Orlandini-Nachfolge: Interessierter Gastronom wirft entnervt das Handtuch

Von Tanja Fenzl · 18. März 2023 um 05:00

Eine schnelle Nachfolge für den Orlandini-Leerstand hat sich zerschlagen. Die Gastronomen, die die Räume gerne wieder mit Leben gefüllt hätten, werfen das Handtuch. Denn nun sprechen die Anwälte.

Grund für den Rückzug der Restaurantbetreiber sind dem Vernehmen nach die lange andauernden Verhandlungen um eine Ablöse des bestehenden Inventars. Die Familie führt im Landkreis Cham bereits eine Pizzeria und hätte das Gewölbe im roten Haus in Brunnendorf gerne als zweites Standbein aufgebaut.

„Aber das macht für uns keinen Sinn, uns jetzt weiter damit zu beschäftigen, so lange die finanziellen Fragen mit dem Vormieter nicht geklärt sind“, sagt der Gastronom, der seit Monaten hinter den Kulissen mit Investorin Viktoria Dankerl in Kontakt stand. „Da geht es um Sachen, die uns teilweise gar nichts angehen. Das ist uns zu kompliziert.“

Historische s Gebäudeensemble in Cham: Jetzt sprechen die Anwälte

Dankerl hatte im Vorjahr das historische Gebäudeensemble in Brunnendorf gekauft. In drei, vier Jahren, so verkündete sie im vergangenen Jahr, sollte mit dem Um- und Neubau von Wohnungen und Geschäftsräumen begonnen werden. Herzstück des Projekts der Willmeringer Bau- und Investorenfirma: die teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gewölbe-Räume, in denen Ricardo Orlandini und seine Familie den Chamer Kult-Italiener betrieben.

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Inzwischen, schätzt Dankerl, sei frühestens in fünf Jahren mit dem Beginn der Bauarbeiten zu rechnen. Zum einen seien deutlich mehr Fragen als angenommen mit dem Amt für Denkmalschutz zu klären. Zum anderen müsse sich eine Ablöse für Inventar aus der Pizzeria Orlandini erst einmal amortisieren. Und die Höhe der Ablösesumme ist seit dem Auszug der Mieter ein Streitthema, mit dem sich inzwischen die Anwälte beider Parteien beschäftigen.

Uneinigkeit über Ablöse: „Verhandlungen aktuell endgültig gescheitert“

Wie berichtet, waren Neu-Vermieterin und Mieter, vorsichtig ausgedrückt, im vergangenen Jahr nicht in Freundschaft voneinander geschieden. Nun, gibt Dankerl Einblick in den aktuellen Stand der Dinge, sei die Ablöse-Forderung deutlich höher als von einem Gutachter geschätzt, und was sie selbst bereit wäre zu bezahlen. „Ich betrachte die Verhandlungen aktuell als endgültig gescheitert. Die Vorstellungen sind einfach unrealistisch und völlig überzogen, dazu keinerlei Verhandlungsbereitschaft.“

„Ich und auch ein Nachpächter werden keinen sechsstelligen Betrag für 20 Jahre altes Inventar und erst recht nicht für bauliche Veränderungen ablösen.“ Der Sachverhalt werde jetzt, bedauert sie, gerichtlich gelöst werden müssen. Den nächsten Schritt sehe sie in einer Räumungsaufforderung an die vormaligen Mieter, gegebenenfalls folge danach eine Räumungsklage.

Bei den fraglichen baulichen Veränderungen handelt es sich Informationen unserer Zeitung zufolge unter anderem um eine Pergola im Gartenbereich und sanitäre Anlagen.

Orlandini-Leerstand: Was passiert mit dem Restaurant?

Mimi Orlandini, Juniorchefin des Traditionsitalieners, bestätigt: „Die Verhandlungen über die Ablöse sind noch nicht beendet. Eine Ablöse ist aber im Vertrag festgeschrieben. Das haben meine Eltern ja alles selbst reingerichtet und planen lassen.“ Dankerl kontert damit, dass im Gegenzug lange Jahre die Miete nicht erhöht worden sei, und sieht das als Kompensation für die ursprünglichen Investitionen.

Was am Ende mit den Gewölberäumen passiert, sei wegen der ungeklärten Fragen derzeit völlig offen, bedauert Dankerl, die von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht hatte, dass sie gerne weiterhin einen Gastronomiebetrieb an Ort und Stelle sähe.

„Allein der schöne Innenhof sollte möglichst vielen zugänglich gemacht werden, alles andere wäre ja schade.“ Von der derzeitigen Situation sei sie selbst völlig überrascht: „Sowas hatte ich noch nie.“

Sie bestätigt, dass die zunächst recht positiven Gespräche mit den Interessenten derzeit zu einem Stillstand gekommen sind. „Aktuell habe ich leider auch keine weiteren Interessenten. Die Ungewissheit schreckt vermutlich auch ab.“

Was eine Fortführung des Kult-Italieners Orlandini an einem anderen Ort anbelangt, gibt es derzeit keine Neuigkeiten, erklärt Mimi Orlandini. „Es hat sich noch nichts Passendes für ein Restaurant ergeben.“

Unter Schutz: Teile des historischen Ensembles in Brunnendorf stehen unter Denkmalschutz; betroffen davonsind vor allem die Gewölbe. -Foto: Fenzl
Wildromantisch: Den Innenhof möchte Viktoria Dankerl auch weiterhin für die Allgemeinheit zugänglich halten. Ihr Wunsch: wieder eine Gastronomie an Ort und Stelle. -Foto: Fenzl