Ex-Bürgermeister Huber hat eine Botschaft an alle Geschöpfe Gottes

Der Maler und frühere Bürgermeister Jürgen Huber präsentiert in der Galerie St. Klara seine neuen Werke. Und diese sind sich nicht nur an uns Menschen richtet.
Nein, ganz einfach, so könnte man zunächst meinen, macht’s der Maler Jürgen Huber, der von 2014 bis 2020 der erste und bislang einzige grüne Bürgermeister der Stadt Regensburg war, seinem Publikum dann doch nicht: Denn schon der Titel seiner aktuellen Ausstellung „Franz von Assisi lernt von den Spatzen die Sprache der Tiere. Nach Pier Paolo Pasolini“ ist nicht nur sehr lang. Die Zeile, sie ist auch voraussetzungsreich.
Und verlangt damit dem Vernissage-Publikum eine gewisse Sattelfestigkeit in der Vita eines Heiligen ab. Und setzt zudem voraus, dass es mit dem filmischen Werk des 1975 ermordeten italienischen Meisterdenkers Pier Paolo Pasolini vertraut ist.
Aber wenn man sich dann auf die 18 hier in der Galerie St. Klara ausgestellten Arbeiten einlässt und eintaucht in Jürgen Hubers Bilderwelt, dann schwinden sogleich die Barrieren. Die vermeintlichen intellektuellen Hemmschwellen verlieren jede Bedrohlichkeit. Denn es ist eine kraftvolle und farbenprächtige, eine von Natur überwucherte Welt, die der Maler, der mittlerweile in Schönsee im Nordosten der Oberpfalz sein „Haus der Fantasie“ bezogen hat, uns zeigt.
Viel Blau ist zu sehen, aber auch Grün und Orangetöne, sodass wir davon ausgehen können, dass er uns entführt, in südlich-fruchtbare Hemisphären, in Paradiese des Wachstums wie auch überbordender Grenzenlosigkeit, die obendrein bevölkert sind von herumfliegenden Organismen. Womit wir auch schon bei den Spatzen wären: Auf deren Idiom verstand sich der Heilige und Ordensgründer des 13. Jahrhunderts ja deshalb so spielend, weil sein spirituelles Verständnis im Pantheismus gründete und er damit in allem Irdischen Gottes Spuren zu erkennen glaubte.
Gleichzeitig atmen diese Farbkompositionen auch ein solches Maß an Abstraktion, dass sie sich einfacher Vereinnahmung entziehen – und man sich fast scheut, was Ausdeutung und Interpretation anbelangt. Denn das ist ja das Außergewöhnliche an Jürgen Huber: dass er als Maler nach einer, wie er insistiert, „anderen Sprache“ sucht, nach Ausdrucksformen, die sich jenseits von Texten abspielen. Dass Bildhaftigkeit einen eigenen Wert und Anspruch behaupten darf, der eben nicht der sofortigen Rückübersetzung in gesprochene Sprache bedarf.
Dann folgen noch besonders schöne Worte, die diese philosophische Feier des Bildes unterstreichen: „Es gibt kein Rätsel im Sinne eines Fragezeichens, das es zu lösen gilt!“ Weshalb Huber dazu rät: „Anschauen und wirken lassen. Und staunen können über das, was die Bildsprache bei einem bewirkt.“
Die Räumlichkeiten dieses alten Klarissenklosters in der Ostengasse – Hausherr Michael Eibl von der Katholischen Jugendfürsorge betont das in seiner Einführungsrede mit einem gewissen Stolz – sie eignen sich für die Arbeiten des als Sohn eines Glasschleifers in Altenstadt bei Weiden geborenen Künstlers ganz besonders: War Klara doch ihrerseits nicht nur Zeitgenossin des Heiligen Franz, sondern stammte wie er auch aus dem umbrischen Assisi. Ließ sich von ihm inspirieren, was Ordensgründung und Bekenntnis zu radikaler Armut anbelangt, und war insofern Teil eines kommunikativen Netzwerkes.
In das begibt sich nun, ein paar hundert Jahre später, der Maler Jürgen Huber mit seiner höchst eigenen Sprache der Bilder, der Formen und der Farben. Die sich nicht nur an uns Menschen richtet, sondern an alle Geschöpfe Gottes auf dieser Erde.
Geöffnet ist die Ausstellung mit Hubers neuen Werken im Kloster in der Ostengasse am 26. März und am 16. April (jeweils Sonntag), jeweils von 14 bis 17 Uhr.