BMW-Chef sieht Potenzial im Standort Wackersdorf: „Wir sind flexibel!“

Von Martin Kellermeier, Philipp Breu · 12. März 2023 um 05:00

Still und leise hat BMW in Wackersdorf 2022 seinen Standortleiter gewechselt. AufMichael Bomannfolgte Christoph Peters. Im Interview spricht der neue BMW-Chef über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen sowie alternative Verkehrsanbindungen an den Innovationspark.

Das Interview im Wortlaut:

Herr Peters, Sie sind seit Juli 2022 der neue Leiter bei BMW in Wackersdorf. Welchen Eindruck haben Sie vom Standort?

Christoph Peters:Der Standort ist natürlich nicht so groß, wie zum Beispiel das Werk Regensburg. Was mich von Anfang an beeindruckt hat, ist die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Es ist alles sehr persönlich hier. Die Kolleginnen und Kollegen haben eine sehr enge Bindung zum Standort, sind flexibel und überaus motiviert.

Wie sind Sie denn überhaupt nach Wackersdorf gekommen?

Peters:Meine Laufbahn bei BMW fing hier in Wackersdorf an. Das müsste Ende 2003 gewesen sein. Ich habe dort als Prozess- und IT-Planer gearbeitet, bin später nach Regensburg gewechselt, war dort für die Programmplanung sowie die Fahrzeugsteuerung verantwortlich. Außerdem war ich während der Halbleiterkrise in München und habe dort ein Team geleitet. Nach ein paar Jahren Abstinenz bin ich als Standortleiter wieder nach Wackersdorf zurückgekehrt.

BMW zählt ja zweifelsohne zu einem der größten Arbeitgeber in der Region. Die Zahl der Mitarbeiter, für die Sie nun verantwortlich sind, dürfte damit beachtlich sein.

Peters:In Summe beschäftigen wir am Standort Wackersdorf 2500 Mitarbeiter, inklusive unserer externen Zulieferer und Dienstleister. Zusammen mit unserem Werk in Regensburg sind insgesamt etwa 9000 Mitarbeiter hier bei BMW beschäftigt.

Vor Kurzem hat der BMW-Standort Wackersdorf ja für neue Schlagzeilen gesorgt. Die Rede war unter anderemvon einem neuen Batterietestzentrum, was hier am Firmengelände realisiert werden soll.

Peters:Das ist schlichtweg ein logischer Schritt, den wir hier gehen. Die E-Mobilität verfolgen wir in Wackersdorf natürlich schon länger. 2021 haben wir die Cockpitfertigung für unseren BMW i4 umgebaut. Darüber hinaus wurde Ende 2020 die Halle 87 gebaut, von der aus – für die Auslandsversorgung – Speicherzellen, Speichermodule und elektrische Komponenten für vollelektrische Fahrzeuge versendet werden. Das Batterietestzentrum gliedert sich jetzt in die Transformation des gesamten Unternehmens ein. Auch hier sind wir ein Standbein im globalen Produktionsnetzwerk und bieten für den gesamten BMW-Konzern eine zentrale Anlaufstelle, um die Batterien für die Zulassung der Fahrzeuge zu testen.

Der Sektor E-Mobilität wird für Automobilkonzerne immer wichtiger. Gibt es denn abseits des Batterietestzentrums weitere Überlegungen, wie man in Wackersdorf noch tiefer in das Zukunftsfeld eintauchen könnte?

Peters:Es gibt natürlich dazu Diskussionen im Unternehmen. Als Standort Wackersdorf sind wir flexibel, haben das Know-how und sind offen für Neues. Etwas Spezifisches gibt es abseits des Testzentrums aber noch nicht.

Sie werden am Standort Wackersdorf künftig ja auch in dieProduktion der Nobelmarke Rolls-Royceeingebunden sein.

