Fünf Jahre Stadthalle: Jubiläum soll in Cham drei Tage lang gefeiert werden

Erst fünf Jahre alt, und schon ein Jubiläum feiern wollen – echt jetzt? Ja! Da das Kind fast in den Brunnen gefallen wäre, haben Bürgermeister Martin Stoiber, Stadthallen-Chefin Sandra Ofenbeck und Kämmerer Christian Plötz die Chamer jetzt zum Feiern aufgerufen.
Schon die Geburtswehen in der Kreisstadt haben sich ewig hingezogen. Lang hatten die Stadtväter und -mütter mit sich gerungen. Dann wurde es die erwartet schwere Geburt mit etlichen Komplikationen. Erst gab es heftige Debatten über die Erstausstattung, dann wurden finanzielle Grenzen gesetzt, die das Kind mühelos überwand. Am Ende waren aus den 24 Millionen rund 32 geworden.
Aufstrebend, ausverkauft
Aber wie das so ist mit Kindern: Wenn sie erst einmal da sind, dann werden sie auch geliebt. Und das tun sie, die Chamer, sagen Bürgermeister Martin Stoiber und Leiterin Sandra Ofenbeck. Regelmäßig sind die Veranstaltungen ausverkauft. Doch das Kind hatte es nicht einfach in seinen ersten Jahren. Für die ganz großen Künstler ist es mit seinen 1400 Stehplätzen oder 800 Sitzplätzen zu klein.
Deswegen ist es darauf angewiesen, dass Sandra Ofenbeck und ihre Mannschaft die aufstrebenden Künstler erkennen, bevor sie zu groß geworden sind. „Das klappt aber super, weil meine Mannschaft so gut vernetzt ist in der Veranstalter-Szene“, lobt Christian Plötz, in dessen Verantwortung als Kämmerer die Stadthalle liegt.
Kaum war das Kind drei Jahre alt, bekam es Corona. Doch die Epidemie geriet zur Chance und wurde genutzt, um daran zu wachsen. Während andere Stadthallen eineinhalb Jahre lang geschlossen waren, hat die Stadt sich anders entschieden. Mit Abstand und neuen Ideen bei der Verköstigung bekam man 179 Belegungstage zusammen, wenn man nicht gerade per Verordnung zugemacht wurde.
„In dieser Zeit haben wir uns einen Namen gemacht bei verschiedensten Veranstaltern“, berichtet Ofenbeck in der Pressekonferenz. Sie freut sich vor allem, dass die Belegung der Halle sich nicht nur auf die Kulturereignisse begrenzt, sondern sich auch Firmenfeiern, Messen, Fortbildungen und Hochzeiten etabliert haben.
Ein Beispiel waren die Strandkorb-Veranstaltungen, die an 59 Tagen im Stadion stattfanden. Ein echter Glücksfall, von dem aber selbst Ofenbeck nicht glaubt, dass man ihn wiederholen kann. „Die Zeiten, in denen Künstler vor vergleichsweise wenig Publikum aufgetreten sind, um den Stellenwert der Kultur in Pandemiezeiten zu zeigen, sind vorbei.“ Kämmerer Christian Plötz bestätigt außerdem, dass der Veranstalter sich damals verpflichtet hat, für „zigtausend Euro“ das Stadion wieder herzurichten, als die Strandkörbe weg waren.
Bürgermeister Stoiber weist darauf hin, dass die Stadt mit der Stadthalle im Rücken nebenan ein Multifunktions-Stadion plant. „Dann werden auch größere Freiluft-Kulturveranstaltungen möglich sein.“
Das fünfjährige Kind ist der Stadt nicht nur lieb, sondern auch teuer. Eine halbe Million Euro muss Cham auf den Betrieb alljährlich drauflegen. „Das war von vorneherein klar und hält sich an der unteren Grenze“, verteidigt Bürgermeister Stoiber das Defizit. Im Vergleich mit anderen großen Hallen liege man hervorragend, pflichtet ihm sein Kämmerer bei.
„Vieles, was notwendig ist, bekommt man erst beim Hochbetrieb mit“, sagt Sandra Ofenbeck. Sie sagt aber auch: „Wenn es nicht laufen würde, würden wir so etwas gar nicht mitkriegen. Es läuft aber.“ Zudem habe man davon profitiert, dass andere vergleichbare Städte kurz vorher auch noch Stadthallen gebaut haben. „Da haben wir genau zugeschaut und uns ein paar Fehler erspart“, sagt sie. Heutzutage leisteten sich angesichts der allgemeinen Lage am Finanz- und Bausektor kaum mehr Städte solche Hallen. Noch sei nach Corona der Motor nicht richtig angesprungen. Viele Künstler seien derzeit noch dabei, ausgefallene Konzerte nachzuarbeiten. Aber bereits für 2024 habe man im Frühjahr schon wieder einen vollen Kalender.
Feier und Termine
An eine ganze Woche Geburtstagsfeier habe man sich aufgrund der Belastung für die Mannschaft nicht herangetraut, aber drei Tage habe man auf die Beine gestellt: Am 2. Juni kommt die österreichische Senkrechtstarterin Melissa Naschenwang mit Band. „Das ist eine echte Ausnahme, dass die vor 1400 Stehplätzen spielt“, so Ofenbeck. Am 3. Juni habe man Andy Borg live und solo verpflichtet. „Der hat uns all die Jahre begleitet. Der gehört da mit hin“, sagt die Stadthallenleiterin. Und für alle, die mit Schlager und Volksmusik nichts anfangen können, liest am 4. Juni Michaela May von „Liebe & und anderen Katastrophen“. Für die eigentliche Feier hat die Stadt heuer auf ihren Neujahrsempfang verzichtet, berichtet Bürgermeister Stoiber. Die Stadt gibt am 27. Juni einen Sommerempfang auf den Stadthallen-Terrassen und feiert dort den 5. Geburtstag gleich mit.
