Medikamente sind auch in Neumarkt knapp – 650 Mittel fehlen

Die Situation auf dem Medikamentenmarkt will sich noch immer nicht entspannen. Weiterhin fehlen viele Präparate, auch für potenziell lebensbedrohliche Krankheiten. Apotheker und Ärzte aus Neumarkt können dafür einen Hauptgrund ausmachen.
„Im Moment sind es ungefähr 650 Artikel, die nicht lieferbar sind. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es höchstens 50“, erklärt Peter Dorfner, Apotheker aus Neumarkt. Die Situation für Husten- und Fiebersäfte habe sich zwar seit Dezember verbessert, allerdings liege das daran, dass momentan nicht so viele Menschen krank wären, sagt Ingrid Popp, Apothekerin in Freystadt und Berching.
Besonders groß seien die Probleme bei Arzneimitteln zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mitunter auch Diabetes. Das Problem: Bei diesen meist chronischen Krankheiten kann sich die Nachfrage nicht verringern. Die Betroffenen sind dauerhaft auf ihre Medikation angewiesen.
„Wir müssen uns in solchen Fällen mit den Ärzten absprechen und schauen, ob es einen anderen Wirkstoff gibt. Das bedeutet natürlich für alle Beteiligten mehr Aufwand und Zeit“, sagt Dorfner. Aber Lösungen müssten natürlich gefunden werden, da es um die Gesundheit der Menschen gehe. „Zusammen mit den Ärzten finden wir eigentlich immer noch eine Lösung, auch wenn es manchmal schwierig wird“, versichert Popp.
Mehraufwand in der Praxis
„Es passiert zwei bis drei Mal pro Tag, dass ich einem Patienten ein Antibiotikum verschreibe, das dann nicht lieferbar ist“, erklärt der Hausarzt Hans Tylla. Zwar hätte sich die Situation rund um die Fiebersäfte entspannt, aber besonders Antibiotika wie auch Penicillin seien momentan oft nicht erhältlich. Trotzdem habe er bisher immer noch ein Ersatzpräparat finden können, aber die Gesamtsituation bedeutet in der Praxis viel Mehraufwand. „Bei Herz-Kreislauf-Medikamenten kann eine Umstellung auch problematisch für die Patienten sein. Sie müssen dann sehr engmaschig betreut werden und die Praxis ist ja auch so nicht leer.“
Grüne für die Lieferengpässe sind international
Die Gründe für die weiter anhaltende Knappheit liegen dabei auch in den Folgen der Pandemie. Durch Aussetzung von Lieferketten und die Zero-Covid-Politik in China gelangten zeitweise ganze Wirkstoffgruppen nicht nach Europa. „Früher war der Markt so aufgestellt, dass die Medikamente auch in Deutschland hergestellt wurden. Durch die wirtschaftliche Konkurrenz auf dem Markt ist das meist nicht mehr der Fall. Die meisten Rohstoffe kommen heute aus Indien oder China“, so Dorfner.
Da der gesamte Weltmarkt die Medikamente bezieht, kann auch eine gestiegene Nachfrage in einem Teil der Welt, schwere Konsequenzen für Betroffene auf einem anderen Kontinent haben.
So passiert es gerade mit dem Mittel Semaglutid. Es ist durch Prominente wie Elon Musk zu Berühmtheit gelangt, da das Spritzen dieses Medikamentes zu einem starken Gewichtsverlust führen kann. Gedacht ist es aber zur Behandlung von Diabetes Typ 2 und kann somit auch überlebenswichtig für Patienten sein. Durch den Trend in den USA ist Semaglutid auch in Deutschland deutlich schwerer zu bekommen. „Das hilft der Situation natürlich gar nicht“, erklärt Popp.
Aber solche Trends sind eher kurzfristige Erscheinungen, da sich die Produktion in einem solchen Fall auch an eine gestiegenen Nachfrage anpassen kann. Das weitaus größere Problem bleiben die unterbrochenen Lieferketten „und dafür hat die Politik keine Lösung in der Hinterhand“, so Dorner.