Musikevents trotzen der Krise: „Höher Schneller Weiter“ geht wieder an den Start

Das Musikfestivaljahr 2023 beginnt mit einem Knall: Nach mehrjähriger Pause kommt „Höher Schneller Weiter“ wieder in den Berlin Club. Wie manch anderer Musikevent trotzt das Festival nach coronabedingter Auszeit der Krise.
Die gute Nachricht: Das Festival „Höher Schneller Weiter“ im Neumarkter Berlin Club erlebt eine Neuauflage. Am Ostersonntag, 9. April, mischen vier Bands und zwei DJs das Publikum auf. Andere Musikevents in Stadt und Landkreis Neumarkt lassen auf sich warten. Vom Soundhorn-Festival Niederhofen zum Beispiel hört man nichts ńNeues. Der Parsberger Burgrock im Rahmen des Spectaculum Nordgavia fällt dieses Jahr aus, aber nicht ersatzlos: Die Spielleut ‘ Trollfaust sorgen am 19. Mai für Stimmung auf dem Mittelalterfest. Das Neumarkter Jazzweekend wird aber wie geplant im Herbst über die Bühne gehen.
Branche kämpft mit hohen Kosten
Es sind schwierige Zeiten für Musikveranstalter und Bands. Corona hat viele Musiker aus der Bahn geworfen und Auftrittsorte gekostet. Energiekrise und Krieg haben auch das Musikgeschäft verteuert, so dass jeder Auftritt gut überlegt sein will, bestätigen Akteure aus der Branche. „Es sind einige Bühnen wie das Sudhaus in Neumarkt weggefallen“, sagt Leo Wittmann, einer der Veranstalter des Festivals „Höher Schneller Weiter“. Das G6 sei eine der wenigen Auftrittsmöglichkeiten. Und eben der Neumarkter Berlin Club. „Dafür sind wir dem Oli Schaller total dankbar“, freut sich Wittmann über die Chance, die die Geschäftsführer des Clubs, Oliver Schaller und Johannes Lodermeyer, dem Musikfestival am Ostersonntag einräumen.
„Es kann nicht sein, dass in Neumarkt nichts mehr los ist.“Leo Wittmann, Festivalmacher
„Das Festival 2023 zu machen, war eine schwierige Entscheidung, da die Kosten insgesamt enorm sind“, sagt Wittmann. Also wird an Aufklebern, Plakaten und Merchandising gespart. Die Nacht wird vor allem auf Social Media im Internet beworben. „Es soll vor allem um die Musik gehen! Wir haben uns gedacht: Es kann nicht sein, dass in Neumarkt nichts mehr los ist.“
Und es wird viel los sein: Die Neumarkter Kultrocker von „InDisguise“ machen mit den besten Songs ihrer zwölfjährigen Bandgeschichte den Anfang, gefolgt von den Edelrockern „Grandma‘s Finest“, „Tagediebe“ mit ihrer Mischung aus Indie, Disko-Pop und Neukommerziellem Synthie und den Lokalmatadoren von „Crossover“ mit ihrer Hommage an die 80er, den Rock ‘n‘ Roll und die Moderne. Mit Sebastian und Neeyuu treten bekannte DJs mit elektronischen Sounds zu später Stunde in Aktion. Alle Acts kommen aus der Region. Wittmann verspricht eine Nacht voller Abwechslung und akustischer Highlights. Der Eintritt wird zwischen 10 und 12 Euro kosten.
Wieder Sommer im Park
Sabine Landfried vom Kulturamt der Stadt ist mit der Entwicklung zufrieden: „Es findet alles wieder statt“, sagt sie zu Musikevents in Neumarkt. Die Konzerte in der Reihe „Sommer im Park“ ab Mai, das Altstadtfest im Juni, ab Mitte Juli „IMA“, die Konzerte der Internationalen Meistersinger Akademie 2023, die Neumarkter Kulturnacht am 30. September sowie das Jazzweekend von 13. bis 15. Oktober in der Residenz bieten reiche Musikerlebnisse unterschiedlichster Genres.
„Das Jazzweekend ist Auftakt zum Klangraum-Festival mit seinen einmal im Monat stattfindenden Konzerten“, sagt Vroni Bertsch, Leiterin der Sing- und Musikschule der Stadt Neumarkt, die das Jazzweekend veranstaltet. Am Freitag spielt „Sissi swingt“ aus Kelheim. Am Samstag tritt das Saxophon-Harfe-Duo „WisAWis“ aus Valley auf und am Sonntag gibt es ein Kinderkonzert: „Sarah und der Flügel Jean Jacques“. Bertsch findet, dass die Musikszene und Musikveranstaltungen in der Region „gut abgedeckt und aufgestellt“ sind. „Es wird viel angeboten.“
Der Burgrock fällt aus
Das sieht Florian Krotter, einer der drei Veranstalter des Mittelalterfests Spectaculum Nordgavia in Parsberg ein bisschen anders. „Wenn man Konzerte betrachtet, dann ist in den Ballungszentren München und Nürnberg das Angebot schon da“, sagt Krotter. Aber gerade kleineren Veranstaltern mache die Kostenexplosion sehr zu schaffen. „Das wird sich zuspitzen auf größere Veranstalter“, befürchtet er.
Das Spectaculum rockt in diesem Jahr deshalb bedeutend leiser: „Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber aufgrund der enormen Kostensteigerungen in allen Bereichen können wir das Spectaculum rockt 2023 nicht durchführen. Sobald sich der Markt wieder auf einem finanzierbaren Niveau eingependelt hat, gehen wir wieder an den Start“, heißt es auf der Homepage. „Wir hatten alles da, was Rang und Namen hat, haben überregional sogar international Lob bekommen“, bedauert Krotter. „Wir haben schon vor, das wieder zu beleben.“
„Branche macht sich selbst kaputt“
Aber die Kosten explodieren: für Ton, für Licht, für Dienstleistungen aller Art, nicht zuletzt die Gagen. „Die Branche macht sich selber kaputt“, meint Krotter.
Die drei Gesellschafter der Gavia Events GbR wollten das Risiko überschaubar und auch die Ticketpreise mit voraussichtlich rund 45 Euro bezahlbar halten. Das Rockkonzert am Freitag hatte meist Besucher im vierstelligen Bereich.
„Spielleut‘ Trollfaust“ machen Dampf
Für dieses Jahr haben die Veranstalter aus der Not eine Tugend gemacht. Statt dem großen Rockevent gibt es passend zum mittelalterlichen Lagerleben am Freitag zum Spectaculum-Auftakt einen Auftritt der „Spielleut‘ Trollfaust“, einer sechsköpfigen Formation aus dem Augsburger Raum, die aber auch ordentlich Dampf macht.
Auch wenn das mit Rock nicht so viel zu tun hat, sagt Florian Krotter: In der Mittelalterszene ist die Gruppe hoch angesehen, weiß der Kulturveranstalter. „Es ist einfach mal etwas anderes. Das ist spannend. Also lassen wir uns überraschen.“

