In Schwandorf gibt es einen dritten Interessenten für eine Windkraftanlage

Von Hubert Heinzl · 24. März 2023 um 11:00

Auf dem Weg zu einer dezentralen und regenerativen Energieversorgung für Schwandorf wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das musste im Stadtrat die SPD-Fraktion erkennen, die der Verwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt hatte.

„Schwandorf zur energieautarken Stadt weiterentwickeln, Umwelt schützen – Versorgungssicherheit gewährleisten – Bürger finanziell entlasten“, war das Papier der SPD überschrieben. Stadtrat Manfred Schüller wollte es als „Maximalforderung“ und „Startimpuls“ für einen energiepolitischen Aufbruch verstanden wissen. In dem Antrag streift die SPD zahlreiche Einzelmaßnahmen – von der Stadt als Betreiber oder Teilhaber von Windkraft- oder Photovoltaikanlagen über eine kommunale Übernahme des Strom- und Gasnetzes bis hin zu den Themen Wasserstoff, Fernwärme, Biogas oder Geothermie.

Stadt Schwandorf könnte Energieanlagen betreiben

Rein rechtlich spricht laut Klimaschutzmanager Johannes Stapf nichts dagegen, dass die Stadt über die städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung als Betreiberin regenerativer Energieanlagen auftritt. Auch Beteiligungsmodelle seien denkbar. Günstiger werde der Strombezug dadurch allerdings nicht – es sei denn, die Stadt würde künftig Abermillionen von Euro in eigene Kraftwerke und eine Ablösung der Stromnetze investieren.

Am erfolgversprechendsten schien Stapf ein Vorschlag, der von der Grünen/ÖDP-Fraktion in den Fragenkatalog eingebracht worden war – ein besseres Management von Bioabfällen. Das Potenzial in Schwandorf liegt nach den Worten des Klimaschutzmanagers bei 1900Tonnen Bioabfällen im Jahr. Vergärungsanlagen würden allerdings erst ab 30000 Jahrestonnen rentabel. Eine Insellösung in Schwandorf erscheine also unrealistisch. Im größeren Verbund des Müll-Zweckverbands Schwandorf werde eine Müllvergärung „nicht angestrebt“, wie es Stapf in der Vorlage formulierte.

Für den Klimaschutzmanager macht es am meisten Sinn, die „aktuelle Dynamik“ für den Zubau von Windenergie zu nutzen. Dafür bedürfe es einer gesicherten Ausbauplanung für die nächsten Jahre. Stapf: „Schwandorf ist derzeit weit entfernt von Überschüssen aus regenerativen Energien. Der Stadtrat muss Beschlüsse fassen für Klimaschutzziele. Das wäre sehr wichtig.“

Stadt hat mögliche Flächen für die Windkraft gemeldet

In eine ähnliche Richtung zielte der Antrag der SPD auf eine „Aktuelle Stunde“, der ebenfalls in der Stadtratssitzung am Montag behandelt wurde. SPD-Fraktionschef Franz Schindler wollte im Grunde wissen, was Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) in den vergangenen Monaten für den Ausbau der Windkraft im Stadtgebiet getan habe. Gab es Gespräche mit Investoren, wurden Vorrangflächen an den Planungsverband gemeldet?

Der OB bejahte beides und eröffnete den Stadträten, dass es neben Primus und Wind 18 GmbH inzwischen einen dritten Interessenten für den Bau einer Windkraftanlage gebe. Sogenannte „windhöffige Flächen“ im Stadtgebiet seien an den Planungsverband gemeldet worden, sagte Feller. Wo sie liegen, wurde bei der Stadtratssitzung nicht bekannt. Als „windhöffig“ gelten aber vor allem die Waldflächen im äußersten Westen des Stadtgebiets – auf einer Linie, die von Bubach im Süden und Haselbach im Norden begrenzt wird.