„Genauso gut wie die Männer“: Susanne Kappler ist Schwandorfs erste Notarin

Es ist der Beginn einer neuen Ära: Mit Susanne Kappler hat Schwandorf erstmals eine Notarin. Für die 46-Jährige ist es eine Rückkehr in die Oberpfälzer Heimat.
Im Landkreis Tirschenreuth aufgewachsen, in Regensburg studiert und promoviert, war sie in den zurückliegenden 15Jahren in Niederbayern tätig. Ihr erstes Notariat leitete Susanne Kappler in der Marktgemeinde Wegscheid, 33 Kilometer von Passau entfernt. 2013 wechselte sie in die etwas größere Marktgemeinde Arnstorf im Landkreis Rottal-Inn, wo sie neun Jahre tätig war.
Zuhause in Niederbayern
Nach Schwandorf zu gehen, sei eine spontane Entscheidung gewesen, erklärt die Notarin. Sie hatte nach dem Weggang von Rüdiger Merkle die Ausschreibung der Schwandorfer Notarstelle gesehen, und gedacht, dass es eine gute Gelegenheit wäre, in die Oberpfalz zurückzukehren. So ist sie auch ihren Eltern etwas näher, die noch immer im Landkreis Tirschenreuth zuhause sind.
Sie kommt aber nur beruflich zurück. Mit ihrer Familie wohnt sie weiterhin im Landkreis Deggendorf – pendelt regelmäßig zwischen ihrem Wohnort und Schwandorf hin und her. In Osterhofen, der drittgrößten Stadt im Landkreis Deggendorf, ist ihr Mann Tobias als Notar tätig.
Auch in Schwandorf hatten fast 50 Jahre nur Männer – erst Lothar Heimer, dann Christoph Predl und schließlich Rüdiger Merkle – Urkunden entworfen und Rechtsgeschäfte beglaubigt.
Doch der Beruf ist längst keine Männerdomäne mehr. Nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer ist der Anteil der Notarinnen von 4,4Prozent im Jahr 1985 bis 2017 auf 15 Prozent gestiegen.
Manchmal etwas Skepsis
Den Kunden ist es in der Regel egal, ob ihnen ein Mann oder eine Frau die Urkunde beglaubigt, bestätigt Susanne Kappler aus eigener Erfahrung. „Die meisten reagieren offen“, meint sie.
Manchmal gebe es aber doch etwas Skepsis, ob eine Notarin bei Grundstücksangelegenheiten, Testamenten, Ehe- oder Erbverträgen genauso gut wie ein männlicher Kollege beraten könne. „Ich kann nur sagen: Wir haben die gleiche Ausbildung und können es genauso gut wie die Männer. Man braucht keine Scheu zu haben, zur Frau Notarin zu gehen“, findet Susanne Kappler.
Als sie 2007 in den Beruf eingestiegen war, gab es noch deutlich weniger Notarinnen als heute. Sie habe sich während des zweiten Staatsexamens entschieden, Notarin zu werden. „Es ist immer schon ein schöner Beruf für mich gewesen, da man als Notarin in der Regel mit der glücklichen Seite des Rechts zu tun hat“, beschreibt Susanne Kappler ihre eigene Motivation.
Sie habe sich auch schon mal gefragt, ob sie sich richtig entschieden hat, oder doch lieber Anwältin oder Richterin geworden wäre. Aber die Antwort sei immer eindeutig gewesen: Ja, es war eine gute und richtige Entscheidung.
Größerer Amtsbereich als vorher
Sie hat nicht nur die Notarstelle von Rüdiger Merkle übernommen, sondern auch dessen Räume. So sei eine gewisse Stabilität da, findet die 46-Jährige. Und die Kunden wissen, wo sie hingehen müssen, wenn sie einen Notar brauchen.
Der Amtsbereich von Susanne Kappler umfasst die Stadt Schwandorf sowie die Nachbargemeinden Wackersdorf und Steinberg am See. Ihr jetziger Bezirk sei etwas größer als die beiden bisherigen.
Die Kunden könnten zu ihr mit allen Fragen kommen, welche die notarielle Tätigkeit umfassen, vom Immobilienrecht über das Familienrecht bis zum Erbrecht. „Wenn man ein Notariat in einer ländlich geprägten Gegend hat, betreut man die Familien oft von der Wiege bis zur Bahre, berät sie in allen Lebenslagen“, sagt Kappler.
Immer wieder ist sie bei ihrer Arbeit als Notarin mit den Bereichen Erb- und Familienrecht konfrontiert. Dazu hat Susanne Kappler auch schon mehrere Bücher veröffentlicht.