Umbau des Regensburger Klärwerks bei Barbing verschlingt Millionen

Von Heike Haala · 21. März 2023 um 05:00

Jedes Mal, wenn ein Regensburger duscht, auf die Toilettenspülung drückt oder die Waschmaschine anschmeißt, schickt er damit auch einige Liter Abwasser über den Abfluss in den äußersten Stadtosten zum Klärwerk. Und weil es immer mehr Regensburger gibt, kommen dort im Laufe eines Tages inzwischen 65 Millionen Liter Abwasser zusammen, an Regentagen sogar 180 Millionen Liter.

Zum Vergleich: Das Schwimmerbecken im Westbad fasst 2,5 Millionen Liter Wasser. Es bräuchte an einem Sonnentag also 26 dieser Pools, um das Regensburger Abwasser aufzunehmen. Aber auch die würden nicht mehr lange reichen.

Denn im Moment spülen 280000 Menschen aus Regensburg und einigen Landkreisgemeinden ihr Abwasser in Richtung Barbing. Hinzu kommen die Industriebetriebe.Um diese grundverschiedenen Abwasserproduzenten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, rechnet Klärwerksleiter Robert Lorenz mit einem Vergleichswert, dem Einwohnerwert (EW).

Ein Fünftel mehr Kapazität

Im Moment verfüge das Klärwerk über Kapazitäten von 400000 EW. Bis zum Jahr 2025 soll es auf einen EW von 500000 ausgebaut werden. „Das dürfte dann bis 2040 reichen“, sagt Lorenz. Zudem bedürfen einige Teile der 43 Jahre alten Anlage einer Erneuerung. 17,6 Millionen Euro legt die Stadt dafür auf den Tisch.

Die Kapazität des Kraftwerks soll nach oben geschraubt werden, indem der Wasserspiegel in den zwölf Klärbecken um einen halben Meter angehoben wird, zählt Lorenz auf. Zudem soll darin in Zukunft ein anderes Belüftungsverfahren zum Einsatz kommen. Und auch das Gebläse, aus dem diese Luft kommt, wird erneuert.

All diese Bauarbeiten bezeichnet Lorenz als eine Operation am offenen Herzen. „Das Klärwerk ist Teil der kritischen Infrastruktur“, sagt auch Michael Köstlinger, Leiter des Tiefbauamts. Was die Sache so kniffelig macht: Es gibt nur dieses eine Klärwerk in der Stadt. Und weil die Regensburger während der Bauphase nicht einfach aufhören werden, Abwasser zu produzieren, können stets lediglich kleinere Abschnitte bearbeitet werden, erklärt Lorenz das Unterfangen. Nur durch die abschnittsweise Sanierung im laufenden Betrieb könne sichergestellt werden, dass das geklärte Wasser auch so sauber ist, um nachher in die Donau abgelassen werden zu können. Deswegen und wegen der Lieferengpässe bei den Baufirmen werde das eine sehr langwierige Baustelle werden, sagt Köstlinger.

Derzeit werden die zwölf 100 Meter langen, 6,5 Meter tiefen und 6 Meter breiten Klärbecken auf Vordermann gebracht.Zwei sind schon fertig. Dazu mussten sie vom Netz genommen, abgelassen, gereinigt und mit der neuen Technik ausgestattet werden, zählt Lorenz auf.

„In diesen Becken arbeiten unsere wichtigsten Mitarbeiter“, erklärt Köstlinger. Dabei handelt es sich um unzählige Bakterien, die dem Abwasser seine Giftstoffe entziehen sollen. „Die Bakterien sind dafür in die anderen Becken umgezogen“, erklärt Lorenz. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass kein Dreckwasser überschwappt, obwohl die beiden zu sanierenden Becken über 17 Prozent der Gesamtkapazität verfügen.

Die neue Technik

Mehr Schwung in die Reinigungskapazität des Klärwerks soll ein Membranensystem bringen. Bisher sei eine Belüftung aus Keramikrohren in die Becken eingebaut gewesen, durch deren Poren das Wasser in den Klärbecken mit Luft versetzt wurde. „Aber durch diese Rohre musste ständig Luft geblasen werden, weil sich sonst Schlammpartikel auf ihnen hätten festsetzen und die Poren verstopfen können“, beklagt Lorenz die Energiefresser. Bei den neuen Membranen sei das nicht mehr notwendig. Zudem habe der Sauerstoff durch die Anhebung des Wasserspiegels nun einen halben Meter länger Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Das werde viel Energie sparen, kündigt der Klärwerksleiter an.

So kommt das Abwasser der Regensburger im Klärwerk an.
Klärwerksleiter Robert Lorenz
Die grünen Faultürme sind die Wahrzeichen des Klärwerks.