Pläne für Parkhaus-Neubau in Bad Kötzting: Architekt und Stadt erklären Details

Die Aufgabe war kniffelig: Kann ein (eigentlich zu) großes Parkhaus gut ins kleinteilige Altstadtgefüge zwischen Gehring- und Holzapfelstraße integriert werden? Wie finden gleich daneben eine Bibliothek und Veranstaltungsräume Platz? Und wird am Ende ein neuer, zentraler Ort zum Ankommen (Parkhaus), Treffen (öffentlicher Platz) und Verweilen (Bibliothek) mitten in Bad Kötzting entstehen? Sebastian Hrycyk hat die Aufgabe gelöst.
„Ich mag knifflige Aufgaben“, sagt der Architekt, der im November den Ideen- und Realisierungswettbewerb der Stadt für den Ersatzneubau eines Parkhauses und den Neubau einer Stadtbibliothek gewonnen hat.
Jetzt, da der Stadtrat die Planungsaufträge vergeben hat, kann die Detailplanung für das „extrem herausfordernde Projekt“ beginnen. Dazu treffen sich am heutigen Freitag Hrycyk, Stadtverwaltung und Landschaftsarchitektin Uta Gerhardt im Bad Kötztinger Rathaus. Gerhardt sowie das Bauingenieurbüro Merz, Kley und Partner sind wie Hrycyk von Beginn an dabei. „Es war Vorgabe des Wettbewerbs, dass ein Team aus Architekt, Statiker und Landschaftsplaner die Beiträge einreicht, damit das Gesamtpaket passt“, erklärt Christian Kopf, Leiter des städtischen Bauamts.
Wo kommt man in das Parkhaus hinein?
Das „Gesamtpaket“ sieht (vereinfacht) so aus: Nach dem Abriss des alten Parkhauses sowie der Anwesen Gehringstraße 9 und 9a (Friseursalon Oexler) entstehen zwischen den Anwesen Gehringstraße 7 (Haimerl) und Gehringstraße 11 (Holzer) Parkhaus, öffentlicher Platz und die Bibliothek als freistehender Baukörper. Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt weiter nur über die Holzapfelstraße. Im Zuge des Parkhaus-Neubaus wird es in der Gehringstraße keine Parkplätze mehr geben. Stattdessen ist die Zahl der Stellplätze im Parkhaus-Neubau von derzeit 80 auf 100 erhöht worden: 60 als öffentliche Stellplätze (auch als Ersatz für die dann in der Gehringstraße fehlenden) sowie 40 als Dauer-Stellplatz für Anwohner.
Lesen Sie hier:So fiel die Entscheidung
Laut Kopf wird die Parkplatz-Gebühr günstig sein, in der ersten Zeit kann kostenlos geparkt werden. Irgendwann aber wird die Stadt Geld mit dem Parkhaus verdienen, was sich auf die Höhe der staatlichen Förderung auswirkt. Im Rahmen der Städtebauförderung werde es einen Zuschuss für den Parkhaus-Neubau geben, erklärt der Bauamtsleiter. „Aber wohl nicht in Höhe der Obergrenze von 60 Prozent der förderfähigen Kosten.“ Eine höhere Förderquote als für das Parkhaus gebe es für die Bibliothek.
Zurück zum Architekten-Entwurf: Künftig soll ein „grünes Band“ entlang des Plattenwegs über die Holzapfelstraße zum Panoramagarten verlaufen. Für letzteren werden in einer 80 Zentimeter dicken Erdschicht auf dem Parkhausdach flachwurzelnde Bäume gepflanzt. Von der anderen Seite, vom Veitsplatz, zieht sich der „steinerne Belag über die Metzstraße auf den Platz der Bibliothek“ (Hrycyk), dort treffen dann die beiden „Bänder“ zusammen.