Peters:Ein Stück weit kommt damit derKarosseriebauzurück nach Wackersdorf. Wir haben in den 1990er Jahren ja schon einmal in Wackersdorf die Rohkarosserien für unsere damaligen BMW 3er (E30) Cabrios für das Werk Regensburg hergestellt. Deshalb ist der Karosseriebau für uns nichts Unbekanntes, aber natürlich etwas Besonderes. Und auch hier schließt sich in Sachen E-Mobilität wieder der Kreis, weil wir neben Türen für den Rolls-Royce Ghost auch Türen für den vollelektrischen Rolls-Royce Spectre herstellen werden. Das macht uns stolz. Die Mitarbeiter haben das sehr positiv aufgenommen. Wir stellen uns damit breit auf, gewährleisten Arbeitsplätze und führen die Transformation weiter.

Eine weitere Neuerung, die hier am Standort in Kraft treten könnte, wäre ein Shuttlebus vom Schwandorfer Bahnhof zum Innovationspark. Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter hat diesen zumindest kürzlich ins Spiel gebracht.

Peters:Bisher haben sich unsere Mitarbeiter am Standort selbst organisiert und Fahrgemeinschaften gebildet. Einen Werksbus wie in Regensburg gibt es hier aufgrund der geringeren Größe nicht. Deshalb achten wir darauf, dass Schichtmodelle in den einzelnen Bereichen gleich sind. Grundsätzlich begrüßen wir Überlegungen, dass Mitarbeiter auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hierher kommen können.

Der Bürgermeister bekräftigt ja auch immer wieder den Wirtschaftsstandort Wackersdorf. Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit der Kommune?

Peters:Die läuft sehr gut, stets auf Augenhöhe und vertrauensvoll. Die Kommune gibt uns immer wieder das Gefühl, dass wir ein erheblicher Bestandteil der Gemeinde Wackersdorf sind.

Ein weiteres Verkehrsthema gibt es ja auch mit der Industriestraße. Sie ist der wichtigste Zubringer zum Industriegebiet und soll saniert werden. Was wünscht sich der BMW-Chef?

Peters:Wir sind mit der Anbindung des Innovationsparks sehr zufrieden. Für uns ist die Industriestraße wirklich sehr gut. Es gibt natürlich auch andere Beweggründe, als nur das Verkehrsaufkommen, diese Zufahrt zu sanieren. Da spielt sicherlich auch das Alter der Straße eine Rolle.

Laut Bürgermeister wäre auch ein Bahnhaltepunkt denkbar. Denn es besteht ja nach wie vor eine Schienenanbindung zum Innovationspark.

Peters:Dadurch, dass viele unserer Mitarbeiter aus der direkten Umgebung kommen, weiß ich nicht, ob ein eigener Bahnhaltepunkt für uns einen unbedingten Mehrwert hätte. Ich persönlich glaube eher, dass ein Shuttlebus besser angenommen würde. Um die Frage allerdings seriös beantworten zu können, müssten wir zunächst einmal in die Mitarbeiterschaft hineinhören.

Zum Abschluss würden wir gerne noch die Person Christoph Peters näher kennenlernen. Welchen Hobbys gehen Sie denn eigentlich außerhalb Ihrer Arbeitszeit nach?

Peters:Meine Familie ist die Nummer eins. Ich habe eine Frau und zwei Kinder. Darüber hinaus gehe ich gerne raus, treffe Freunde, mache Sport und lese ein gutes Buch. Wenn es dann noch die Zeit erlaubt, setze ich mich aufs Motorrad.

Wo könnte man Ihnen denn über den Weg laufen?

Peters:Dadurch, dass ich in Lappersdorf wohne, trifft man mich eher in der Regensburger Innenstadt. Am Wochenende gehe ich mit meiner Familie an der Eisdiele am Dom gerne mal einen Eisbecher essen. Dann geht es in aller Ruhe mit dem Rad am Regen entlang zurück nach Lappersdorf. Aber auch in der Schwandorfer Innenstadt treffe ich mich zwischendurch mit Kollegen oder in den Wackersdorfer Rathausstuben.

Und welches Auto fährt der Wackersdorfer BMW-Chef?

Peters:Einen BMW X5 PHEV (lacht), also ein Hybrid-Fahrzeug. Damit komme ich voll elektrisch von zuhause ins BMW-Werk und auch wieder zurück.