben „seiner“ Pfarrkirche St. Jakob, in der er mehr als 20 Jahre die Gottesdienste gestaltete. Auch in dem Fotobuch, das der Geistliche zu seinem Abschied bekommen hat, blättert er gerne.
Zu seinen beiden Nachfolgern,Dekan Michael HirmerundSchwandorfs Stadtpfarrer Christian Kalis, pflegt er ebenfalls regelmäßigen Kontakt. „Ich habe beiden bei meinem Abschied zugesichert, dass sie sich jederzeit bei mir melden können, wenn sie einen Rat brauchen oder irgendwelche Fragen haben. Dieses Angebot nutzen sie auch ab und zu.“
Doch auch in seinem neuen Umfeld ist er für die Gläubigen da. Hin und wieder gestaltet er Gottesdienste in den örtlichen Pfarreien St. Konrad und St. Josef. „Ich verstehe mich als Zeuge des Evangeliums und helfe aus, wenn ich gebraucht werde“, fasst Amann kurz zusammen. Die Kirchengemeinden hätten ihn von Anfang an sehr herzlich empfangen. „Ich fühle mich hier wirklich gut aufgenommen.“
Der Balkon ist sein Lieblingsort
Seinen neuen Alltag gestaltet der Geistliche grundsätzlich „relaxed“, wie er selbst sagt. Amann sitzt gerne auf dem Fahrrad oder seinem Roller, bummelt durch die Weidener Innenstadt oder trinkt einen Kaffee am Marktplatz. „Heuer ist in Weiden ja auch das Max-Reger-Jahr. Da bin ich auch schon gespannt drauf“, so Amann.
Ansonsten ließt er gerne ein gutes Buch in seiner Wohnung oder draußen auf dem Balkon, seinem persönlichen Lieblingsort. Derzeit sind die Möbel zwar noch in eine blaue Plane gehüllt, aber dass soll sich schon bald ändern, wenn sich die Sonne wieder öfter zeigt. Das dürfte bald soweit sein, die blühenden weißen Orchideen auf seinem Esszimmertisch deuten bereits den nahenden Frühling an.
