Neuordnung der Pfarreien: Schorndorfer wollen lieber zu Roding gehören

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. März 2023 um 11:00

Das Ratsgremium hat in seiner jüngsten Sitzung im nichtöffentlichen Teil eine Stellungnahme zur geplanten Neufestlegung der Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Cham formuliert. Anders als vorgeschlagen, wünscht die politische Gemeinde eine Zuordnung zur Pfarreiengemeinschaft Roding.

In Absprache mit dem Regionaldekan, BGR Stadtpfarrer Holger Kruschina, der örtlichen Kirchenverwaltung und dem Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Schorndorf-Michelsneukirchen, Pfarrer Martin Schöpf, nimmt die politische Gemeinde Schorndorf aus ihrer Sicht zur geplanten Neubildung der Pfarreiengemeinschaft Stellung.

Umstände berücksichtigen

Insbesondere berücksichtigt werden sollten bestehende strukturelle und organisatorische Zugehörigkeiten sowie örtliche Gegebenheiten und Zusammengehörigkeiten. So gehören aus der Gemeinde Schorndorf die Ortsteile Obertraubenbach, Nanzing, Feldschmiede, Achterlingshof, Hartlsölden, Greinerhäusl und Litzling bereits seit jeher zur Pfarrei Roding. Die Bewohner dieser Ortsteile werden im Friedhof in Roding bzw. aus den Ortsteilen Greinerhäusl und Litzling im Friedhof Obertrübenbach bestattet. Damit sind aktuell aus dem Schorndorfer Gemeindegebiet 203 Einwohner mit 188 Katholiken der Pfarrei Roding zugeordnet.

Lesen Sie hier:Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Cham werden zusammengelegt

Die Pfarrei Schorndorf zählt derzeit 2603 Einwohner, davon 2029 Katholiken. Nur diese 2029 Pfarrbürger würden damit neu zur Pfarrei Roding hinzukommen. Darüber hinaus gehören die Ortsteile Penting, Wulting, Pfahlhäuser, Knötzing, Reismühle und Lindenberghof zur Pfarrei St. Martin in Untertraubenbach und damit zur Pfarreiengemeinschaft St. Josef/Cham. Die Filialkirche St. Michael in Penting befindet sich im Eigentum der Gemeinde Schorndorf.

Der Gemeinde ist sehr viel daran gelegen, dass die seelsorgerische Betreuung der Pfarrei Schorndorf mit den vielen jungen Familien, den Kindern und Schülern, aber auch der Jugend, den Erwachsenen und den Senioren mit Religionsunterricht, Kommunionvorbereitung, Gottesdiensten, Andachten, kirchlichen Hochzeiten, Aussegnungen, Trauergottesdiensten und Begräbnissen sowie die Betreuung des Alten- und Pflegeheims St. Raphael (mit Hauskapelle) im gewohnten Umfang weitgehend aufrecht erhalten werden kann. Dies erscheint bei einer Zuordnung der Pfarrei Schorndorf zur Pfarreiengemeinschaft Roding am ehesten sicher bewerkstelligt werden zu können. Die Pfarrei Roding wird immer mit einem Stadtpfarrer, einem Kaplan, einem Diakon und Ruhestandsgeistlichen besetzt sein, sodass hier wahrscheinlich eine adäquate seelsorgerische Betreuung sowohl in Schorndorf aber auch für die Schorndorfer Katholiken in Roding weiter am besten gewährleistet werden kann.

Zudem spricht die Entfernung von nur sieben Kilometern vom Schorndorfer Gotteshaus zur Rodinger Pfarrkirche für sich. Die Schorndorfer Katholiken können das Gottesdienstangebot in der Pfarrkirche Roding oder aber auch in der Filialkirche Obertrübenbach wesentlich vielfältiger und leichter in Anspruch nehmen. Dies gilt auch für alles, was im Pfarramt zu erledigen ist. Dagegen bestehen zur derzeit geplanten übergroßen Zuordnung mit Wilting, Sattelpeilnstein, Michelsneukirchen, Falkenstein, Arrach und Rettenbach keinerlei strukturelle oder organisatorische gewachsene Beziehungen.

Ein weiterer Aspekt: Die Gemeinde Schorndorf ist der Mittelschule Roding zugeordnet. Außerdem besuchen circa 70 Prozent der Schüler die Realschule in Roding. Dies ist bei der Erteilung des Firmunterrichts und der Firmung zu berücksichtigen. Ebenso ist der politischen Gemeinde die Sicherstellung des Religionsunterrichts, insbesondere des Kommunionsunterrichts und der Kommunion, an der eigenen Grundschule in Schorndorf sehr wichtig.

Weiter hat Schorndorf die Aufgaben des Standesamts seit 2006 im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit der Stadt Roding übertragen, d.h. alle Geschäftsgänge für Urkunden zu Geburten, standesamtlichen Trauungen und Sterbefälle etc. sind im Standesamt Roding zu erledigen und werden dort beurkundet.

Für die Bürger wäre Roding gleichzeitig die einzige Anlaufstelle in Angelegenheiten, was Pfarramt und Standesamt betrifft. Ebenfalls zu bedenken gilt es, dass die Gemeinde und die Bevölkerung von Schorndorf seit jeher eine sehr umfangreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche Beziehung zu Roding haben, seien es die fachärztliche Betreuung am Krankenhaus oder die Allgemein- und Fachärzte bzw. die Banken und Geschäfte.

Vor allem aber ist es auch die Zugehörigkeit der Ortsteile Obertraubenbach, Nanzing, Feldschmiede, Achterlingshof, Hartlsölden, Greinerhäusl und Litzling zur Pfarrei Roding mit Besuch von Gottesdiensten, Taufen, kirchlichen Hochzeiten oder Beerdigungen oder der Besuch und die Pflege der Gräber am Friedhof Roding. Außerdem besteht nach Roding eine gute ÖPNV-Busverbindung.

Eine weitere Randnotiz: Schorndorf wurde vor Jahren vom Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Cham ausgegliedert und neu der Polizeiinspektion Roding zugeordnet.

Wunsch ernsthaft prüfen

Aufgrund der dargelegten Gründe wünscht sich das Ratsgremium ausdrücklich und mit einstimmigem Beschluss in der Februar-Sitzung eine Zuordnung der Pfarrei Schorndorf zur Pfarreiengemeinschaft Roding. Die politische Gemeinde bittet alle Verantwortlichen in der Diözese Regensburg und im Dekanat Cham, diesen berechtigten und belegbaren Wunsch ernsthaft zu prüfen und diesem stattzugeben.

Inzwischen haben sich die Mitglieder der Kirchenverwaltung sowie des Pfarrgemeinderats in einer Sitzung intensiv mit der Neufestlegung der Pfarreiengemeinschaften befasst. Die beiden kirchlichen Gremien wünschen und präferieren ebenfalls mit eindeutiger Mehrheit eine Zuordnung zur Pfarrei Roding.

Pfarrer Schöpf steht dem Anliegen auf Umgliederung unentschieden gegenüber, da die Entscheidung und die Interessen die Gläubigen und kirchlichen Gremien vor Ort treffen und vertreten müssten.

− cls