Edeka schließt: 4000 Chamer verlieren Einkaufsmöglichkeit vor Ort

Seit Tagen räumen die Mitarbeiter die verbliebenen Waren aus. Nur noch vereinzelt finden Kunden in diesen Tagen den Weg ins Geschäft in Cham-West – das Sortiment ist schon deutlich ausgedünnt. Die Stimmung: trist. „Es wird Zeit für den Umzug in den neuen Laden“, sagt eine junge Verkäuferin an der Kasse.
Zwischen leeren Regalreihen stehen Kartons und Displays mit Sonderangeboten zum Abverkauf. Die Hälfte der Kühltruhen sind bereits außer Betrieb, gähnende Leere auch hier. Vorne bei den Kassen klirren die Spirituosenflaschen, die zwei Verkäuferinnen in einen großen Einkaufswagen zum Abtransport umräumen.
Was die Eigentümer des Gebäudes, Karin und Sepp Zimmermann, vor knapp drei Jahren befürchtet hatten, ist jetzt eingetreten: Das letzte Kapitel des Edeka-Geschäfts in Cham-West endet am Samstag. Am 30. März öffnet der neue Edeka-Markt in Katzbach.
Knapp 100 Mitarbeiter
„Endlich“, sagt Johann Allescher. Der Seniorchef, der sich seit Monaten um die Baustelle kümmert, atmet auf. „Wir sind ja Kaufleute und keine Bauunternehmer“, sagt der Chef von jetzt dann knapp 100 Mitarbeitern in den Märkten in Schorndorf und Katzbach.
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Ein Großteil von ihnen kümmert sich seit zwei Wochen darum, dass die Regale im neuen Geschäft in Katzbach gefüllt sind. „Wir sind schon recht weit mit dem Einräumen“, sagt Allescher. Gleichzeitig werde Restware aus dem alten Geschäft zwischengelagert. „Wir wollen nichts wegwerfen.“ Die eineinhalb Wochen zwischen Schließung und Neueröffnung benötige man, um den Umzug zu bewältigen.
Allescher hatte sich für einen Neubau in Cham-Katzbach und ein Zusammenführen der beiden Märkte Cham-West und Katzbach entschieden, weil gesetzliche Vorgaben einer Erweiterung in Cham-West im Weg gestanden hätten. „Für 1200 Quadratmeter Marktfläche hätten wir 80 Parkplätze gebraucht. Dafür ist kein Platz“, sagt Allescher, der sich darüber immer noch ärgert: „So eine hohe Kundenfrequenz hätte man vielleicht an fünf Tagen im Jahr. Trotzdem wird das so vorgeschrieben.“
Bauphase gut überstanden
Immerhin: Die Bauphase sei reibungslos verlaufen, „dank den Firmen Dankerl und Wurm, die uns dabei geholfen haben, den Zeitplan einzuhalten.“ Denn Lieferschwierigkeiten und Materialmangel bestimmten derzeit den Bausektor, sodass zunächst Verzögerungen befürchtet wurden. „Wir können pünktlich eröffnen“, freut sich Allescher.
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Und auf noch etwas freut sich der Händler: „Endlich kann ich wieder mit den Mitarbeitern reden. Das war ja eigentlich meins, dass ich auf dem kurzen Dienstweg Dinge geregelt habe, mit den Mitarbeitern im Gespräch war. Das ist jetzt eine ganze Weile zu kurz gekommen.“
4000 Chamer, die bisher vom Edeka Geschäft gegenüber dem Kirchplatz Sankt Josef versorgt wurden, können jetzt nicht mehr zu Fuß mal schnell den Wocheneinkauf erledigen. Die Stadt Cham hat zum 1. Januar die Stadtbuslinien neu geregelt. Stündlich hält nun ein Baumgartner-Bus auch am Kirchplatz und bringt Kunden in zehn Minuten nach Katzbach, fast direkt vor die Türen des neuen Edeka-Marktes. „Cham-West ist da jetzt schon gut angebunden“, hofft Allescher, dass die Kunden das Angebot auch annehmen und ihm treu bleiben werden.
Nachmieter gesucht
In der Zwischenzeit suchen Karin und Josef Zimmermann noch immer einen Nachmieter für das bestehende Gebäude. Karin Zimmermann: „Es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern. Da der Mietvertrag aber noch bis Ende des Jahres geht, haben wir auch noch Spielraum.“
Traurig wirkt die Gattin des Metzgermeisters, der seinerzeit mit dem Edeka-Geschäft rund um seine Metzgertheke in den 70er Jahren das gesamte Nahvorsorgungs-Sortiment nach Cham-West holte. Gerade in den letzten Tagen teilten viele Kunden ihre Erinnerungen mit ihr, sagt Zimmermann, die auch selbst ihre eigene Nahversorgung vor der Haustür verliert. „Eine Frau hat mir kürzlich erzählt, sie habe noch nie woanders als hier im Edeka eingekauft.“
Stadt prüft Fördermöglichkeiten
Den Blick auf Cham West gerichtet hat man auch im Chamer Rathaus. „Natürlich ist die Nahversorgung der Bürger dort ein wichtiges Thema“, sagt Bürgermeister Martin Stoiber. In Gesprächen mit der Eigentümerfamilie und der Regierung versuche man, Fördermöglichkeiten für mögliche Investitionen zu finden. Gespräche mit möglichen Betreibern eines Geschäfts für den täglichen Bedarf scheiterten aber einfach immer wieder an den selben Fragen. Eine wichtige davon: „Haben Sie genügend Parkplätze?“ Zumindest eine Teillösung habe man mit der Anpassung der Stadtbuslinien gefunden.
Hoffen auf Nachfolgelösung
Zimmermann schwebt eine Nachfolgelösung für das bald leerstehende Gebäude in der Josef-Heilingbrunner-Straße im Lebensmittelbereich vor, vielleicht ein Bioladen mit einem kleinen Cafe dabei. „Der Trend geht doch langfristig wieder zu kleineren Läden auch in den Innenstädten“, ist sie überzeugt. Die teureren Preise für Bioware andererseits könnten derzeit die allerwenigsten Kunden bezahlen. Zimmermann ist für alles offen. „Das Schlimmste wäre, wenn das Gebäude dauerhaft leer stünde. Das wollen wir auf keinen Fall.“
Mit dem Bus zum Einkaufen
Einkaufslinie:Zum Januar änderte sich der Fahrplan der bisherigen Stadtbuslinien. Es verkehren zwei Stadtbusse ganztägig auf vier geänderten Strecken. Die Linie 101 ist die Nahversorgungs-Linie der Bürger von Cham-West (Loibling – Katzbach – Cham-West – Bahnhof – Floßhafen – Rodinger Str. und zurück). Der Bus hält auch am Kirchplatz Sankt Josef gegenüber dem bisherigen Edeka: ab 8.48 Uhr stündlich bis 17.48 Uhr Richtung Katzbach.