Bau passt sich Gelände an
Damit das Parkhaus kein Fremdkörper im „kleinteiligen Umfeld der Altstadt“ ist, hat Architekt Hrycyk teilweise in die Tiefe geplant: Das Parkhaus passt sich der Hanglage an und „zeigt sein pures Dasein als Gebäude nur im Bereich der unteren Gehringstraße“, erklärt der Architekt. Damit habe Hrycyk auch den kompaktesten Entwurf des Architektenwettbewerbs mit dem geringsten Flächenverbrauch geliefert, sagt Christian Kopf. Teurer werde so ein Bau in die Tiefe nicht, müsse man doch auf die Fassadengestaltung des Gebäudes keine Rücksicht nehmen.
Aber auf den Untergrund: Ein Baugrundgutachten soll klären, ob sich zwischen Gehring- und Holzapfelstraße im Durchschnitt drei, an einer Stelle bis zu sechs Meter in die Tiefe graben lässt. Bislang gab es vier Probebohrungen in der Tiefgarage. Kopf: „Mit dem kleinen Bohrgerät kamen wir auf eine Tiefe von etwa 3,5 Meter, dann wurde der Boden zu fest.“ Es wird vermutet, dass der Boden danach in Sandfelsen übergeht, der mit der Tiefe immer fester werde. Eine Bohrung mit schwerem Gerät Anfang/Mitte April auf der Freifläche des Anwesens Gehringstraße 9a soll weitere Ergebnisse liefern. „Wir möchten feststellen, bis zu welcher Tiefe der Felsboden noch mit einem Bagger bearbeitet werden kann“, erklärt Kopf. Er schätzt die Tragfähigkeit des Bodens im Bereich des jetzigen Parkhauses als sehr gut ein. Viele Gebäude in diesem Bereich seien unterkellert, auch gebe es historische Schrazelgänge, die darauf hindeuten, dass der Boden in tieferen Schichten gut bearbeitbar sei.
Zahlen und Fakten rund um den Neubau
Planungsteam:Stadt(bauamt); Büro Kellerer und Kellerer, München (Durchführung/Begleitung Architektenwettbewerb); Hrycyk Architekten, München (Entwurf Parkhausneubau und Bibliothek); Landschaftsarchitektin Uta Gerhardt, München (Freianlagenplanung); Bauingenieurbüro Merz, Kley und Partner, Dornbirn (Tragwerksplanung); IMH Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Geotechnik, Hengersberg (Baugrundgutachten)
Auftrags-/Bausumme:Der Stadtrat Bad Kötzting hat in seiner Sitzung vom 7. März den ersten Teil der vorgesehenen Auftragssumme freigegeben. Insgesamt sollen sich die Kosten auf 900000 Euro (Hrycyk Architekten), 90000 Euro (Uta Gerhardt) und 300000 Euro (Merz, Kley und Partner) belaufen. Insgesamt wird die Bausumme mit sieben Millionen Euro kalkuliert.
Terminplan:2023: Beauftragung Fachingenieure Technische Gebäudeausrüstung, diverse Gutachten, Entwurfs- und Genehmigungsplanung, Kostenberechnung, Baugenehmigungsverfahren (und weiteres); 2024: Ausführungsplanung, Abbruch und Aushub (und weiteres); 2025: Roh- und Ausbau Parkhaus/Bücherei; 2026: Nutzungsaufnahme Parkhaus/Bücherei
Wettbewerbsentwurf Parkhaus:Stahlbetonkonstruktion; Bruttogeschossfläche 4096 Quadratmeter; 100 Stellplätze (davon 40 an Anwohner vermietet); zum größten Teil zwei-, auf der Nordseite dreigeschossig; ein Teil des Parkhauses wird in die Tiefe gebaut (im Durchschnitt drei Meter, an der tiefsten Stelle sechs Meter tief).
Entwurf Bibliothek:Zweigeschossig; Veranstaltungsräume; Bibliothek mit Galerie und Lesebalkon im ersten Stock; PV-Anlage auf dem Dach
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